Juventus Turin

Bei der Konkurrenz gewildert: Wie Juventus Turin die Serie A geschwächt hat

Nikolas Pfannenmüller
Federico Bernardeschi und Federico Chiesa wechselten beide vom AC Florenz zu Juventus Turin.
Federico Bernardeschi und Federico Chiesa wechselten beide vom AC Florenz zu Juventus Turin. / Insidefoto/GettyImages
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Juventus Turin ist zwar nicht der amtierende Meister in Italien und auch in dieser Saison haben die Bianconeri kaum Chancen auf den Titel. Doch der italienische Rekordmeister ist immer noch die wahrscheinlich interessanteste Adresse für begabte Serie-A-Spieler. Florenz-Torjäger Dusan Vlahovic wird sich aller Voraussicht nach der Alten Dame anschließen. Auch in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wilderten die Turiner immer wieder bei der Konkurrenz, um ihre Stellung als italienische Nummer eins abzusichern.


1. Jose Altafini (kam 1972 von SSC Neapel zu Juventus Turin)

José Altafini
Jose Altafini wurde 1973 und 1975 Meister mit Juventus Turin. / Alessandro Sabattini/GettyImages

Jose Altafini war ein brasilianischer Fußballprofi mit italienischen Wurzeln. Was heutzutage nicht mehr so einfach möglich wäre, ist die Tatsache, dass er insgesamt acht Länderspiele für Brasilien und sechs für Italien bestritt. 1958 gehörte er sogar dem brasilianischen Kader an, der bei der WM in Schweden den Titel holte.

Nachdem Altafini zunächst im brasilianischen Fußball bei Palmeiras Fuß fasste, wechselte er 1958 nach Italien zur AC Mailand. 1965 ging der Stürmer zur SSC Neapel, 1972 wurde er von Juventus Turin akquiriert. Die Anhänger von Neapel konnten den Transfer zum Ligakonkurrenten Juventus nicht nachvollziehen und kritisierten Altafini dafür heftig.

2. Roberto Baggio (kam 1990 von AC Florenz)

Roberto Baggio
Roberto Baggio schoss in seiner Karriere 205 Serie-A-Tore. / Alessandro Sabattini/GettyImages

In der Saison 1989/1990 schoss Roberto Baggio 17 Tore für die AC Florenz in der Serie A. Während die Fiorentina hoffte, den damals 23-jährigen Stürmer für viele Jahre halten zu können, entschied sich Baggio im Sommer 1990 für einen Wechsel zu Juventus Turin.

Sportlich zahlte sich der Transfer für den Vize-Weltmeister von 1994 definitiv aus. Baggio gewann 1993 den Ballon d'Or und 1995 in einer Zeit, als die Serie A hart so umkämpft wie nie war, die italienische Meisterschaft mit den Bianconeri.

3. Fabio Cannavaro (kam 2004 von Inter Mailand)

Fabio Cannavaro
Fabio Cannavaro gewann 2006 den Ballon d'Or. / Etsuo Hara/GettyImages

Fabio Cannavaro galt weltweit als einer der besten Verteidiger der 2000er Jahre. 2002 wechselte Cannavaro von AC Parma zu Inter Mailand. Fans der Nerazzurri begannen bereits damit, sich eine lange Zukunft mit dem Innenverteidiger auszumalen. Aber schon nach zwei Jahren zog Cannavaro einen Schlussstrich unter das Kapitel Inter Mailand. 2004 wechselte er zu Juventus Turin.

Erst mit Anfang 30 begann seine persönliche Blütezeit: Zweimal wurde er zum Abwehrspieler der Saison gewählt (2005, 2006). Mit der italienischen Nationalmannschaft krönte er sich als Kapitän zum Weltmeister 2006. In jenem Jahr gewann er auch den Ballon d'Or und die Auszeichnung zu Italiens Fußballer des Jahres. Zwischen 2006 und 2009 spielte Cannavaro noch für Real Madrid.

4. Andrea Pirlo (kam 2011 von AC Mailand)

Andrea Pirlo
Andrea Pirlo spielte zwischen 2011 und 2015 für Juventus Turin. / Claudio Villa/GettyImages

Andrea Pirlo gewann 2011 mit der AC Mailand die italienische Meisterschaft, doch dieser Triumph führte nicht dazu, dass sich der alternde Pirlo mit seinem Klub auf einen neuen Vertrag einigen konnte. Im Juli 2011 schloss sich der Mittelfeldstratege ablösefrei Juventus Turin an.

