Frauen-Bundesliga

"Wollen uns in der Bundesliga etablieren": Köln-Aushängeschild Ally Gudorf im Gespräch über die neue Saison

Daniel Holfelder
"Der FC ist mein Zuhause": Die gebürtige Kölnerin Ally Gudorf identifiziert sich voll und ganz mit ihrem Klub
"Der FC ist mein Zuhause": Die gebürtige Kölnerin Ally Gudorf identifiziert sich voll und ganz mit ihrem Klub / Lukas Schulze/GettyImages
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In Köln geboren, aufgewachsen und jetzt für den FC in der Bundesliga am Ball: Ally Gudorf hat das geschafft, wovon viele junge Fußballerinnen träumen. Nach dem Aufstieg vor zwei Jahren und dem souveränen Klassenerhalt in der vergangenen Spielzeit geht die 21-jährige Rechtsaußen mit den Geißböcken in ihre zweite Bundesligasaison. Im Gespräch mit 90min blickt Gudorf auf die Ziele, die der FC kurz- und mittelfristig erreichen kann, setzt sich kritisch mit ihren eigenen Leistungen auseinander und verrät, was sie sich von DFB-Star Klara Bühl abschauen will.


90min: Als Aufsteiger seid ihr in der letzten Saison Achter geworden. Wart ihr mit eurer Leistung zufrieden?

Ally Gudorf: Auf jeden Fall. Als Aufsteiger bestand unser oberstes Ziel darin, den Klassenerhalt zu schaffen. Das ist uns frühzeitig gelungen. Wir haben bewiesen, dass wir keine Fahrstuhlmannschaft sind, die nach einem Jahr sofort wieder in die 2. Liga muss. Allerdings hätten wir am Ende schon gerne vor Leverkusen gestanden (schmunzelt).

90min: Welches Ziel habt ihr euch für diese Saison gesetzt?

Ally Gudorf: Wir haben im Sommer einen großen Umbruch vorgenommen, fast die Hälfte unserer Mannschaft ist neu. Unser Altersdurchschnitt ist von 27 auf 22 Jahre gesunken. Daher bleibt der Klassenerhalt unser vorrangiges Ziel. Wir wollen uns im zweiten Jahr nach dem Aufstieg in der Bundesliga etablieren.

90min: Ist mit dem FC mittelfristig auch mehr drin als der Klassenerhalt? Vielleicht sogar die Champions League?

Ally Gudorf: In der Vergangenheit ist der Verein sehr oft auf- und wieder abgestiegen. Deshalb müssen wir uns jetzt, gerade mit unserem jungen Kader, auf den Klassenerhalt fokussieren. Vielleicht können wir uns in ein paar Jahren, wenn sich die jungen Spielerinnen entsprechend weiterentwickelt haben, ein anderes Ziel setzen. Mittelfristig würden uns natürlich auch ein, zwei erfahrene Spielerinnen helfen, die vielleicht schon auf höherem Niveau gespielt haben. Aber das braucht alles Zeit und kann nicht von heute auf morgen geschehen.

"Der FC ist mein Zuhause"

90min: Du selbst hast in der letzten Saison 18 Bundesligaspiele bestritten. Wie schätzt du deine Leistung in der vergangenen Saison ein?

Ally Gudorf: Es gab solche und solche Phasen. Zu Saisonbeginn habe ich ordentliche Leistungen gezeigt und viel gespielt. Im Spiel gegen Potsdam (Anm. d. Red.: DFB-Pokal-Achtelfinale am 31. Oktober) habe ich mir eine Gehirnerschütterung zugezogen und musste im Anschluss anderthalb Monate pausieren. Das hat mich ein bisschen aus der Bahn geworfen. In der Phase nach der Gehirnerschütterung - zum Ende der Hinrunde und zu Beginn der Rückrunde – war ich mit meinen Leistungen überhaupt nicht einverstanden. Da war ich oft zu unkonzentriert, mein erster Kontakt hat nicht gestimmt, ich habe einfach zu viele technische Fehler gemacht. Im Saisonendspurt, die letzten vier, fünf Spiele, lief es wieder deutlich besser.

90min: Was hast du dir für die neue Saison vorgenommen?

Ally Gudorf: Ich will auf jeden Fall Stammspielerin sein. Außerdem habe ich mir als gebürtige Kölnerin vorgenommen, eine Führungsspielerin zu sein. Außer mir kommt aus unserem Team niemand aus Köln, niemand kennt den Verein so gut wie ich, niemand kennt die Lieder, die wir singen. Da muss ich trotz meiner erst 21 Jahre vorangehen. Natürlich will ich auch an meinen Schwächen arbeiten. Gerade im technischen Bereich sind durch individuelles Training große Fortschritte möglich. Und ich will meine Chancen effektiver nutzen und endlich mein erstes Bundesligator schießen!

90min: Im Mai hast du deinen Vertrag bis 2023 verlängert. Was hat dich dazu bewogen, beim FC zu bleiben?

Ally Gudorf: Die Trainer haben mir in den Gesprächen das Gefühl gegeben, dass ich hier mit meiner Person und meinen fußballerischen Fähigkeiten im nächsten Jahr etwas bewirken kann. Hinzu kommt, dass ich schon seit elf Jahren im Verein bin. Der FC ist mein Zuhause, ich habe einfach das Gefühl, dass ich hier hingehöre. In den letzten Jahren habe ich gesehen, dass der Verein im Bereich Frauenfußball große Fortschritte gemacht hat. Ich glaube, dass unsere Entwicklung noch lange nicht zu Ende ist.

