Joshua Kimmich

Kimmich über das WM-Debakel 2018: "Warte seit 4,5 Jahren auf eine neue Chance"

Simon Zimmermann
Joshua Kimmich nach der Niederlage 2018 gegen Südkorea
Joshua Kimmich nach der Niederlage 2018 gegen Südkorea / Shaun Botterill/GettyImages
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Viereinhalb Jahre ist es her, als Joshua Kimmich seine erste Weltmeisterschaft spielte. In Russland setzte es für den damals amtierenden Weltmeister eine historische Pleite: Deutschland schied erstmals schon nach der Gruppenphase aus. Eine Erfahrung, die Kimmich geprägt hat - und schwer zu verdauen war.


Am Sonntag startet die Weltmeisterschaft in Katar. Die deutsche Mannschaft muss am Mittwoch darauf (23.11.) zum ersten Mal ran. Japan wartet als erster Gegner in Gruppe E. Eine Gruppe, die mit Spanien und Costa Rica durchaus ihre Tücken aufweist. Eine ähnliche Schmach wie vor viereinhalb Jahren will man aber unbedingt verhindern.

In Russland musste das DFB-Team als amtierender Weltmeister erstmals schon nach der Gruppenphase die Segel streichen. Joshua Kimmich war 2018 schon ein Fixpunkt im deutschen Team. 2022 gilt das umso mehr. Der 27-Jährige geht als klarer Mittelfeldchef ins Turnier.

Im Vorfeld hat der Bayern-Star mit unserer Partner-Seite The Players' Tribune gesprochen. Und sich seine Gedanken von der Seele geredet. Das Gruppen-Aus 2018 bei seiner ersten WM hing Kimmich lange nach.

"Okay, ich will ehrlich sein. Von der letzten Weltmeisterschaft habe ich mir keine Minute angeschaut. Zumindest nicht nach der Gruppenphase. Es ging einfach nicht", erzählte Kimmich.

"Ich fühlte mich wie ein Zombie"

"So down war ich im Fußball noch nie. Körperlich ging es mir zwar gut, aber mental habe ich einige Wochen gebraucht, um mich davon zu erholen. Ich kann mich noch genau erinnern, wie wir nach der 0:2-Niederlage gegen Südkorea in unserer Kabine saßen. Völlige Stille. Keiner hat auch nur ein Wort gesagt.

Ich vergrub den Kopf in meinen Händen und dachte darüber nach, wie ich die Fans, meine Familie und das ganze Land enttäuscht hatte. Joachim Löw sprach zu uns, aber ich konnte das gar nicht bewusst wahrnehmen. Ich fühlte mich wie ein Zombie und verkroch mich in meiner Enttäuschung."

Kimmich erinnerte sich weiter: "Wir waren überzeugt, eine starke Mannschaft zu haben. Die Realität sah anders aus. Wir hatten starke Einzelspieler, aber kein starkes Team. Auf diesem Level reicht es nicht aus, wenn es heißt: "Oh, dieser Spieler ist talentiert... und der hat die Champions League gewonnen... und die haben beim letzten Mal den WM-Pokal in die Höhe gestemmt." Es muss einfach alles passen. Das war 2018 irgendwie nicht der Fall. Nichts hat funktioniert. In jenem Sommer habe ich gelernt, was ein echtes Team ausmacht."

"Nach der Südkorea-Niederlage ergriff einer der älteren und erfahreneren Akteure später in der Kabine das Wort und sagte: "Es bringt jetzt nichts, rauszugehen und seine Mitspieler in den Medien für ihre Fehler zu kritisieren. Jetzt ist es wichtig, zusammenzuhalten. Denn jeder Einzelne in diesem Raum trägt dieselbe Enttäuschung in sich."

"Ich warte nun seit viereinhalb Jahren auf eine neue Chance"

"Diese Worte haben sich in mein Gedächtnis gebrannt. Selbst in der größten Niederlage heißt Deutschlands Stärke Geschlossenheit."

"Jene Weltmeisterschaft war die erste richtig große Enttäuschung in meiner Karriere. Natürlich hatte ich davor schon wichtige Spiele verloren. Wenn du beispielsweise in einem Halbfinale die Segel streichst, bist du zumindest weit gekommen... Aber so sang- und klanglos auszuscheiden? Das war neu und es hat mich hart getroffen."

"Und außerdem war es die Weltmeisterschaft. Das kannst du nicht einfach abschütteln und sagen: 'Okay, das war Mist, aber in ein paar Monaten greifen wir wieder an.'"

"Ich warte nun seit viereinhalb Jahren auf eine neue Chance." Ab kommender Woche wird er sie bekommen!


Hier geht es zum kompletten Gespräch mit Joshua Kimmich


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