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Kommentar: Gehaltsobergrenze auf Schalke - Gut gedacht, aber schlecht gemacht?

Jochen Schneider
S04-Sportvorstand Jochen Schneider wird wohl demnächst mit einer Gehaltsobergrenze arbeiten | TF-Images/Getty Images

Inmitten der Aufarbeitung der kürzlich abgeschlossenen Saison soll Schalke eine Gehaltsobergrenze planen. Diese eigens eingeführte Obergrenze mag ein gutes und vor allem notwendiges Konzept sein, doch wäre sie - unter den aktuell bekannten Voraussetzungen - eher schlecht als recht. Ein Kommentar.

Am Sonntagabend berichtete die Süddeutsche Zeitung exklusiv, dass Schalke 04 plant, eine Gehaltsobergrenze einzuführen. Ein solches Mittel war vor allem in und nach der Coronakrise ein häufig diskutiertes Thema, da die zahlreichen Vereine, die nach wenigen Wochen ohne Spielbetrieb vor der Pleite stehen würden, später auf eine finanziell gesündere Basis zurückgreifen könnten.

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Die S04-Führung steht auch wegen finanzieller Probleme in der Kritik | SASCHA SCHUERMANN/Getty Images

Auch im Hinblick auf ein Fußball-Geschäft, das sich mit Unsummen von Geldern immer weiter von der Fan-Basis entfernt, schien eine Gehaltsobergrenze für so manchen Zuschauer und Anhänger des Sports eine durchaus attraktive Idee zu sein. Beim S04, so die SZ, soll die Grenze bei 2,5 Millionen Euro liegen, die bei keinem neuen Vertrag mehr überschritten werden soll.

Obergrenze beschränkt Schalke weniger als gedacht: Fokus liegt auf jungen und günstigen Spielern

Zunächst muss festgehalten werden, dass es sich bei dieser offenbar anvisierten Planung weniger um eine edle wie noble Geste handelt, sondern eher um weitere - dringend notwendige - Sparmaßnahme bei Königsblau. Das ist auch nicht verkehrt, immerhin hat sich Schalke einen sehr teuren Kader aufgebaut, der diesen Summen qualitativ nicht gerecht wird. Viele Spieler verdienten viel zu viel in Anbetracht ihrer Leistung, ihrer Bedeutung für Mannschaft und Verein.

Dass Einsparungen im Gehaltswesen der Spieler vorgenommen werden, ist ein richtiger wie wichtiger Schritt. Kein neuer Vertrag soll also über das Jahresgehalt von 2,5 Millionen Euro hinausgehen. Das mag auf den ersten Blick wie ein massiver Einschnitt klingen, ist es aber eigentlich gar nicht.

Sportvorstand Jochen Schneider und Kaderplaner Michael Reschke, die beiden Hauptverantwortlichen für Transfers auf Schalke, haben ohnehin zwei Prämissen bei neuen Spielern: Sie müssen möglichst günstig sein, und sie sollen bestenfalls jung und entwicklungsfähig sein. Solche Neuzugänge, die zurecht einen Großteil der nächsten Transfers ausmachen werden, würden sowieso nicht mehr als diese 2,5 Millionen Euro verdienen. Dort findet also so gut wie kein Einschnitt statt. So stark begrenzt man seine eigenen Möglichkeiten diesbezüglich somit gar nicht.

Jochen Schneider, Michael Reschke
Jochen Schneider und Michael Reschke sind ohnehin auf der Suche nach günstigen Transfers | TF-Images/Getty Images

Des Weiteren wäre eine solche Obergrenze eher eine symbolische Nachricht, sowohl nach innen, als auch nach außen: Im Verein selbst wird erneut deutlich gemacht, wie sehr man sparen muss. Dass ein erfolgreicher Weg nur über bedachte und kluge Investitionen führt. Nach außen, zu den Fans, soll eine gewisse Verständlichkeit und Nähe wieder aufgebaut werden. Das "die bösen Millionäre bringen keine Leistung"-Argument ist zwar kein solches, doch in vielen Köpfen ein noch immer verankertes Bild von Fußballspielern. So wird vielleicht auch der ein oder andere Anhänger zusätzlich beruhigt.

