Kann Atlético am Thron der beiden Giganten rütteln? Na klar!

Der Rekordeinkauf der Klubgeschichte fängt an, zurückzuzahlen: João Félix
Der Rekordeinkauf der Klubgeschichte fängt an, zurückzuzahlen: João Félix / DeFodi Images/Getty Images
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So schnell kann es im Fußball manchmal gehen: vor knapp einem Monat schien für die Anhänger von Atlético Madrid der Traum von einer erfolgreichen Saison in der spanischen Liga, wenn schon nicht ausgeträumt, dann zumindest wieder in weitere Ferne gerückt. Zwei 0:0 hintereinander waren der Grund. Doch vier Wochen später sind nicht nur ein paar Punkte hinzugekommen - sondern keine weiteren Gegentore gefangen worden.

In die Spielzeit gestartet, mit corona-bedingter Verspätung, waren die Rojiblancos mit einem berauschenden 6:1 gegen den FC Granada (gegen den man auch nicht mal so eben sechs Tore schießt). Es war das Debüt für den beim FC Barcelona vom Hof gejagten Luis Suárez. Der traf dann auch gleich zweimal und legte einen weiteren Treffer vor. Und das alles innerhalb der zwanzig Minuten, die ihm Trainer Simeone zum Ende der Partie einräumte.

Mit ihm hat Atlético endlich wieder einen Knippser: Luis Suárez
Mit ihm hat Atlético endlich wieder einen Knippser: Luis Suárez / DeFodi Images/Getty Images

Doch noch ehe die indios, wie die Fans Atléticos in Madrid genannt werden (im Gegensatz zu den vikingos von Real Madrid), schon wieder von höheren Weihen träumen konnten (die letzte Meisterschaft liegt mittlerweile knapp sechseinhalb Jahre zurück) folgten zwei die Fan-Seele ernüchternde und torlose Remis bei der UD Huesca und gegen Villarreal.


Die aktuelle Tabelle in La Liga:


João Félix wird immer stärker

Und auf einmal schien auch der Glanz eines Suárez gewichen. Um so besser, dass sich in den folgenden Wochen vor allem der Rekordeinkauf der Klubgeschichte, der Portugiese João Félix, immer mehr in den Vordergrund spielen konnte. Einem Assist im Spiel bei den immer unangenehmen Galiciern von Celta Vigo (2:0) folgte ein rundes Match (wenn auch ohne Torbeteiligung) gegen ein spielstarkes Betis. Und schon waren die Rojiblancos ligatechnisch wieder in der Spur. Zumal sich die beiden Giganten Real und Barça zu dieser Zeit an Dilettantismus gegenseitig überboten.

Selbst die schmerzhafte 0:4-Niederlage zum Champions League-Auftakt beim FC Bayern konnten die Madrilenen durch ein hart umkämpftes 3:2 gegen RB Salzburg (mit zwei Toren von Joao Félix) wieder einigermaßen korrigieren. Der zweite Platz in der CL-Gruppe A (voraussichtlich hinter den Münchenern) ist wieder absolut möglich.

Gnadenlose Defensive

Und so mehren sich die Eindrücke, dass dieses Atlético Madrid in dieser Saison tatsächlich Großes vollbringen kann. Als Hauptargument mag ein Blick auf die heimische Tabelle dienen: nach fünf Spieltagen hat Atlético erst ein Gegentor kassiert. Der Cholo hat der Mannschaft wieder ein ähnlich erbarmungsloses Defensivkonzept verpasst, wie bei der Meisterschaft 2014. In Jan Oblak verfügt man zudem über einen der drei stärksten Keeper weltweit.

Musste in 5 Liga-Spielen erst einmal hinter sich greifen: Jan Oblak
Musste in 5 Liga-Spielen erst einmal hinter sich greifen: Jan Oblak / Angel Martinez/Getty Images

Atlético insgesamt gut aufgestellt

Und der Volksmund sagt ja: Offensiven gewinnen Spiele, Defensiven gewinnen Meisterschaften. Da man jedoch dieses Jahr in beiden Facetten gut aufgestellt ist (auch dies eine Parallele zu 2014, als man mit David Villa und Diego Costa auch über eine starke Angriffsreihe verfügte), darf das Träumen erlaubt sein.

Hinzu kommt die Unstetigkeit der eigentlichen Titelfavoriten. Weder der FC Barcelona noch Real Madrid machen derzeit den Eindruck, der Konkurrenz davon zu fliegen. Die Schwäche der beiden Giganten und die zurückgewonnene eigene Stärke, vor allem defensiv, könnten für Atlético am Ende den Ausschlag geben. Der spanischen Liga wäre es nach sechs Jahren Zweikampf zwischen Real (2 Titel in dieser Zeit) und Barcelona (4) zu wünschen.