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Hamburger SV

HSV-Coach Tim Walter lobt Anssi Suhonen - hat aber eine Befürchtung

Guido Müller
Sein Coach fürchtet um seine Lockerheit: Anssi Suhonen
Sein Coach fürchtet um seine Lockerheit: Anssi Suhonen / Martin Rose/GettyImages
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Mit 1:4 hat der Hamburger SV sein Testspiel am Mittwoch gegen Champions-League-Teilnehmer VfL Wolfsburg verloren. Trainer Tim Walter sah dabei vor allem in der ersten Halbzeit viel Schatten, im zweiten Durchgang aber auch einige Lichtblicke. Namentlich vor allem durch Anssi Suhonen.


Der HSV-Coach nutzte die Gelegenheit unter anderem auch dazu, den vor dieser Saison von Malmö FF verpflichteten Ersatztorwart Marko Johansson auf Herz und Nieren zu prüfen.

Nervöser Auftritt von Ersatzkeeper Johansson

Und was Walter sah, dürfte ihm nicht wirklich gefallen haben. Schon gleich zu Beginn unterlief dem Schweden-Keeper ein dicker Patzer, den er gerade noch durch ein Not-Foul außerhalb des Strafraums bereinigen konnte. Doch die unheilvolle Dynamik war damit schon in Gang gesetzt.

Marko Johansson
Konnte gestern nicht wirklich überzeugen: Marko Johansson / Cathrin Mueller/GettyImages

In der Folgezeit sichtlich nervös agierend, sorgten zwei weitere Fehler von Johansson für die deutliche 3:0-Pausenführung. Lediglich beim Führungstreffer der Wölfe durch Lukas Nmecha (aus stark abseitsverdächtiger Position) war Johansson absolut machtlos.

Walter: "Der Gegner ist eine andere Hausnummer!"

Walter jedoch stellte sich nach dem Spiel demonstrativ hinter seinen schwedischen Schlussmann: "Marko hat das Ganze noch nicht so häufig gespielt und ist dann unter Druck. Man muss auch sehen, dass der Gegner eine andere Hausnummer ist." (via mopo.de)

Tröstende, aufbauende Wort des Übungsleiters. Die ein anderer HSV-Spieler gestern nicht nötig hatte. Denn der junge Finne Anssi Suhonen stellte einmal mehr unter Beweis, dass er sich gerade in einem vielversprechenden Entwicklungsprozess befindet.

Hinter den beiden Spitzen Faride Alidou und Robin Meissner auf der Zehn eingesetzt, machte Suhonen vor allem in der zweiten Halbzeit mächtig Dampf und erzielte nach Vorlage von Muheim das einzige Tor der Rothosen.

Christian Conteh, Miro Muheim
Miro Muheim (hier im Liga-Spiel gegen den SVS) bereitete Suhonens Treffer vor / Selim Sudheimer/GettyImages

Auch Tim Walter lobte die Mannschaft für die Reaktion nach dem Wiederanpfiff. "Wenn man die zweite Halbzeit sieht, da war eigentlich alles drin, dass wir das Spiel auch gewinnen können. Aber das ist halt der kleine aber feine Unterschied, dass Fehler, die die machen, sofort in der Offensive bestraft werden."

Tatsächlich ließen in der zweiten Halbzeit Robert Glatzel (zweimal) und Bakery Jatta (per verschossenem Foulelfmeter) dickste Chancen liegen, um noch stärkere Ergebniskosmetik zu betreiben.

Dennoch bietet auch so eine deutliche Niederlage dem Trainer genug Aufschlüsse über den Zustand seines Teams. Vor allem mit Blick auf Suhonen dürfte Walter mehr als zufrieden gewesen sein.

Der kleine Finne war dann auch kurz nach dem Spiel schon entschwunden - Kofferpacken für die Reise zum finnischen U21-Team war angesagt. Mit seinen Landsleuten trifft Suhonen am Dienstag auf den österreichischen Nachwuchs.

Eigentlich wäre Suhonen auch schon beim Spiel der Skandinavier gegen Aserbaidschan (Freitag) dabei gewesen - doch eine Rot-Sperre verhinderte dies. Des einen Freud, des anderen Leid. Denn so konnte sein Klub-Coach ihn nochmal vor der Länderspielwoche in Augenschein nehmen.

Lob von Walter - aber auch eine Befürchtung

Und was er sah, machte Walter glücklich. "Er macht einfach einen sehr guten Job", lobte Walter den quirligen Mittelfeldspieler. Doch der Coach tröpfelte parallel dazu auch einen kleinen Wermutstropfen in seine Analyse.

Denn Walter will erkannt haben, dass der 20-Jährige gerade an einer Art Scheideweg steht. An der Trennlinie zwischen jugendlicher Unbekümmertheit und erwachsener Reflexion. "Er macht sich", so Walter, "so langsam aber auch selber ein bisschen Gedanken. Er wird erwachsen. Und das tut ihm gerade nicht so gut. Er muss einfach seine Lockerheit behalten."

Wobei es natürlich auch zu einem gewissen Teil an ihm selbst, als Trainer, liegt, dem Spieler diese zwischen den Zeilen angedeutete Angst vorm Versagen ein Stück weit zu nehmen. Regelmäßige Auftritte wie der am Mittwoch werden dann schon ganz von allein dafür sorgen, Suhonen seine Lockerheit nicht verlieren zu lassen.

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