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Lucas Alario: Zu gut für die Leverkusener Reservebank

Markus Grafenschäfer
VAMOS! Alario trifft wie am Fließband
VAMOS! Alario trifft wie am Fließband / DeFodi Images/Getty Images
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Ob er seine offizielle Umbenennung zu 'Goalario' schon auf den Weg gebracht hat? Gründe genug dürfte Lucas Alario haben. Der Argentinier ist aktuell die Lebensversicherung von Bayer Leverkusen, sein Doppelpack gegen Freiburg war für die Werkself der Grundstein zum Sieg. Das Paradoxe an der Sache: Alario würde wohl im Normalfall gar nicht spielen.

Sieben Tore in acht Pflichtspielen der laufenden Saison - Holla die Waldfee, Alario ist on fire! Der 28-Jährige rückte nach der bitteren Verletzung vom eigentlich gesetzten Neuzugang Patrik Schick in die Startelf und betreibt mächtig Eigenwerbung. Der Nationalspieler Argentiniens zeigt, dass er zu gut für die Bank ist.

Alario liefert Tore am Fließband, doch reicht das für einen Stammplatz?

Dennoch hat der Stürmer in Leverkusen kein leichtes Standing. Seit seiner Ankunft im Sommer 2017 pendelt Alario zwischen Bank und Startelf, ohne irgendwie richtig gesetzt zu sein. Im Zweifel wurden ihm immer andere Personalien (Kai Havertz, Kevin Volland) vor die Nase gesetzt. Der Abgang dieser beiden Platzhirsche im letzten Sommer wäre eine gute Chance für Alario wie auch Leverkusen gewesen, die alten Querelen vom Tisch zu schieben.

Stattdessen verpflichtete Bayer für viel Geld den Tschechen Schick, der von nun an Leverkusens Sturm anführen soll. Verständlich, dass Alario nur noch wenig Bock auf Leverkusen hatte, schließlich schien der Bankplatz abermals seine Position zu werden. Dass er die Qualität und Konstanz für einen Stammplatz hat und sich wohl zu den besten Stürmern der Liga zählen darf (wenn er das Vertrauen erhält), stellt er aktuell unter Beweis.

Alario ist Leverkusens Mann der Stunde, sein eiskaltes Ausgleichstor gegen Freiburg sorgte erst dafür, dass die Werkself im Breisgau überhaupt wieder im Spiel war. Die Präsenz des Argentiniers auf dem Platz ist beeindruckend. Alario macht Bälle fest, leitet sie klug weiter und tritt gegen den Ball als erster Verteidiger auf.

Schick oder Alario? Bosz hat die Qual der Wahl

Dennoch ist es unklar, wie Bayer-Trainer Peter Bosz seinen Sturm nach der baldigen Rückkehr von Schick aufstellt. Rein leistungstechnisch hätte Alario aktuell klar die Nase vorn, aber das soll bei seiner Personalia nichts heißen. Droht ihm abermals die Bank?

Schick und Alario (re.) kämpfen um die Startelf
Schick und Alario (re.) kämpfen um die Startelf / DeFodi Images/Getty Images

Es wäre ein bitterer Abbruch eines doch so starken Saisonstarts und wäre wahrscheinlich das deutlichste Zeichen, dass bei dieser Position nicht nur die Leistung zählt. Alario überzeugt, Alario trifft, dennoch ist Alario nicht Leverkusens erste Wahl. Dabei ist es für Bayer 04 doch gut zu wissen, dass in der Sturmzentrale die Qualität stimmt. Ein faires und funktionierendes Rotationssystem, welches beispielsweise in Leipzig funktioniert (Paulsen, Hwang, Sörloth), könnte auch in Leverkusen mit Alario und Schick etabliert werden.

Denn Tatsache ist, dass sich Leverkusen mittlerweile bei Alario bedanken kann, da er trotz Differenzen mit der sportlichen Führung aktuell Leistung abliefert. Nun ist die Werkself gefragt, die Lebensversicherung nicht einmal mehr zu vergraulen.

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