HSV: Sieg zum Jahresabschluss - die Kritik zur Jatta-Gala in Karlsruhe

Marcel Stummeyer
Der HSV beendet 2020 mit einem Sieg
Der HSV beendet 2020 mit einem Sieg / Alexander Scheuber/Getty Images
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Zum Abschluss des Fußballjahres traf der Hamburger Sport-Verein auswärts auf den Karlsruher SC. Bereits früh gelang dem starken Bakery Jatta die Führung, die jedoch von Philipp Hofmann egalisiert wurde. In der Schlussphase erzielte der HSV in Überzahl den Siegtreffer zum 2:1 - Simon Terodde war mal wieder zur Stelle und sicherte seinem Team verdiente drei Punkte. Wie sah die Leistung der einzelnen Mannschaftsteile aus? 90min wirft einen Blick auf den HSV.

Kampfspiel auf dem Kartoffelacker

Auch vor der Partie rotierte Trainer Daniel Thioune munter umher und veränderte die Sieger-Elf aus dem Spiel gegen den SV Sandhausen nicht nur taktisch von einer Dreier- zu einer Viererkette, sondern tauschte vier Akteure aus. Neben den in Hamburg gebliebenen Aaron Hunt (Magen-Darm) und Stephan Ambrosius (bakterieller Infekt), fiel auch kurzfristig Kapitän Tim Leibold mit Adduktorenbeschwerden aus. Ebenso musste der in den vergangenen Wochen müde wirkende Manuel Wintzheimer auf der Bank Platz nehmen. Neu in der Startformation wurden Jan Gyamerah, David Kinsombi, Khaled Narey und Bakery Jatta aufgeboten.

Die Platzverhältnisse im Karlsruher Wildpark: Dürftig, um es vorsichtig zu formulieren. Das Geläuf des Stadions befand sich in einem schlechten Zustand - das regnerische Wetter tat sein Übriges.

In einem miserablen Zustand - der Rasen im Wildparkstadion
In einem miserablen Zustand - der Rasen im Wildparkstadion / Alexander Scheuber/Getty Images

Jatta mit überragendem Aufritt

Die bisherigen Topspiele der 2. Bundesliga am ungeliebten Montag versprachen Tore ohne Ende. Im Schnitt gab es montags 4,6 Hütten pro Spiel. Und auch die Begegnung zwischen dem KSC und HSV begann vielversprechend.

Bereits in er 3. Spielminute traf der auffällige Bakery Jatta nach tollem Solo sehenswert zum 1:0. Die Rothosen hätten drauflegen können, wenn nicht sogar müssen, jedoch nutzten die Hausherren einen den Platzverhältnissen geschuldeten Ausrutscher zum 1:1 in der 14. Spielminute, was gleichzeitig den Pausenstand bedeutete - definitiv zu wenig aus Sicht der Hanseaten, die mit einer mangelhaften Chancenverwertung hadern mussten. Spielerisch hatten die Hamburger mehr von der Partie und auch vor dem Tor sorgten vor allem die Gäste für Gefahr. Ein weiteres Problem: der einzige ernstzunehmende Vorstoß des KSC fand den Weg ins Tor von Sven Ulreich, der den präzisen Schuss von KSC-Torjäger Philipp Hofmann jedoch keinesfalls abwehren konnte.

Leitete den Sieg ein - Bakery Jatta (re.)
Leitete den Sieg ein - Bakery Jatta (re.) / Alexander Scheuber/Getty Images

Terodde entscheidet erneut das Spiel

Der HSV startete nicht gut in den zweiten Spielabschnitt. Zu passiv agierten die Mannen von Daniel Thioune, die den Hausherren damit den Aufbau einer solide Struktur ermöglichten. Im letzten Drittel des Spiels wurden die Gäste jedoch zunehmend aktiver und versuchten ihrerseits, dem gegnerischen Tor näher zu kommen. Der Knackpunkt der Partie: In der 77. Minute kassierte KSC-Linksverteidiger Heise die Ampelkarte. Eine zwar harte, aber vertretbare Entscheidung, die den Ausgang der Partie zu Gunsten des HSV drehen sollte, denn fortan waren die Rothosen am Drücker und gewillt, drei Punkte mit zurück in die Hansestadt zu entführen.

Acht Minuten vor Schluss passierte es dann endlich: Der frische Sonny Kittel brachte eine butterweiche Flanke in den Sechzehner des KSC - Simon Terodde verwandelte eiskalt zum 2:1-Endstand. Ein gelungener Jahresabschluss für den HSV, obwohl der Sieg hätte höher ausfallen können. Gute Chancen gab es in der Anfangsphase en masse. Am Ende zählen allerdings einzig und allein die drei Punkte.


