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Kai Havertz auf der Neun: Die Zukunft von Chelsea - und im DFB-Team?

Simon Zimmermann
Kai Havertz brachte Chelsea gegen Lille in Führung
Kai Havertz brachte Chelsea gegen Lille in Führung / GLYN KIRK/GettyImages
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Kai Havertz beeindruckt in der Champions League als Mittelstürmer. Eine Position, die dem Chelsea-Juwel nicht fremd ist, mit der er aber immer wieder gefremdelt hat. Mit seiner Leistung gegen Lille lieferte der 22-Jährige allerdings ein starkes Bewerbungsschreiben ab. Und könnte in Zukunft damit auch ein dickes Problem im DFB-Team lösen.


Die Erwartungen waren groß beim FC Chelsea, als man Kai Havertz im Sommer 2020 an die Stamford Bridge lockte. Ein Jahr bevor man mit Romelu Lukaku nachlegte, wurde Havertz zum teuersten Transfer der Vereinsgeschichte.

Die ganz hohen Erwartungen konnte der immer noch erst 22-Jährige bei den Blues bislang noch nicht konstant erfüllen. Verletzungen hier und da, wechselnde Positionen, die große Konkurrenz in den eigenen Reihen - und schlicht die ausbaufähige Quote führten zu diesem Gesamteindruck. 16 Tore und 13 Vorlagen waren es bislang in 75 Pflichtspielen für Chelsea.

Kai Havertz: Ein "Big Time Player" auf der Suche nach Konstanz

Bei den Blues-Fans und auf der gesamten Insel wird Havertz dennoch äußerst positiv betrachtet. Vor allem liegt das an den großen Momenten, für die der 23-fache Nationalspieler gesorgt hat. Mit dem Siegtreffer im Champions-League-Finale schoss sich Havertz nicht nur in die Geschichtsbücher des Klubs, sondern auch endgültig in die Herzen der Fans. Jüngst verwandelte er den entscheidenden Elfmeter in der Verlängerung im Finale der Klub-WM.

In England wurde dies als weiterer Beleg dafür gesehen, dass Havertz ein "Big Time Player" ist. Qualitäten, die er am Mittwochabend auch in der Champions League unter Beweis stellte. Im Achtelfinal-Hinspiel köpfte Havertz zur wichtigen 1:0-Führung gegen Lille ein.

Ohnehin war es ein Spiel, das als Fingerzeig dienen kann - und die großen Hoffnungen umso mehr schürt. Chelsea-Coach Thomas Tuchel bot Havertz mal wieder auf der Mittelstürmer-Position auf. Immer wieder wird Havertz auch bei den Blues als Neuner eingesetzt - so wie teilweise schon zu Leverkusen-Zeiten unter Peter Bosz.

Kai Havertz, Leo Jardim
Kai Havertz köpfte gegen Lille die Führung für Chelsea / Mike Hewitt/GettyImages

Havertz besitzt alle Qualitäten eines Mittelstürmers

Der eigentliche offensive Mittelfeldspieler besitzt viele Anlagen, die ihn zu einem veritablen Neuner machen. Allein schon seine Körpergröße von 1,90 Meter verschafft Havertz die nötige physische Präsenz als alleinige Sturmspitze. Dazu verfügt er über einen guten Antritt und ein ordentliches Kopfballspiel. Attribute, die man nicht auf Anhieb mit dem 22-Jährigen in Verbindung bringt.

Gegen Lille konnte Havertz die komplette Klaviatur seiner Stärken vorführen. Schon in den ersten 15 Minuten tauchte er dreimal brandgefährlich vor dem Lille-Gehäuse auf. Havertz hatte dabei mehr Ballaktionen als Lukaku über 90 Minuten am vergangenen Wochenende. Dort sorgte der Belgier für einen Negativ-Rekord, indem er die Kugel nur sieben Mal berührte.

Havertz dagegen ist weniger Wandspieler und klassische Neun. Immer wieder weicht er auf den Flügel auf, entzieht sich der Innenverteidiger, indem er sich ins Mittelfeld fallen lässt. "Für Kai freue ich mich sehr, denn er ist seit einigen Wochen sehr, sehr stark. Er hat sich wirklich gesteigert. Der Einsatz ist immens. Sein Arbeitstempo ist immens. Das Volumen und die Bereiche auf dem Spielfeld, die er für uns abdeckt, sind sehr, sehr gut", schwärmte Tuchel im Anschluss an den Sieg gegen Lille.

Stürmer-Problem im DFB-Team: Havertz drängt sich als Lösung auf

Ist es also an der Zeit, Havertz künftig als Stürmer zu betrachten? Ist die 'Neun' seine beste Position? So weit muss man gar nicht gehen. Klar ist auf jeden Fall, dass Havertz Mittelstürmer kann - in seiner eigenen Interpretation. Hilfreich wäre es dabei, dass der 22-Jährige konstanter fit bleibt. Und konstanter in dieser Rolle agiert.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt und erhöht er dann auch noch seine Torstatistik, dürfte auch Bundestrainer Hansi Flick sehr gespannt gen London schauen. Denn im DFB-Team mangelt es bekanntlich an einem Mittelstürmer von internationalem Top-Format. Auf Havertz' ursprünglicher Position im offensiven Mittelfeld tummelt sich dagegen zahlreiche Konkurrenz.

Die Lösung könnte seine Versetzung auch im Nationaltrikot sein. Havertz als Zielspieler, der die Variabilität im deutschen Offensivspiel erhält, klingt nach einer ziemlich smarten Lösung. Mit Auftritten wie dem gegen Lille liefert Havertz in jedem Fall ein beeindruckendes Bewerbungsschreiben.


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