International

In Leverkusen aussortiert, in Nigeria ein Star: Die Geschichte von Maduka Okoye

Marc Knieper
Maduka Okoye (22) hütet noch bis Saisonende für Sparta Rotterdam den Kasten
Maduka Okoye (22) hütet noch bis Saisonende für Sparta Rotterdam den Kasten / BSR Agency/GettyImages
facebooktwitterreddit

In Leverkusen und Düsseldorf dürfte man dieser Tage noch einmal besonders die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Denn Maduka Okoye, einstiger Torhüter beider Rhein-Klubs, katapultiert sich mit guten Leistungen auf die Bildfläche und steht völlig zu Recht während des Afrika Cups für Nigeria zwischen den Pfosten. 90min skizziert die Geschichte des Deutsch-Nigerianers.


Sein Vater stammt aus Nigeria, seine Mutter aus Deutschland. Geboren und aufgewachsen ist Maduka Okoye in Düsseldorf. Das Fußballspielen begann er beim Düsseldorfer Stadtteilklub SC Flingern 08 - zuerst noch als Stürmer, kurz darauf im Kasten.

Gladbach lotste ihn schließlich in den klubeigenen "FohlenStall", dem NLZ der Borussia. 2009 ging es für Klein-Okoye in die Jugendabteilung von Bayer Leverkusen. Hier erlernte er bis 2017 das fußballerische Handwerk, ohne dabei eine einzige Partie für die U17 und U19 zu absolvieren.

Okoye wurde in Leverkusen regelrecht links liegen gelassen. Eine Entscheidung, die man im Umfeld der Werkself heutzutage gewiss bedauern darf. Als 18-Jähriger wechselte der Keeper zurück in die Heimat, zu Fortuna Düsseldorf.

Bei der Fortuna bekam er endlich Spielzeit, durfte als A-Jugendlicher bereits für die Reservemannschaft in der Regionalliga ran. Nur eine Saison später gehörte er zum festen Bestandteil der U23 und wechselte sich regelmäßig mit zwei Kollegen im Tor ab. Unter Uwe Rösler gehörte Okoye in der Saison 2019/20 als Nummer zwei hinter Florian Kastenmeier drei Mal dem Bundesliga-Kader an.

Der rasante Aufstieg zur Nummer eins in Holland

Bundesliga-Luft durfte der 1,97-Meter-Mann allerdings nicht schnuppern. Es folgte der Wechsel zu Sparta Rotterdam im Sommer 2020. Als Nummer zwei verpflichtet, löste Okoye Benjamin van Leer schnurstracks und schon ab dem siebten Spieltag als Nummer eins ab und absolvierte die restlichen 28 Ligaspiele in der holländischen Eredivisie.

Maduka Okoye bei erstem Training für Sparta Rotterdam
Okoye bei seinem ersten Training für Sparta Rotterdam / BSR Agency/GettyImages

Er erledigte seinen Job in Rotterdam sogar so gut, dass Premier-League-Klub Watford den 22-Jährigen zu Beginn dieses Jahres für beachtliche fünf Millionen Euro verpflichtete und dabei noch bis Saisonende an Sparta verlieh. Ab Sommer beginnt für Okoye somit eine neue Ära auf der Insel - mit packenden Zweikämpfen gegen Stürmer wie Romelu Lukaku, Harry Kane und Mohamed Salah. Vorausgesetzt Watford schafft den Klassenerhalt.

Weiße Weste bei Afrika-Cup-Debüt

Letzterer war bereits während des ersten Gruppenspiels im Afrika Cup sein Gegner. Am Dienstagnachmittag gewannen die nigerianischen "Super Eagles" mit 1:0 gegen Mit-Favorit und Afrika-Cup-Rekordsieger Ägypten. Okoye hielt den Kasten sauber und parierte in der 71. Minute locker lässig mit ausgestrecktem Bein gegen Salah.

Mannschaftsfoto Nigeria beim Afrika Cup
Okoye (oben links) und sein Team vor dem Spiel gegen Ägypten / DANIEL BELOUMOU OLOMO/GettyImages

"Das erste große Turnier - das ist natürlich ein Traum, der für mich wahr wird. "

Maduka Okoye via Transfermarkt

Okoye hat "erst" 13 Nationalelf-Spiele auf dem Buckel, qualifizierte sich zuletzt mit seinen Kollegen für die WM 2022 und darf nun sein erstes großes Turnier spielen. "Das ist natürlich ein Traum, der für mich wahr wird", sagte er kürzlich im Gespräch mit Transfermarkt.

Bereits vor der Partie gegen Ägypten äußerte Okoye seine unglaubliche Vorfreude auf das Duell mit Salah gegenüber der Rheinischen Post: "Das ist ja irgendwie schon der erste Härtetest für unsere Spiele in der Premier League gegeneinander. Mo Salah ist einer der besten Spieler der Welt. Vielleicht sogar der beste. An solchen Herausforderungen kann man nur wachsen. Ich bin bereit, um allen zu zeigen, was ich kann."

Mit dem 1:0-Sieg über Ägypten und einer starken Parade gegen Salah bugsiert er sich weiter ins Rampenlicht. Die kommenden Gegner heißen Sudan und Guinea-Bissau. Der Traum lebt, vom ersten großen Pokal in der Karriere. Das Ziel der "Super Eagles" ist klar: "Wir wollen den Pokal holen", so Okoye.

Gernot Rohr als großer Förderer

Dass Okoye überhaupt zwischen den nigerianischen Pfosten steht, hat er auch Gernot Rohr zu verdanken. Der deutsche Coach trainierte die "Super Eagles" von 2016 bis 2021, schenkte Okoye nach der Verletzung von Stammkeeper Francis Uzoho sein vollstes Vertrauen und hielt auch darüber hinaus an ihm fest.

Mittlerweile pariert Okoye so gut, dass natürlich auch Nigerias Interimscoach Augustine Eguavoen den 22 Jahre alten Keeper aufstellt. Die Premier League darf sich also freuen, auf einen weiteren talentierten und entwicklungsbereiten Torhüter. Leverkusen und Düsseldorf stecken derweil den Sand in den Kopf.

In Nigeria ist Okoye schon längst ein Star. Oma Sports TV reiste extra aus Nigeria nach Rotterdam, um Okoye zu interviewen und für einen Tag zu begleiten. Unter anderem ging es mit einem brandneuen Mercedes und nigerianischer Musik durch die Innenstadt. Seht selbst:


Alles zu Bayer Leverkusen bei 90min

facebooktwitterreddit