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Kroos über schwule Fußballer: "Weiß nicht, ob ich raten würde, sich zu outen"

Toni Kroos
Quality Sport Images/Getty Images

Seit einigen Jahren ist Toni Kroos einer der erfolgreichsten deutschen Fußballer. Im Interview mit dem GQ-Magazin hat sich der 30-Jährige über sein langsam nahendes Karriereende, einen potenziellen Wechsel in die USA und über das Outing homosexueller Fußballer unterhalten - er wüsste leider nicht, ob er ihnen raten würde, sich während der Karriere zu outen.

Der dreifache Sieg der Champions League von 2016 bis 2018 und die Meisterschaft in der Saison 2016/17 sind nur die jeweiligen Spitzen des Eisbergs, wenn man auf die Karriere von Toni Kroos bei Real Madrid blickt. Seit seinem Wechsel im Sommer 2014 spielt er als absoluter Leistungsträger auf und ist dabei äußerst erfolgreich.

Kroos hofft auf Karriere-Ende in Madrid: "Wunsch, meine Laufbahn bei Real zu beenden"

Erst im Mai 2019 haben Kroos und die Königlichen die gemeinsame Zusammenarbeit vertraglich neu ausgebaut: Das aktuelle Arbeitspapier des deutschen Nationalspielers läuft nun bis 2023. Was sich nach einer Menge Zeit anhört, ist im Fußball-Geschäft keine allzu ewige Dauer. Gegenüber dem GQ-Magazin hat sich der 30-Jährige dementsprechend über die nächsten und auch über die letzten Jahren seiner Spieler-Karriere unterhalten: "Dann bin ich 33 und habe alle Optionen - hierbleiben, etwas anderes machen oder die Karriere beenden."

So könnte er es sich auch durchaus vorstellen, in Madrid zu bleiben, auch über das derzeitige Vertragsende hinaus, wie er erklärte: "Mein Wunsch ist es schon, meine Laufbahn hier bei Real zu beenden." Kroos war nie ein Spieler, der alle paar Jahre seinen Verein wechselt. Vier Jahre lang spielte er bei Bayern München in der Bundesliga, ehe der Transfer zu Real erfolgte - seitdem ist er nicht mehr aus der spanischen Hauptstadt zu denken.

Ein etwaiges Karriereende in der amerikanischen Major League Soccer (MLS), ein Weg den mittlerweile einige Spieler wählen, ist für den gebürtigen Greifswalder eher keine Option. Da sei er "nicht der Typ für".

Toni Kroos
Toni Kroos ist ein leistungsstarker Spieler mit klaren Worten neben dem Platz | Eric Alonso/Getty Images

Über die eigene aktive Karriere als Spieler hinaus blickte er ebenfalls schon. So stellte er fest, dass der Job als Trainer nicht seinen derzeitigen Wünschen entspricht: "Als Cheftrainer komme ich wieder in das rein, was mich am aktuellen Fußball am meisten stört: dieses Reisen, wochenlang nicht zu Hause sein. Das will ich nicht." Im Nachwuchsbereich zu agieren könne er sich hingegen schon vorstellen, ergänzte der 96-fache Nationalspieler.

Kroos als Fan von Klartext: Schwule Fußballer sollten keine Angst vor Coming-Outs haben müssen

Abseits des Platzes ist Kroos dafür bekannt, meinungsstark und offen aufzutreten. So sei er es gewohnt, dass bei Interviews stets Schlagzeilen gesucht werden, seine Meinung deshalb ändern oder verstecken wolle er deswegen aber nicht. Verständnis für Spieler, die nicht so offen sind wie er, hat er jedoch allemal: "Aber ich verstehe viele Spieler, die extrem aufpassen, was sie sagen, weil die Gefahr sehr hoch ist, dass aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird."

Ein Thema, bei dem sich Kroos ebenfalls offen äußert, ist Homosexualität im Fußball. Dass sich schwule Spieler angesichts eines möglichen Coming-Outs auch heutzutage noch immer Gedanken machen und Ängste hätten, "sollte nicht der Fall sein", erklärte er.

Ob er betroffenen Spielern raten würde, damit offen umzugehen, wüsste er ehrlicherweise aber nicht: "Mein gesunder Menschenverstand sagt mir natürlich, dass das im 21. Jahrhundert jeder frei ausleben sollte. Ich weiß aber nicht, ob ich jemandem raten würde, sich als Aktiver zu outen." Das begründete er damit, dass "auf dem Platz manchmal mit gewissen Wörtern" um sich geworfen werden würde, und "bei den Emotionen der Fans im Stadion" wolle und könne er auch heute noch nicht garantieren, "dass derjenige nicht doch abgewertet und beschimpft wird".