DFB-Frauen

"Meine Position gibt es beim DFB nicht wirklich" - Laura Freigang im Interview

Daniel Holfelder
Laura Freigang
Laura Freigang /
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Am 8. Juli wird es ernst für die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft. Im Auftaktmatch gegen Dänemark wollen die DFB-Kickerinnen zeigen, dass sie das Zeug zum Gewinn der Europameisterschaft mitbringen. Während der Turnier-Vorbereitung hatte 90min die Möglichkeit, mit Angreiferin Laura Freigang von Eintracht Frankfurt zu sprechen. Neben sportlichen Themen ging es auch um einige Fragen, die außerhalb des Platzes diskutiert werden.


90min: Im Verein bei Frankfurt spielst du auf der Zehnerposition. Gibt es diese Rolle hier im DFB-Team überhaupt?

Laura Freigang: Nein, nicht wirklich. Wir spielen beim DFB in einer 4-1-4-1-Formation mit einem Sechser, zwei Achtern und einer klaren Spitze. Das ist ein anderes System als in Frankfurt. Das ist aber kein großes Problem. Ich kann ebenso gut auf der Neunerposition spielen. Dort bin ich in der Nationalmannschaft auch fest eingeplant.

90min: Könntest du auch auf den Halbpositionen im Mittelfeld spielen?

Laura Freigang: Mittlerweile schon, denke ich. Habe ich zumindest gehört (lacht). Aber primär bin ich im Angriff eingeplant.

90min: Nach dem Abitur hast du zwei Jahre in den USA verbracht und dort im Team der Pennsylvania State University gespielt. Wie würdest du diese Erfahrung beschreiben?

Laura Freigang: In erster Linie bin ich damals nach Amerika gegangen, um mich persönlich weiterzuentwickeln. Der sportliche Aspekt kam erst an zweiter Stelle. Ich wollte einfach mal raus, etwas Neues erleben, eine neue Kultur kennenlernen. Viele meiner Freunde haben das nach dem Abi ähnlich gemacht. Aber auch sportlich war der USA-Aufenthalt eine wichtige Erfahrung. Zwischen Amerika und Deutschland bestehen große Unterschiede. Man erlebt mehr Wertschätzung für seinen Sport als beispielsweise in der 2. Bundesliga hier in Deutschland. Auch das Jahr ist anders strukturiert. Die Saison dauert nur drei, vier Monate. Die restliche Zeit dient der Vorbereitung. Im Kraft- und im athletischen Bereich habe ich da unheimlich viel gelernt. Fußballerisch allerdings auch. Wir haben einen sehr europäisch geprägten, technischen Fußball gespielt. Danach habe ich die Uni auch ausgesucht.  

90min: Wie hoch war Leistungsniveau im Vergleich zu Deutschland?

Laura Freigang: Ich bilde mir ein, dass unser damaliges Team gut genug für das untere Ende in der 1. Bundesliga gewesen wäre. Natürlich war die Mannschaft ziemlich jung, die Ältesten waren maximal 24 oder 25 Jahre alt. Aber wir hatten viele amerikanische Nationalspielerinnen im Team und ziemlich professionelle Bedingungen. In den USA stecken die Unis sehr viel Geld in den Sport. Zudem gibt es eine Regelung, wonach die Männer- und Frauenteams im gleichen finanziellen Umfang gefördert werden müssen.

90min: Vor der EM orientieren sich immer mehr Verbände am Equal Pay-Prinzip und zahlen den Nationalspielerinnen die gleichen Prämien wie den Nationalspielern. Der DFB hat eine andere Entscheidung getroffen. Wie sieht deine Meinung dazu aus?