Die HSV-Einzelkritiken gegen Karlsruhe

1. Tor

Zuverlässiger Rückhalt - Sven Ulreich
Zuverlässiger Rückhalt - Sven Ulreich / Martin Rose/Getty Images

Sven Ulreich blieb leider nicht ohne Gegentor. Beim platzierten Ausgleich von HSV-Flirt Philipp Hofmann hatte der ehemalige Nationaltorhüter allerdings nichts zu halten. In der 73. und vor allem 92. Minute rette "Ulle" jedoch stark und verhinderte somit die Punkteteilung.
Ein gelungener Abschluss seines ersten Halbjahres mit der Raute auf der Brust - Sven Ulreich ist ein sicherer Rückhalt für seine Mannschaft.

2. Abwehr

Arbeitet ständig für das Team - Josha Vagnoman
Arbeitet ständig für das Team - Josha Vagnoman / Alexander Scheuber/Getty Images

Abwehrchef Toni Leistner führte die Rothosen im Wildparkstadion als Kapitän aufs Feld - sein Gegenspieler war Topstürmer Philipp Hofmann, der den HSV-Spielführer einige Male in hitzigen Zweikämpfen forderte. Das 1:1 durch Hofmann konnte Leistner nicht verteidigen, den Rest des Spiels hatte er seinen Gegenspieler jedoch im Griff. Lediglich ein einziger gefährlicher Schuss wurde von Hofmann kurz vor dem Abpfiff gewährt.
Auch in der Spieleröffnung war der Capitano sehr sicher - das Spiel offenbarte erneut, dass Toni Leistner eine enorme Stärkung für die Abwehrreihe des Hamburger SV ist. Außerdem: Nach tollem Einsatz im Luftduell verdiente sich der 30-Jährige den Assist zum 1:0.

Josha Vagnoman avancierte leider zum Unglücksraben vor dem Ausgleich. Der 20-Jährige rutschte auf dem seifigen Untergrund unglücklich weg und erreichte den Pass von Toni Leistner deshalb nicht. Auch im Rest der ersten Hälfte wirkte der U21-Nationalspieler teilweise schlecht positioniert und zurückhaltend, allerdings war Vagnoman auch ein einigen guten Angriffen beteiligt, die leider ohne Erfolg verblieben. Die Bemühungen sind dem Eigengewächs kontinuierlich anzusehen und genau diese Spielzeit ist es, die für junge Spieler so unglaublich wichtig ist.

Moritz Heyer war positionell der Vertreter von Stephan Ambrosius an der Seite von Leistner. Erneut erledigte der 25 Jahre alte Defensivspezialist seine Arbeit souverän und ohne größere Wackler - so soll es sein.

Für den verletzten Tim Leibold wurde Jan Gyamerah auf der linken Abwehrseite positioniert. Der 25-jährige erledigte seinen Job größtenteils souverän. In Abschnitt eins konnte der KSC keine Nadelstiche über die Seite von Gyamerah setzen. Der Ex-Bochumer hatte seine Gegenspieler stets im Griff und bot kaum Raum für Entfaltungen. Defensiv top und auch in der Zusammenarbeit mit Jatta eine wichtige Instanz der Schokoladenseite der Rothosen.

3. Mittelfeld

War bemüht - David Kinsombi (li.)
War bemüht - David Kinsombi (li.) / Alexander Scheuber/Getty Images

Helmträger Klaus Gjasula konnte an seine gute Leistung gegen Sandhausen nur bedingt anknüpfen. Der Albaner hatte seine Schwierigkeiten und leistete sich einige unelegante Aktionen. Speziell die Youngsters des KSC schafften es regelmäßig, den Nationalspieler mit einfachen Finten auszuspielen. Häufig war Gjasula zu spät in der Nähe des Spielgeräts.
Dennoch schaffte es auch er, den Angriffen der Karlsruher Paroli zu bieten.

David Kinsombi war neu im Aufgebot der Raute. Leider konnte der Deutsch-Kongolese kaum Aktionen verzeichnen. Seine guten Bewegungen in den Halbräumen gewährten den Hamburgern jedoch einige Räume im Mittelfeld, die zu Kombinationen einluden. In der 70. Minute holte sich der ehemalige Kieler eine unnötige Gelbe Karte ab und in der 88. Minute verließ Kinsombi den Platz. Seinen Leistungen aus den Zeiten in Kiel wird noch heute nachgetrauert - es bleibt zu hoffen, dass der Mittelfeldmann irgendwann die Kurve kriegt.

Für den offensiveren Part im Mittelfeld war erneut Jeremy Dudziak zuständig, der in seiner gewohnt spielwitzigen Weise für Impulse nach vorne sorgte. Der kreative Kopf des Teams gehört zweifelsohne zu den begabtesten Kickern der 2. Liga und genau das macht ihn so wichtig.
Das Auge für seine Mitspieler sorgt regelmäßig für gefährliche Aktionen - ein Pluspunkt für die HSV-Offensive. In der 91. Minute wurde Dudziak durch Wood ersetzt.

