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HSV: Thioune und die Geduld mit Kittel und Kinsombi

Guido Müller
Lässt seine Sorgenkinder nicht fallen: HSV-Coach Daniel Thioune
Lässt seine Sorgenkinder nicht fallen: HSV-Coach Daniel Thioune / Cathrin Mueller/Getty Images
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Jeder auf seine Art, stehen sowohl Sonny Kittel als auch David Kinsombi für viele im Umfeld des Hamburger SV sinnbildlich für die sportliche Krise des Vereins. Beiden wird großes fußballerisches Talent attestiert - doch beide machen noch viel zu wenig aus ihren zweifellos vorhandenen Möglichkeiten. Für ihren Coach Daniel Thioune ist dies aber kein Grund, sie aufzugeben.

Aussprache mit Sonny Kittel

Mit einem seiner Sorgenkinder besprach sich der Trainer am vergangenen Mittwoch. Thema der Unterredung mit Sonny Kittel war natürlich dessen völlig unnötige Rote Karte im Spiel gegen die Niedersachsen von Hannover 96.

"Das Thema ist jetzt abgehakt", konstatierte Thioune hinterher norddeutsch-trocken (via Bild). "Wir haben es intern besprochen, wir werden es bei uns behalten. Es geht darum, dass alle Spieler Fehler machen dürfen. Ich gebe allen die Chance, den zu revidieren. Sonny weiß selbst, dass das Bild, was er abgegeben hat, nicht das beste war."

"Wissen alle, dass er deutlich mehr kann!" Sonny Kittel nach seiner Roten Karte gegen Hannover 96
"Wissen alle, dass er deutlich mehr kann!" Sonny Kittel nach seiner Roten Karte gegen Hannover 96 / Cathrin Mueller/Getty Images

Im Spiel bei Darmstadt 98 (Samstag, 13.00 Uhr) wird Kittel nun definitiv fehlen. Was einige Beobachter rund um den Klub eigentlich schon am vergangenen Samstag erwartet hatten, denn Kittels Leistungen in den Vorwochen waren allesamt nicht so überzeugend, als dass er sich für das Nord-Derby gegen 96 aufgedrängt hätte.

Doch Thioune hatte einen Plan - und gab Kittel den Vorzug. Was dieser nur leider seinem Trainer nicht dankte. "Wir wissen alle, dass er deutlich mehr kann. Es ist nicht zwingend ein Fehler von mir, wenn ich einem Spieler das Vertrauen schenke."

Kinsombi zuletzt dreimal in Folge ohne Einsatzminuten

Wie es vielleicht auch bald wieder David Kinsombi widerfahren könnte. Der 24-jährige Mittelfeldspieler komplettierte am vergangenen Wochenende einen "Hattrick", auf den er wohl liebend gern verzichtet hätte: zum dritten Mal in Folge schmorte der einstige Holstein Kiel-Star über die volle Spielzeit von neunzig Minuten auf der Bank.

Wartet beim HSV immer noch auf seinen Durchbruch: David Kinsombi
Wartet beim HSV immer noch auf seinen Durchbruch: David Kinsombi / Martin Rose/Getty Images

Kinsombis Leidenzeit beim HSV hält also weiter an. Für seinen Coach hat dies durchaus nachvollziehbare Gründe. "In der Vorbereitung hat man Zeit, sich zu zeigen - gerade bei einem neuen Trainer. Wenn man dann leider nicht immer gesund ist und sich auf dem Platz zeigen kann, steht man ein bisschen hinten an", führt Thioune (via Mopo) vor allem die sich beständig wiederholenden körperlichen Malaisen des Spielers an.

Schon Kinsombis Premierensaison, im letzten Jahr, begann mit einer Verletzung, die ihn in der Vorbereitungszeit um Wochen nach hinten warf.

"Dann", so Thioune im weiteren Verlauf seiner Analyse, "haben wir zunächst nicht so viel falsch gemacht, da ist es schwer, den einen oder anderen zu überholen. Bei David ist es so, dass er nur die Trainings und Testspiele hatte, sich aufzudrängen."

Dies tat Kinsombi jedoch nicht - und muss sich weiterhin, eineinhalb Jahre nach seiner Ankunft in der Hansestadt, mächtig strecken, um sich die Gunst seines Trainers im Kampf um die Startplätze zu sichern. "Bei David wissen wir um sein Potenzial und wollen es entwickeln. Dann wird er seine Platzzeit bekommen. Es liegt ja auch an ihm selbst", deutet Thioune durch die Blume an, dass zunächst der Spieler in Vorleistung treten und mehr anbieten muss als zuletzt.

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