Bayern München

Berater über Götze-Wechsel zum FC Bayern: "Guardiola machte blind"

Dominik Hager
Mario Götze im Bayern-Trikot
Mario Götze im Bayern-Trikot / Boris Streubel/GettyImages
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Der Wechsel von Mario Götze von Borussia Dortmund zum FC Bayern war einer der größten Aufreger in der Transfergeschichte der Bundesliga. Im Buch "Meine Spielzüge. Aus der Kohlensiedlung zum erfolgreichsten Spielerberater Deutschlands" packt dessen Berater Volker Struth über den Ablauf des Mega-Transfers aus.


Bereits wenige Tage vor der Veröffentlichung des Buchs hat die BILD-Zeitung erste spannende Einblicke davon erhalten. Unter anderem geht es dabei um den Transfer von Mario Götze zum FC Bayern im Jahr 2013.

Begonnen hatte alles mit einem Anruf von Matthias Sammer, der zu diesem Zeitpunkt für die Kaderplanung der Münchner verantwortlich war.

"Matthias Sammer rief an und sein erster Satz klang, als wolle er nur mal mit mir Kaffee trinken. 'Volker, könntest du dir vorstellen, dass wir uns mal zusammensetzen?', fragte dieser. 'Ich würde mich mal gerne über Mario mit dir unterhalten'", zitierte Struth den heute 54-Jährigen.

Damit löste der Anrufer in Struth jedoch zunächst nur bedingt Freude aus. Beim FC Bayern standen schließlich Spieler wie Arjen Robben, Franck Ribery, Thomas Müller und Toni Kroos im Kader, was die Aufgabe für Götze schwierig machen würde. Allerdings wusste Volker Struth schon zu diesem Zeitpunkt, was geschehen würde.

Guardiola Hauptgrund für Götze-Transfer: "Da würde Mario sofort hinwollen"

"Einen Monat zuvor, im Januar 2013, war bekannt geworden, dass Pep Guardiola den FC Bayern ab Sommer trainieren würde. Da würde Mario sofort hinwollen; nicht zum FC Bayern, aber zu Guardiola. Und ich fragte mich, ob das gut gehen konnte. Wo war der Platz für Mario in Guardiolas Bayern-Elf? Doch der Name Guardiola machte blind", erklärte er.

Daraufhin musste sich der Berater im März an Borussia Dortmund wenden, noch bevor Gerüchte zum bevorstehenden Transfer durchgesickert waren.

Zorc wütete nach Götze-Entschluss: "Warf mir alle Beleidigungen an den Kopf"

Michael Zorc
Frederic Scheidemann/GettyImages

"Michael, ich muss dir etwas sagen. Mario hat sich dafür entschieden, im Sommer nach München zu wechseln. Wir werden die Ausstiegsklausel ziehen", stellte Struth den BVB vor vollendete Tatsachen.

Nach langem Schweigen verlief das weitere Gespräch folgendermaßen: "Ich muss jetzt erst einmal schlucken. Lass uns in fünf Minuten wieder telefonieren", so Michael Zorc.

"Fünf Minuten später rief er wieder an. Er warf mir alle Beleidigungen an den Kopf, die die deutsche Sprache hervorgebracht hat, eine nach der anderen, minutenlang", erinnerte sich Struth an das Gespräch. "Ich kann deinen Zorn verstehen. Aber ich kann es nicht ändern", antwortete er dem aufgebrachten Borussen.

Kurz darauf kam es auf Wunsch von Michael Zorc zu einem ersten persönlichen Gespräch in einer Pizzeria. Mit von der Partie waren Trainer Jürgen Klopp, Michael Zorc, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Mario Götze, dessen Vater sowie Volker Struth und Geschäftspartner Dirk Hebel. Struth gab in seinem Buch zu, dass er darauf gehofft hatte, dass Klopp Götze mit seiner "sensationellen Art zu werben" von einem Verbleib überzeugen kann.

Klopp enttäuscht: "Bin halt kein Guardiola"

"Klopp legte los. Was sie gerade in Dortmund erlebten – Wahnsinn! Absolut glückliche Einheit mit dem Publikum, Mario erst am Anfang, die Liebe einer ganzen Stadt, Wahnsinn! Ich versuchte, in zurückhaltenden Worten Marios Entschluss zu verteidigen", erläuterte Struth. Allerdings äußerte sich Götze in diesem Moment selbst zu Wort.

"Ich möchte das einmal erleben, für Guardiola zu spielen. Das bedeutet nicht, dass mich irgendetwas in Dortmund stört. Ich weiß bloß, das ist eine Chance, die nie mehr wiederkommt und die ich nutzen will", erklärte das damalige Top-Talent.

Das souveräne Auftreten von Mario Götze erstaunte Struth, der dadurch auch überzeugter davon wurde, dass es der Spieler in München schaffen konnte. Bei der Dortmunder Delegation machten sich hingegen im Verlaufe des Abends Wut und Verzweiflung breit.

Klopp, Götze
Götze und Klopp / VI-Images/GettyImages

"'Hab schon verstanden, Mario, ich bin halt kein Guardiola', sagte Klopp. [...] 'Ist halt der Guardiola, der spielt ja auch dieses Tikitaka'", zitierte Struth den enttäuschten Jürgen Klopp.

Auf Struth wartete im Anschluss eine unruhige Nacht, in denen er sich die Frage stellte, ob der gefasste Entschluss die richtige Entscheidung sei. Auf der einen Seite hatte ihm die selbstbewusste und coole Art von Götze ein gutes Gefühl gegeben, auf der anderen Seite drehten sich seine Fragen um Pep Guardiola, der sich während der Verhandlungen nicht einmal persönlich bei Götze gemeldet hatte.

Letzte Rücksicherung vor Medizincheck: "Bist du dir sicher, Mario?"

Am Abend vor dem Medizincheck wollte sich Struth dann ein letztes Mal versichern, ob sich der Spieler seine Sache sicher sei.

"Bevor Mario zum Medizincheck der Bayern flog, sah ich in meinem Büro erst ihn, dann seinen Vater an. 'Es ist eure Entscheidung. Aber als Berater muss ich es so klar sagen: Ich habe Bauchschmerzen bei diesem Wechsel'", erklärte er ein letztes Mal.

Auf seine letzte Frage "Bist du dir sicher, Mario?", antwortete Götze lediglich mit "Sicher!", wodurch die Angelegenheit endgültig geklärt war.

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