Laura Freigang: Ich finde es super, dass die Verbände ein Zeichen setzen. Das zeigt, wo die Entwicklung hingehen soll. In Deutschland kommt das Thema ebenfalls langsam an. Auch unsere Prämie ist ja hochgegangen vor dem Turnier. Das sind alles gute Zeichen. Allerdings muss ich auch sagen, dass es mir persönlich nicht so wahnsinnig wichtig ist, am Ende des Monats noch mehr Geld auf mein Konto überwiesen zu bekommen. Klar, das sagt sich so leicht und wenn man mehr Geld hätte, wäre das bestimmt auch schön. Aber wenn ich mich umgucke und sehe, was meine Freunde machen, wie viele Arbeitsstunden sie haben und wie viel sie verdienen, fühle ich mich schon total privilegiert. Primär geht es uns in der Nationalelf deshalb nicht darum, noch mehr Geld zu bekommen. Wir verdienen ohnehin schon sehr gut. Vielmehr geht es darum, professionelle Bedingungen für alle Spielerinnen zu schaffen. Als ich vor vier Jahren meinen ersten Vertrag unterschrieben habe, war das auch ein ganz anderer Vertrag als jetzt. Da ich habe bis zum letzten Euro runtergelebt am Ende des Monats. Ich kenne viele Spielerinnen aus der 1. Bundesliga, die nebenbei noch arbeiten müssen. Das muss sich ändern.

90min: Wie sieht in diesem Zusammenhang die Rolle der Frauen-Bundesliga aus?

Laura Freigang: Die Frage ist, welche Strukturen man verändern muss, damit Verbesserungen eintreten. In England zum Beispiel haben sich Dinge in sehr kurzer Zeit sehr positiv entwickelt. Die Vereine wurden dazu verpflichtet, ein Frauenteam zu betreiben und entsprechend zu investieren. Vor vier Jahren war die Liga dort auf einem ganz anderen Niveau als heute. Wenn ich die letzten Monate Revue passieren lasse, bin ich optimistisch, dass sich Deutschland daran ein Beispiel nimmt. Grundsätzlich muss ich aber sagen, dass ich bei diesem Thema auch nicht immer durchblicke, nicht im Verband tätig oder die absolute Expertin bin.

90min: Könntest du näher beschreiben, wie sich eure Bedingungen von denen der Männer unterscheiden?

Laura Freigang: Ich war bei der Männer-Nationalmannschaft zwar noch nie dabei, aber ich glaube nicht, dass es da große Diskrepanzen zur Frauen-Nationalmannschaft gibt. Wir sind hier absolut privilegiert und verwöhnt. Das ist uns auch allen bewusst. Ich wüsste nicht, woran es mir hier noch fehlen würde. Wir haben ein riesengroßes Trainerteam, wir haben einen eigenen Koch, wir haben Top-Reisebedingungen. Wenn man nach ganz oben guckt, ist sehr viel schon sehr gut. Genau deshalb mahnen wir immer wieder professionellere Strukturen in der Liga an. Dort fängt man als Spielerin an und verbringt die meiste Zeit, ehe man dann vielleicht irgendwann beim DFB ankommt.

90min: Ist es grundsätzlich der richtige Weg, dass sich der Frauenfußball den Fußball der Männer zum Maßstab nimmt? Das Geschäft dort, würden Kritiker einwerfen, hat längst jedes gesunde Maß überschritten.

Laura Freigang: Natürlich wünschen wir uns mehr Aufmerksamkeit und wollen gesehen und respektiert werden. Aber es stimmt: Ich mag die Atmosphäre, die heute im Frauenfußball herrscht. Ich weiß nicht, ob ich möchte, dass der Frauenfußball die gleichen Dimensionen annimmt wie bei den Männern.

90min: Letzte Frage. Was würdest du Mädchen und Jungs raten, die wie du Fußballprofi werden wollen?

Laura Freigang: Zunächst sollte man sich nicht vollkommen auf dieses Ziel versteifen. Ich habe immer Fußball gespielt, weil es mir umheimlich großen Spaß gemacht hat und das war, was ich in meiner Freizeit unbedingt machen wollte. Das sollte die Grundvoraussetzung sein. Zusätzlich sollte man sich bewusst sein, dass zu einer Profikarriere auch eine gewisse Portion Glück gehört. Sich zu viel Druck zu machen, ist deshalb der falsche Weg.


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