Risiken im Konzept: Vertragsverlängerungen undenkbar? Ausrichten am Kader-Volumen wäre sinnvoller

Kommen wir aber zu den Problemen, die eine solche festgelegte Grenze mit sich bringt. Zum einen gibt es beim S04 die Vertragsverlängerungen von Leistungsträgern, die in der Vergangenheit gerne mal vermasselt wurden. Sollte diese Obergrenze auch für das Fortführen eines Arbeitspapiers gelten, würde sich der Verein so mancher Möglichkeit berauben. Ein Suat Serdar etwa wird vermutlich keinen neuen Vertrag unterschreiben, der (ohne Boni) auf 2,5 Millionen Euro taxiert ist. Um wichtige und gute Spieler zu halten, braucht ein Klub nun einmal Geld.

Ein weiteres Problem-Szenario: Was ist, wenn die Verantwortlichen einen absoluten Wunschspieler bekommen können, dieser aber ein Gehalt von 2,7 oder 2,8 Millionen Euro fordert - wird dieser womöglich starke Transfer dann wegen 200.000 - 300.000 Euro ausgeschlagen? Für diesen Gedanken müsste man schon ziemlich naiv sein.

Jochen Schneider
Auf Schalkes Sportvorstand Schneider kommen intensive Wochen zu | TF-Images/Getty Images

Natürlich könnte ein solches Szenario auch mit Bonuszahlungen, nicht in den 2,5 Millionen Euro Grundgehalt inbegriffen, zusammengebastelt werden. Anhand dieses Beispiels wird jedoch deutlich, wie bedeutsam es ist, mit welcher Flexibilität und in welchem Rahmen ein solches Konzept ausgearbeitet und umgesetzt wird.

Viel einfacher und weniger restriktiv wäre es für den Verein doch, wenn es eine solche Obergrenze für die gesamten Kader-Ausgaben gäbe. So könnte der Klub ebenfalls die notwendigen Einsparungen vornehmen, behielte gleichzeitig aber die wichtige Flexibilität, auch Gehälter von über 2,5 Millionen Euro zu bezahlen, um etwa begehrte wie wichtige Spieler zu halten - an anderer Stelle würde dann zum Beispiel ein neuer Spieler weniger verdienen, sodass am Ende wieder der gewünschte, dann eingesparte Betrag zum Vorschein kommt.

Dadurch könnten ebenfalls Sparmaßnahmen umgesetzt werden, während man innerhalb der eigenen Richtlinien handlungsfähiger bleibt. Die augenscheinlich vom S04 angedachte Gehaltsobergrenze - also ein klassischer Fall von gut gedacht, schlecht gemacht?

Fazit: Genaue Umsetzung einer Gehaltsobergrenze das A und O - Schalke muss handlungsfähig bleiben

Fakt ist, eine solche Grenze würde Schalke vor allem bei neuen Spielern nicht so sehr treffen und einschränken, wie es sich auf den ersten Blick vermuten ließe. Die angedachte Gehaltsgrenze wird zukünftig vermutlich ohnehin nur noch in sehr seltenen Fällen erreicht, aber bei erhofften Vertragsverlängerungen wäre ein solches Mittel zwar noch immer im Grundgedanken richtig, aber auch hinderlich.

Sport-Club Freiburg v FC Schalke 04 - Bundesliga
Schalke verfügte jahrelang über zu große Gehalts-Kosten | Pool/Getty Images

Es wird also ganz darauf ankommen, in welchem Rahmen Schalke dieses Konzept umsetzt. Bleiben die handelnden Personen innerhalb dessen noch handlungsfähig und flexibel, oder wird die Arbeit doch mehr eingeschränkt, als es sein müsste (Stichwort gesamte Kader-Betrachtung)? Viel schädlicher ist es am Ende aber, dass eine solch große Idee, die eine Art Bewegung im modernen Fußball-Business auslösen könnte, nebenbei an die Öffentlichkeit gerät.

Die Zeiten, in denen so gut wie jedes Pausengespräch der S04-Führung an die Öffentlichkeit gelang, sollten eigentlich vorbei sein.