"Die Bedingungen in Köln gehören zu den besten in der Bundesliga"

90min: Wo gibt es beim FC noch Verbesserungsbedarf, was den Frauenfußballbereich angeht?

Ally Gudorf: Grundsätzlich - das gilt nicht nur für den FC, sondern allgemein – steckt im Frauenfußball natürlich deutlich weniger Geld als im Männerfußball. Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich das angleicht. In Sachen konkrete Verbesserungen fallen mir vor allem ganz simple Sachen ein. Diese Saison haben wir zwei Sätze Hose und Stützen. Das gab es vorher nicht. Alles wird seit dieser Saison auch hier gewaschen. Das sind vielleicht für viele keine großen Veränderungen, aber es ist immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.

90min: Wie sieht es mit den Trainingsbedingungen aus?

Ally Gudorf: Die sind hier in Köln super. Ich wüsste nicht, was man da noch verbessern könnte. Beim FC trainieren alle Mannschaften – die Männer, die Frauen, die Jugendmannschaften – am Geißbockheim. Das ist sehr gut, dadurch läuft man sich auch ab und zu über den Weg und es entsteht ein gewisses Gemeinschaftsgefühl. Auch den Kraftraum, der übrigens gerade renoviert wird, teilen wir uns dieses Jahr mit den Männern und der U21. Damit sind wir sehr zufrieden, dass wir dieses Jahr die Möglichkeit haben, denselben Kraftraum zu nutzen wie die Profis. Ich glaube, dass die Bedingungen hier in Köln zu den besten in der Bundesliga gehören.

90min: Auch bei den Zuschauerzahlen seid ihr vorne mit dabei und lagt in der vergangenen Saison auf Platz vier in der Zuschauertabelle. Durchschnittlich kamen 960 Zuschauer pro Spiel ins Franz-Kremer-Stadion.

Ally Gudorf: Ich weiß noch, dass vor zwei Jahren ungefähr 300 oder 400 Zuschauer ins Stadion kamen. In der letzten Saison waren es fast 1000 pro Spiel. Diese Steigerung ist richtig schön. Es macht Spaß, diesen Support von den Fans zu bekommen.

90min: Trotzdem sind 960 Zuschauer doch noch etwas wenig…

Ally Gudorf: Natürlich wäre es schön, wenn noch mehr Fans kommen würden. Die Zuschauerzahl kann immer noch höher sein. Aber wenn ich mir die Zahlen heute im Vergleich zu vor zwei oder drei Jahren ansehe, bin ich mehr als zufrieden. Das ist bei weitem nicht bei allen Frauenteams so, dass solche Fortschritte gemacht wurden. Die Unterstützung durch die Fans ist hier beim Effzeh überragend.

"Ich weiß, dass ich das Potenzial für die Nationalmannschaft habe"

90min: Im Juli hat die Europameisterschaft in England für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Wie hast du das Turnier verfolgt? Gab es Spielerinnen, die dir besonders aufgefallen sind?

Ally Gudorf: Ich habe die EM natürlich jeden Tag verfolgt, habe mir alle K.o.- und alle deutschen und auch fast alle Gruppenspiele angeguckt. Dass der Frauenfußball so viel Aufmerksamkeit bekam, hat mich sehr gefreut. Die Spielerin, die mich am meisten überzeugt hat, war Klara Bühl. Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass sie auf der gleichen Position spielt wie ich, nur auf der anderen Seite (Anm. der Red.: Ally Gudorf wird meist auf dem rechten, Klara Bühl auf dem linken Flügel eingesetzt). Von ihr kann ich mir viel abschauen, vor allem dieses extreme Selbstbewusstsein, das Klara Bühl auszeichnet. Sie weiß einfach, was sie kann, das finde ich ziemlich cool. Das hätte ich auch gerne. Ja, ich traue mich auch manchmal etwas im Spiel, aber leider nicht immer. Wenn mir etwas misslingt, neige ich dazu, mich direkt zu verstecken. Da will ich mich auf jeden Fall noch verbessern und kann mir von anderen Spielerinnen viel abschauen.

90min: Du selbst hast im Juniorenbereich insgesamt 29 Länderspiele bestritten. Kannst du es auch in die A-Nationalmannschaft schaffen?

Ally Gudorf: Mit der Leistung, die ich momentan bringe, sehe ich mich nicht in der Nationalmannschaft. Aber ich weiß, dass ich das Potential dafür habe. Wenn ich mich in den kommenden Jahren gut entwickle, kann die Nationalmannschaft ein Thema werden. Das ist auch mein Ziel, das sollte mein Ziel sein. Nach der U14 und U15-Nationalmannschaft war ich leider zwei Jahre verletzt und habe viel verpasst. Wenn ich mir zum Beispiel ansehe, wo Sjoeke Nüsken und Lena Oberdorf heute stehen, mit denen ich damals zusammengespielt habe, weiß ich, dass ich das Potential für die A-Nationalmannschaft habe. Dieses Potential muss ich durch Disziplin und Training ausschöpfen.

90min: Letzte Frage: Wer wird Meister und wo landet der Effzeh?

Ally Gudorf: Meister wird Wolfsburg, da bin ich mir relativ sicher. Wir werden – hm, schwierig… - Sechster oder Siebter.

90min: Auf jeden Fall vor Leverkusen.

Ally Gudorf (lacht): Auf jeden Fall!


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