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Reaktionen zu Ausschreitungen in Marseille - Eintracht droht Champions-League-Geisterspiel

Simon Zimmermann
Stade Velodrome
Stade Velodrome / Fantasista/GettyImages
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Im Vorfeld war es bereits befürchtet worden: Rund um das Champions-League-Gruppenspiel zwischen Olympique Marseille und Eintracht Frankfurt kam es vor und im Stadion zu Ausschreitungen. Für die SGE könnte das schwerwiegende Folgen haben.


Bereits vor dem Stadion kam es zu Zusammenstößen der beiden Fanlager. Schon am Montag wurde von einer Schlägerei berichtet, bei der es zu acht Festnahmen kam. Am Dienstag kamen weitere sechs hinzu.

Im Stade Velodrome schossen dann einige "Fans" Pyros in die jeweils anderen Fanblöcke. Die Polizei positionierte sich im Anschluss im Eintracht-Fanblock. Nach kicker-Informationen wurde ein SGE-Anhänger schwer verletzt und musste ins Krankenhaus. Laut Vorstandsmitglied Philipp Reschke ist er "außer Lebensgefahr".

Zusätzlich für Ärger sorgten Eintracht-Fans als sie auf der Tribüne mutmaßlich den Hitlergruß zeigten. Im Netz kursierten schnell Videos der Geste. "Wir schämen uns für Menschen, die aus Frankfurt kommen, den Adler auf der Brust tragen und den Hitler-Gruß zeigen. Ihr gehört nicht zu diesem Verein, zu dieser Stadt, ihr gehört nicht zu uns", reagierte die Fanabteilung der Eintracht auf Facebook.

Der Klub teilte noch am Abend ein offizielles Statement zum Vorfall: "Eintracht Frankfurt steht für Toleranz und Vielfalt und zeigt im Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung eine klare Haltung. Von einem einzelnen Vorfall im Vorfeld des UEFA Champions League-Spiels zwischen Olympique de Marseille und Eintracht Frankfurt, bei dem eine als „Hitlergruß“ zu verstehende Gestik gezeigt wurde, distanziert sich der Klub in aller Deutlichkeit. Antisemitisches Gedankengut steht im krassen Widerspruch zum unmissverständlichen und unverrückbaren Wertverständnis des Klubs und seiner Wurzeln."

Der Fan habe sich noch während der ersten Halbzeit des Spiels bei der Eintracht gemeldet. Er wies laut Eintracht-Angaben "den Vorwurf einer antisemitischen Intention nachdrücklich zurück. Eintracht Frankfurt wird diesen Vorgang und die Darstellung des Betreffenden ausführlich überprüfen".

Vorstand Rechke sprach über die Erklärung des Eintracht-Anhängers: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Klub gibt, bei dem es klarer ist, wie er sich politisch positioniert. Der Fan hat sich bei der Fanbetreuung gemeldet: 'Hey Leute, das bin ich. Ich habe nicht den Hitler-Gruß gezeigt. Das waren die üblichen 'klassischen' Bewegungen.' Es gibt diese nach rechts ausscherenden Gesten ohne politischen Hintergrund. Wir müssen klären, ob das glaubhaft ist."

Eintracht steht unter Bewährung - Geisterspiel droht

Sehr wahrscheinlich haben die Vorkommnisse in Südfrankreich drastische Folgen für die Eintracht. Nach dem Platzsturm im Europa-League-Halbfinale gegen West Ham United wurde die SGE von der UEFA zu einem Zuschauerausschluss im nächsten internationalen Spiel verurteilt. Die Strafe war für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt worden.

Gut möglich, dass die Strafe nun schon beim nächsten Heimspiel am 4. Oktober gegen Tottenham Hotspur verhängt wird.


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