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Hamburger SV

HSV mit 5:0-Gala gegen Osnabrück: Kittel erwacht, Jatta brillant - die Kritik zum Spiel

Marcel Stummeyer
ein bärenstarker Auftritt vom gesamten HSV
ein bärenstarker Auftritt vom gesamten HSV / Martin Rose/Getty Images
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Der Hamburger Sport-Verein schlägt den VfL Osnabrück nach bärenstarkem Auftritt mit 5:0. Das bisher beste Saisonspiel der Rothosen offenbarte das unglaubliche Potenzial der Mannschaft. Besonders Sonny Kittel und Doppelpacker Bakery Jatta überragten und veredelten einen mehr als gelungenen Abend - die Rückeroberung der Tabellenspitze ist der verdiente Lohn.

Für den Hamburger SV versprach das Aufeinandertreffen mit dem VfL Osnabrück in den vergangenen Jahren nichts Gutes. Während man gegen den Underdog in den Jahren 2009 und 2017 kläglich im DFB-Pokal scheiterte, konnten die Rothosen gegen den VfL auch in der vergangenen Saison keinen Sieg einfahren. Letztmals gewann der HSV im Jahr 1988 ein Pflichtspiel gegen die Niedersachsen.

Vier Punkte konnten die Osnabrücker in der letzten Saison gegen den großen HSV erringen. Vier Punkte, die den Hanseaten am Ende die Rückkehr ins Oberhaus vermasselten. Damals noch im lila-weißen Dress unterwegs: Moritz Heyer, der im Rückspiel zum 1:1 Endstand traf und natürlich Trainer Daniel Thioune, der den VfL zum lang ersehnten Aufstieg in die 2. Bundesliga führte und seine Ex-Mannschaft zum erfolgreichen Klassenerhalt verhalf.

Auf Seiten der Gäste war Trainer Marco Grote am Anfang des Jahrtausends für die Amateure des HSV am Ball - in vier Jahren (von 2000-2004) absolvierte der ehemalige rechte Verteidiger 139 Partien für die Rothöschen.

HSV startet wach - Kittel zum 1:0, Jatta erhöht

Zum zweiten Mal in Folge ließ Thioune dieselbe Startformation von der Leine. Die Nominierung vom jüngst formschwachen Sonny Kittel überraschte jedoch etwas. Gemeinsam mit Bakery Jatta beackerte der Techniker die Flügel der Hansestädter und das Vertrauen des Trainers sollte sich schnell lohnen.

In den Anfangsminuten starteten die Hausherren mutig. Osnabrück stand sehr tief und gewährte den Rothosen einige Ballaktionen in der Nähe des Strafraums. Bis zur 13. Minute erarbeiteten sich die Hamburger bereits vier Eckbälle. Bei eigenen Ballverlusten agierte der HSV wach und genau diese Bissigkeit führte in der 16. Minute zum 1:0 - David Kinsombi legte den Ball quer und Sonny Kittel buchsierte das Leder in den rechten oberen Knick - ein tolles Tor und gleichzeitig ein lang ersehnter Erfolg für den 28-jährigen, der wie beflügelt wirkte.

verdiente Führung zur Pause - der HSV geht mit 2:0 in Front
verdiente Führung zur Pause - der HSV geht mit 2:0 in Front / Martin Rose/Getty Images

Auch nach der Führung bestimmten die Hausherren das Geschehen. Zwar wurden die Gäste etwas stärker, Gefahr für Sven Ulreich entfachte allerdings kaum. Vielmehr versuchte der HSV spielerisch für weitere Akzente zu sorgen. In der 41. Minute brachte Jeremy Dudziak den Ball nach toller Kombination in die Mitte - Gästekeeper Kühn konnte das Leder nur in die Mitte abwehren, wo Bakery Jatta lauerte und trocken zum 2:0 erhöhte - sein drittes Saisontor. Balsam für die Seele des HAMBURGERS und gleichzeitig der verdiente Halbzeitstand nach tollem Auftritt der Hanseaten in Hälfte eins.

Raketenstart - HSV wie im Rausch

In Halbzeit zwei krönte der HSV früh eine tolle Leistung. Jatta in der 48. Minute, Vagnoman in Minute 54 und ein Eigentor in der 61. Minute - 5:0! Eine Machtdemonstration der Rothosen, die im Kollektiv die bislang beste Saisonleistung zeigten und früh in Halbzeit zwei den Sack zu machten. Besonders in der Offensive glänzten die Hanseaten mit umfangreichem Ideenreichtum, das stets für Feuer in der gegnerischen Hälfte sorgte.

der HSV startete furios und machte früh den Sack zu
der HSV startete furios und machte früh den Sack zu / Martin Rose/Getty Images

Nachdem Trainer Thioune in der 62. Minute erstmals rotierte, entspannte sich die Begegnung. Osnabrück versuchte weiter selbst aktiv zu werden, der HSV verwaltete das tolle Ergebnis erfolgreich und brachte den bisher höchsten Saisonsieg ungefährdet über die Zeit.