In der Region Piemont erlebte Pirlo einen zweiten Frühling der besonderen Sorte. In seinen vier Jahren bei Juventus gewann er in jeder Saison die Meisterschaft. 2012, 2013 und 2014 wurde Pirlo zum italienischen Fußballer des Jahres ausgezeichnet. Auf Seiten der Rossoneri bedauerte man es im Nachhinein, dass Pirlo im Laufe der Jahre zu einer erfolgreichen "Juve-Figur" wurde. Als Trainer der Turiner in der vergangenen Saison war Pirlo allerdings weniger Glück beschieden.

5. Mirko Vucinic (kam 2011 von AS Rom)

Mirko Vucinic
Mirko Vucinic spielte drei Jahre für Juventus Turin. / Valerio Pennicino/GettyImages

Mirko Vucinic kann natürlich nicht auf die imposante Karriere eines Andrea Pirlo zurückblicken und doch war der Montenegriner über Jahre ein guter Spieler in der Serie A.

Bei der AS Rom erzielte Vucinic in 203 Spielen 64 Tore und kam auf 30 Torvorlagen. 2011 deutete sich an, dass der Angreifer die italienische Hauptstadt verlassen wolle. Die Gialorossi wollten ihn ins Ausland ziehen lassen, lehnten jedoch einen Transfer innerhalb der Liga ab. Doch Vucinic bestand darauf zu Juventus Turin zu wechseln. In seinen drei Jahren bei Juve kam er auf 26 Tore und drei Meisterschaften.

6. Miralem Pjanic (kam 2016 von AS Rom)

Miralem Pjanic
Miralem Pjanic gewann mit Juventus Turin vier italienische Meisterschaften. / Marco Luzzani/GettyImages

Im Sommer 2016 ging Miralem Pjanic den gleichen Weg wie Mirko Vucinic und verließ die Roma Richtung Turin, was den Zorn der Fans auf sich zog.

Während Pjanic bei den Giallorossi allerdings titellos blieb, füllte sich in der Zeit bei Juventus sein Trophäenschrank. 2017 stand Pjanic mit Turin sogar im Champions-League-Finale, bei dem Real Madrid sich aber durchsetzen konnte. Derzeit ist Pjanic für Besiktas Istanbul aktiv.

7. Gonzalo Higuain (kam 2016 von SSC Neapel)

Gonzalo Higuain
Gonzalo Higuain war in der Saison 2015/2016 Torschützenkönig in der Serie A. / Marco Canoniero/GettyImages

Gonzalo Higuain wechselte 2016 für die astronomische Ablösesumme von 90 Millionen Euro von der SSC Neapel zu Juventus Turin. In der Vorsaison hatte der Argentinier 36 Tore in der Serie A für Napoli erzielt und somit das Interesse von zahlreichen Topvereinen auf sich gezogen.

Zum Unmut der Neapel-Fans wechselte Higuain damals nicht ins Ausland, sondern blieb in der Liga und verstärkte den Rekordmeister Juventus. Dreimal gewann er die Meisterschaft mit den Bianconeri. Aktuell steht der 34-Jährige in der MLS bei Inter Miami unter Vertrag.

8. Federico Bernardeschi (kam 2017 von AC Florenz)

Federico Bernardeschi
Federico Bernardeschi gewann 2021 die Europameisterschaft mit Italien. / Ciancaphoto Studio/GettyImages

Was bei Federico Bernardeschi oft untergeht, ist der Fakt, dass er im Juli 2017 Juventus Turin 40 Millionen Euro wert war. Die AC Florenz verlor damit einen verheißungsvollen jungen Spieler, konnte im Gegenzug aber immerhin seine Finanzsituation stabilisieren.

Bernardeschi hat in 170 Pflichtspielen für Juventus erst elf Tore und 24 Vorlagen zu Buche stehen, was aber auch daran liegt, dass der italienische Nationalspieler häufig als Joker in die Partie kommt. Wäre der 27-Jährige bei der Fiorentina geblieben, hätte er wahrscheinlich eine größere Rolle inne.

9. Federico Chiesa (kam 2020 von AC Florenz)

Federico Chiesa
Federico Chiesa fehlt aktuell wegen eines Kreuzbandrisses. / Nicolò Campo/GettyImages

Federico Chiesa wechselte im Oktober 2020 kurz vor Schließung des Transferfensters ebenfalls von der AC Florenz zu Juventus Turin. Die beiden Vereine vereinbarten ein Leihgeschäft, das nach wie vor Gültigkeit hat. Im Sommer 2022 läuft die Leihe aus, unter bestimmten Bedingungen könnte allerdings eine Kaufpflicht greifen.

Chiesa hat in 61 Spielen für Juventus 18 Tore erzielt und 14 weitere Tore vorbereitet. Der Flügelspieler glänzt mit seiner Dynamik und Abschlussstärke. Juventus würde den 24-Jährigen gerne halten, auch wenn er derzeit aufgrund eines Kreuzbandrisses noch eine lange Zeit pausieren muss.


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