90min
FanVoice

Kommentar zum Aus der Super League: Warum die Fans jetzt laut bleiben müssen!

Oscar Nolte
Die Fans müssen laut bleiben
Die Fans müssen laut bleiben / Clive Rose/Getty Images
facebooktwitterreddit

Die Super League ging so schnell unter, wie sie kam. Das hat der Fußball vor allem der Kampagne der Fans zu verdanken, die sich weltweit mit lautstarken Protesten gegen die Gründung der Liga und Abspaltung der zwölf Vereine stemmten. Die Macht, die sich in den Händen der Fans offenbarte, kann sich als Waffe gegen die kapitalistischen Strukturen im Fußball entpuppen. Sofern die Proteste nicht aufhören und richtig adressiert werden.


Die Tatsache, dass die Fans überhaupt noch Einfluss auf die Entscheidungen und Strömungen im Business Fußball haben, ist so überraschend wie das abrupte Aus der Super League. Die Chance, die darin liegt, ist gigantisch: das Konstrukt der kapitalistischen Strukturen ist ausreichend ins Wanken gekommen, dass es neu geformt werden kann. Sofern die Fans jetzt nicht still bleiben.

Aufgabe der Fans: Super League abhaken und Status quo hinterfragen

Denn letztlich wird der Kampf gegen die Super League bedeutungslos bleiben, wenn die Proteste sich nun in Häme und Spott für die handelnden Akteure der ESL umwandeln. Es wird der ein oder andere Kopf rollen müssen (Agnelli, Perez, Woodward, etc.), doch damit - und mit Entschuldigungen und Demut - werden die Vereine Stück für Stück das Vertrauen zurückgewinnen und schließlich wird sich nichts ändern.

Die Fans haben bewiesen, dass sie unglaublich viel Macht und Einfluss haben. Können sie das nun nutzen, um auch am kapitalistischen Status quo im Fußball zu sägen?

Florentino Perez
Florentino Perez hat sich als Sinnbild all dessen entpuppt, was im Fußball falsch läuft / Soccrates Images/Getty Images

Der, das vergaß man für einen Augenblick im Angesicht der drohenden Super League, ist weiterhin ziemlich bescheiden. Das Geld im Fußball fließt nur in eine Richtung, die Verbände und Wettbewerbe arbeiten ausschließlich mit dem Konzept maximalen Profits. Die verabschiedeten Champions-League-Reformen bescheren uns eine inklusive Super League. Eine kompetitive, ja, aber doch ein Wettbewerb, der vor allem die Reichen noch reicher macht und die Schere zwischen kleineren und größeren Clubs weiter weiten wird.

Die Mechanismen und Systeme im Fußball sind außer Kontrolle geraten. Hoch verschuldete Vereine pumpen Geld, das sie nicht haben und legen ihre Kompetenzen in die Hände externer Geldgeber. Die Verbände schauen hinter Schein-Vorhängen wie dem Financial Fair Play weg und wirtschaften sich dabei selbst in die Tasche. Das System ist korrumpiert und hat die theoretische Umsetzung einer Super League überhaupt erst möglich gemacht. Und wem das zu verschwörungstheoretisch ist, den möchte ich daran erinnern, dass uns eine WM in Katar ins Haus steht.

Die Macht der Fans: kann der Fußball gar reformiert werden?

Bisher schien es keine Mittel gegen diese toxische Entwicklung im Fußball zu geben. Der Kampf der Fans für den Status quo hat jedoch gezeigt, dass dieser Sport eben doch in den Händen Vieler liegt. Die Macht, die in den vergangenen Tagen zu spüren war und dazu geführt hat, dass sämtliche sechs Vereine aus England gebuckelt haben, ist eine Gelegenheit, den Fußball gesund zu reformieren.

FBL-EUR-SUPER-JUVENTUS
Juve-Boss Agnelli ist mit seiner Revolution gescheitert / FILIPPO MONTEFORTE/Getty Images

Dafür müssen nun auch die Verbände unter Druck gesetzt werden. Gesundes wirtschaften, solidarische Strukturen und Umlagerung der Prioritäten auf das Spiel, nicht den Geldbeutel: all das scheint möglich zu sein, wenn die Fans ihre Stimme nun erheben und laut bleiben. Dafür muss das Thema Super League aber abgehakt werden; ansonsten wird der Untergang dieses Projekts plötzlich zum Glücksfall für die UEFA, die FIFA und - pardon - all die reichen Säcke, die im Angesicht der drohenden Spaltung den Samariter spielen.

facebooktwitterreddit