4. Sturm

Entschieden das Spiel für den HSV - Terodde und Jatta (re.)
Entschieden das Spiel für den HSV - Terodde und Jatta (re.) / Alexander Scheuber/Getty Images

Simon Terodde macht das, was ein Simon Terodde tut. Im gesamten Spiel hatte der Stürmer zwar nur wenige Aktionen, nahezu alle waren jedoch gefährlich. Ein Kopfball in der 20. Minute scheiterte nur haarscharf am Posten. In der entscheidenden Phase des Spiels bewies der 32-Jährige einmal mehr seine ungewöhnliche Klasse. Eine tolle Kittel-Flanke verwertete der Stürmer technisch perfekt und sorgte in der 82. Minute für den 2:1-Siegtreffer. Mit seinem 14. Saisontor war Terodde erneut ein entscheidender Faktor des Erfolgs - dieser Mann ist Gold wert!

Bakery Jatta lieferte eine überragende erste Halbzeit ab. Der 22-jährige Gambier war stetiger Aktivposten auf der linken Seite und setzte die Defensive der Karlsruher enorm unter Druck. Wer sich an das letzte Gastspiel der Rothosen in Karlsruhe erinnert, der weiß, dass Jatta eine ganz persönliche Rechnung mit dem KSC zu begleichen hat und er tat dies eindrucksvoll. Bereits in der 3. Spielminute erarbeitete sich der junge Angreifer das Leder im Mittelfeld, setzte zu einem tollen Dribbling an und platzierte den Ball aus gut 18 Metern unhaltbar in die linke Torecke - ein herrlicher Treffer und Jattas erstes Tor in der laufenden Spielzeit. Zwar wurde der pfeilschnelle Stürmer in der 2. Halbzeit unter Personenschutz gestellt, diese hervorragende erste Periode wird jedoch im Gedächtnis bleiben und könnte Jatta nach längerer Leidenszeit zurück in den Fokus des Teams katapultieren. Ständig anspielbar, passsicher, mit tollem Auge und eine permanente Gefahr für die Abwehr der Badener - ein Auftritt wie aus einem Guss.


Khaled Narey war auf der rechten Offensivseite stets bemüht. Einige gute Aktionen wurden über den Deutsch-Togolesen aufgezogen, teilweise scheiterte der Offensivmann nur knapp am Torerfolg. Auch einige Standards des 26-Jährigen wurden scharf vor das Tor des KSC geschlagen, die feine Schusstechnik des Flügelflitzers brachte allerdings nicht den erwünschten Effekt, weshalb Narey in der 74. Minute für Sonny Kittel weichen musste - im Endeffekt eine gewinnbringende Entscheidung des Trainers.

5. Einwechselspieler

Durfte erneut ein paar Minuten ran - Bobby Wood
Durfte erneut ein paar Minuten ran - Bobby Wood / Oliver Hardt/Getty Images

Zum ersten Wechsel des HSV kam es erst spät in der 74. Minute. Amadou Onana und Sonny Kittel ersetzten Klaus Gjasula und Khaled Narey.
Neun Minuten später war es Kittel, der für den entscheidenden Pass zum Sieg sorgte - eine tolle Flanke landete punktgenau bei Terodde. Nach überstandener Sperre und Rückkehr in den Kader Balsam für die Kittel-Seele.

Der junge Onana startete nach seiner Einwechslung erneut griffig ins Spiel und fordere seine Gegenspieler regelmäßig heraus. Man merkt dem jungen Belgier an, dass er nach mehr Spielzeit lechzt - seine Auftritte sind stets motiviert.

Gideon Jung kam in der 88. Minute und Bobby Wood in Minute 91. Beide halfen, Zeit zu schinden und das Ergebnis somit zu retten.

6. Der Gewinner des Spiels

Tolles Tor, tolle Übersicht, viel unterwegs - Bakery Jatta mit einer starken Leistung
Tolles Tor, tolle Übersicht, viel unterwegs - Bakery Jatta mit einer starken Leistung / Alexander Scheuber/Getty Images

Gegen den KSC kann es nur einen Gewinner des Spiels geben: Bakery Jatta. Der 22 Jahre alte Gambier rehabilitierte sich nach hartem Saisonbeginn und einigen Blessuren mit einer hervorragenden Leistung. Besonders die erste Halbzeit glich einer Gala, die Jatta mit einem schönen Tor krönte. Es hätten sogar mehr Torbeteiligungen sein können - der Ball verfehlte das Tor einige Male knapp.

Mit dieser Leistung beglich Jatta seine persönliche Rechnung mit dem KSC und auch in der Team-Hierarchie dürfte der Flügelflitzer einige Pluspunkte gesammelt haben, auch wenn er in der zweiten Halbzeit aufgrund strenger Bewachung nicht mehr glänzen konnte. Der ausgesprochene Personenschutz der Karlsruher in Hälfte zwei machte den Respekt vor Jatta deutlich.


Zum Ende des Fußballjahres dürfen sich alle HSVer über ein tolles Weihnachtsgeschenk freuen. Bis ins neue Jahr stehen die Rothosen damit auf dem zweiten Tabellenplatz, zwei Punkte hinter Holstein Kiel und mit drei Punkten Vorsprung auf Platz vier. Die Aufgabe für Daniel Thioune wird nun sein, den positiven Schwung aus den letzten drei Siegen ins neue Jahr zu übertragen. Bereits am 3. Januar kommt Jahn Regensburg in den Volkspark.

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