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Paris SG

Mbappe dachte über Rücktritt aus der Nationalmannschaft nach

Jan Kupitz
Kylian Mbappe verschoss gegen die Schweiz einen Elfmeter
Kylian Mbappe verschoss gegen die Schweiz einen Elfmeter / Marcio Machado/Getty Images
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Kylian Mbappe ist einer der besten Angreifer der Welt und ein zukünftiger Ballon-d-'Or-Sieger. Doch insbesondere rund um die EM musste er sich nach dem frühen Ausscheiden der französischen Nationalmannschaft Kritik anhören. Diese ging nicht spurlos an ihm vorbei.


Nach einer soliden, aber keineswegs überragenden Gruppenphase musste die Equipe Tricolore bei der EM 2020 im Achtelfinale gegen die Schweiz antreten. Bis zur 80. Minute führte der amtierende Weltmeister mit 3:1, ehe er sich noch zwei Gegentore einfing und schließlich im Elfmeterschießen den Kürzeren zog. Eine Blamage für die Franzosen, bei denen mit Kylian Mbappe ausgerechnet der größte Hoffnungsträger den entscheidenden Elfmeter vergab.

Obwohl der PSG-Star an fünf von sieben Turniertoren der Franzosen beteiligt gewesen war, wurde er im Anschluss an das Turnier - auch in seiner Heimat - scharf kritisiert. Mbappe musste als Sündenbock herhalten, wurde teils rassistisch beleidigt. Ein Umgang, der ihm zu schaffen machte, wie er gegenüber L'Equipe erklärte.

"Ich habe die französische Nationalmannschaft immer über alles gestellt, und ich werde sie immer über alles stellen. Ich habe nie einen einzigen Euro genommen, um für die französische Nationalmannschaft zu spielen - ich werde immer umsonst für meine Nationalmannschaft spielen. Vor allem wollte ich nie ein Problem sein", schilderte Mbappe seine Sicht.

Der 22-Jährige, der vor seinem bereits 50. (!) Länderspiel steht, gestand offen, dass er auch in Erwägung gezogen habe, aus der Nationalmannschaft zurückzutreten: "Von dem Moment an, als ich das Gefühl hatte, dass ich anfing, ein Problem zu werden und dass die Leute das Gefühl hatten, ich sei ein Problem... Das Wichtigste ist die französische Nationalmannschaft, und wenn die französische Nationalmannschaft ohne mich glücklicher ist, dann ist das so."

"Ich habe die Botschaft erhalten, dass wir wegen meines Egos verloren haben, dass ich zu viel Platz einnehmen wollte und dass wir deshalb ohne mich vielleicht gewonnen hätten."

Kylian Mbappe (L'Equipe)

Mbappe kritisierte zudem Noel Le Graet, den Präsidenten des französischen Fußballverbandes. Der 79-Jährige hatte nach dem EM-Aus verraten, dass Mbappe um ein Treffen mit ihm gebeten habe, um sich über die Kritik an seiner Person zu beschweren.

Den PSG-Star störte vor allem, dass Le Graet das Treffen zwar öffentlich gemacht, allerdings nicht die ganze Wahrheit mitgeteilt hatte: "Er wollte mich direkt nach der EURO treffen, ich habe ihm gesagt, dass ich in den Urlaub fahre und wir uns treffen, wenn ich zurückkomme. Es war etwas Vertrauliches, doch als das herauskam... nein, ich habe es nicht verstanden. Ich werfe ihm das nicht vor - ich denke, er hatte seine Gründe, aber ich habe mich nicht über den verschossenen Elfmeter beschwert, das stimmt nicht. Ich habe mich bei ihm darüber beschwert, dass ich beleidigt und als "Affe" bezeichnet wurde, weil ich einen Elfmeter verschossen hatte. Das ist nicht dasselbe. Ich werde mich nie über einen Elfmeter beschweren: beim Elfmeter war ich derjenige, der ihn verschossen hat."

Kylian Mbappe
Mbappe scheiterte an Yann Sommer / Marcio Machado/Getty Images

Insgesamt könne er jedoch viele Lehren aus dem frühen EM-Aus und der vielen Kritik ziehen. Getreu dem Motto 'Was mich nicht umhaut, macht mich stärker' will Mbappe nun nach vorne schauen: "Ich verstehe jetzt alles in der Sportwelt: Wenn du nicht gut bist, akzeptierst du, was die Leute sagen, und das war's. Man muss sich nur im Spiegel anschauen: Ich war nicht so gut, wie ich hätte sein sollen, ich akzeptiere es, und ich lebe mit diesem Versagen, denn es wird mir weiterhelfen." Mbappe erklärte, dass sein verschossener Elfmeter der größte Tiefpunkt seiner Karriere gewesen sei - obwohl er zum Beispiel das Champions-League-Finale 2020 verloren hatte.

Wichtig sei für ihn aber, das unterstrich er erneut, kein Problem für die Nationalmannschaft darzustellen.

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