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Kevin-Prince Boateng erklärt Frankfurt-Abschied und erwägt Rückkehr zur Hertha

Janne Negelen
Gabriele Maltinti/Getty Images
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In seiner langen Karriere hat Kevin-Prince Boateng schon einiges erlebt. Dazu gehörte auch der etwas überraschende Abschied aus Frankfurt vor zwei Jahren. Trotz der emotionalen Gründe für den Wechsel könnte sich der 33-Jährige eine Rückkehr in die Bundesliga vorstellen.

Bei Besiktas Istanbul durchläuft Kevin-Prince Boateng aktuell seine 13. Profi-Station. Selten sind Spieler seiner Qualität so in der Welt herumgekommen. Den gebürtigen Berliner verschlug es nach seiner Ausbildung bei der Hertha auch drei weitere Male nach Deutschland. In Erinnerung blieb vor allem das eine Jahr bei Eintracht Frankfurt.

Mit den Adlern gewann der 15-fache ghanaische Nationalspieler überraschend den DFB-Pokal. Im Interview mit Sport1 blickt er auf diese Zeit zurück. "Das steht ganz oben bei mir auf der Liste. Die Jungs standen im Jahr zuvor schon im Endspiel und haben von der Stimmung dort geschwärmt. Ich habe die ganze Saison über gesagt: Männer, wir gewinnen den Pokal", so der Abräumer.

Boateng: "Ich verlasse Deutschland als Chef"

Für Boateng war der Gegner in diesem wegweisenden Spiel egal: "Im Endeffekt haben wir das Unmögliche möglich gemacht. Wir haben das Ding gewonnen. Dieser Titel war so speziell für mich, weil ich ihn zu Hause im Olympiastadion, in meinem Wohnzimmer, geholt habe." Die große Bedeutung dieses Erfolgs blieb nicht lange unentdeckt.

"Nach meiner ganzen Geschichte mit Deutschland, dem Ballack-Foul, der Hassliebe, dem Image des Bad Boy, habe ich die rote Schleife zugemacht und gesagt: Ich verlasse Deutschland als Chef! Ich habe auf dem Spielfeld so geweint, weil für mich klar war, dass ich die Eintracht und Deutschland verlasse. Ich musste weg", so der emotionale Boateng.

Der Pokalsieg war für Boateng einer der wichtigsten Meilensteine
Der Pokalsieg war für Boateng einer der wichtigsten Meilensteine / TF-Images/Getty Images

Der Abschied nach nur einem Jahr war also nicht durch Fernweh oder Wechselwilligkeit zu erklären. Dem heute 33-Jährigen ging es nach dem Triumph so gut wie nie zuvor. Zum ersten Mal seit vielen Jahren konnte er alte Wunden schließen und sich mit den Fans und dem Klub identifizieren. Leicht ist ihm die Entscheidung deshalb nicht gefallen.

Prince sagt über seinen damals überraschenden Entschluss: "Ich polarisiere, das weiß ich. Wenn eine Mannschaft nicht gut spielt, werde ich rausgepickt. Das ist okay. Damit kann ich umgehen. Ich durfte den Menschen keine weitere Angriffsfläche mehr geben. Ich habe Fredi zwei Wochen später angerufen und ihm meine Entscheidung mitgeteilt. So war es gut."

Hertha BSC als großer letzter Wunsch

Das Ende seiner Zeit in Deutschland soll Frankfurt nicht gewesen sein. Wie er verrät, ist er auch von einer Rückkehr zu seinem Jugendklub Berlin angetan. "Hertha ist ein Riese, der aufgeweckt werden muss. Berlin ist mein Zuhause, meine Heimat. Wenn ich da noch mal ein, zwei Jahre kicken könnte, wäre das eine Mission, für die ich noch mal nach Deutschland kommen würde." Neben der sportlichen Verstärkung will Boateng auch an einer Vereinshymne arbeiten.

Ein Wechsel im Winter schlug bereits fehl. "Ich hätte meinen Status nutzen können und vielleicht zwei, drei große Spieler dazugeholt. Ich habe da ein bisschen rumgesponnen. Das hat aber leider nicht geklappt." Doch in der bunten Laufbahn des Kevin-Prince Boateng soll auch das Kapitel mit der Hertha zu Ende geschrieben werden. "Aber man weiß ja nie, was passiert. Ich kann es mir immer noch vorstellen."

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