Nach ausgezeichneter Mannschaftsleistung auch in dieser Höhe ein absolut verdienter Heimsieg im heimischen Volksparkstadion. Daniel Thioune besiegte seine alte Liebe vernichtend - besonders dank Bakery Jatta, der einmal mehr brillierte und seine tolle Form abermals bestätigte.
Auch Sonny Kittel gebührt ein Sonderlob, der an drei Treffern direkt beteiligt war - ein Tor, zwei Vorlagen.


Die Kritik zum Spiel

1. Tor

ohne Fehler, ohne Gegentor - Sven Ulreich
ohne Fehler, ohne Gegentor - Sven Ulreich / Martin Rose/Getty Images

Sven Ulreich hatte in Halbzeit eins nicht viel zu tun. In der 46. Minute parierte der ehemalige Nationalkeeper den ersten ernstzunehmenden Abschluss der Gäste sicher. Strafraum = Ulreich-Gebiet - jeden Ball hielt der erfahrene Tormann vom eigenen Kasten fern. Als sicherer Rückkhalt sicherte sich Ulreich die verdiente weiße Weste. Ein toller Sieg ohne Schönheitsfehler in Form eines Gegentores.

2. Abwehr

starker Rückhalt für sein Team - Toni Leistner
starker Rückhalt für sein Team - Toni Leistner / Martin Rose/Getty Images

Der junge Josha Vagnoman durfte sich über Kredite am 1:0 freuen, legte aber noch deutlich nach. Defensiv lieferte der U21-Nationalspieler eine klasse Leistung ab und auch in der Offensive tauchte der Youngster entscheidend auf - in der 54. Minute sorgte das Eigengewächs für das entscheidende 4:0 - sein 2. Saisontor und das i-Tüpfelchen auf einem gelungenen Abend.

Toni Leistner trieb seine Mannschaft an und sorgte immer wieder für einen ruhigen Spielaufbau. Nach stabiler und konzentrierter Leistung in Durchgang eins spielte der 30-jährigen einen mustergültigen Pass in die Spitze, der über Terodde im Fuß von Josha Vagnoman landete, der zum 4:0 verwandelte. Lufthoheit-Toni glatzte jeden Ball weg, der sich über seiner Hüfte befand - im Luftduell zog jeder Kontrahent den Kürzeren - eine Maschine, ein Leader, der sich für nichts zu schade ist. Die Erfahrung des 30-jährigen hilft dem HSV enorm.

Stephan Ambrosius hart, schnörkellos, fehlerfrei, unüberwindbar - das Eigengewächs des HSV spielte erneut im Stile eines großen Verteidigers. Mit der kürzlichen Verlängerung des Vertrags haben die Beteiligten einen wahren Coup gelandet - der 22-jährige ist unglaublich wichtig für seine Mannschaft und absolut unersetzbar. Eine derartig saubere Defensivleistung findet man sonst nur in den oberen Regalen der europäischen Top-Ligen.

Kapitän Tim Leibold absolvierte am Montag sein 50. Pflichtspiel für den Hamburger Sport-Verein, an das er sich wohl sehr gerne erinnern wird. Am starken 5:0 war auch Leibold entscheidend beteiligt, der auf seiner linken Seite regelmäßig für Offensivimpulse sorgte und defensiv den Laden dicht hielt. Mit seiner Raffinesse ein wichtiger Faktor für sein Team.

3. Mittelfeld

steuerte eine Vorlage bei - David Kinsombi
steuerte eine Vorlage bei - David Kinsombi / Martin Rose/Getty Images

Der ehemalige Osnabrücker Moritz Heyer hatte die Aufgabe, den zuletzt bärenstarken Sebastian Kerk auszuschalten, was dem defensiven Mittelfeldspieler vollumfänglich gelang. Alle wichtigen Zweikämpfe konnte Heyer für sich entscheiden, Fehler sucht man beim 25-jährigen vergeblich. Stabiler war das Mittelfeld der Hausherren selten - dank Moritz Heyer, der gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber super performte.

David Kinsombi
sorgte mit guter Übersicht für den Führungstreffer seines Teams. Seinen Pass veredelte Sonny Kittel mit dem 1:0 - der dritte Assist in der laufenden Spielzeit für den deutsch-Kongolesen. Auch in der restliche Spielzeit arbeitete der Mittelfeldmann sauber und konzentriert. Kinsombi wusste seine Physis gewinnbringend einzusetzen. In dieser Form wünscht man sich den 25-jährigen regelmäßig.

Jeremy Dudziak trieb seine Mannschaft unermüdlich an. Besonders sein Verhalten nach Ballverlusten überzeugte. Der Tunesier arbeitete für jeden Ball und sorgte mit seiner Technik regelmäßig für Gefahr. Kurz vor der Halbzeit sorgte Dudziak nach toller Kombination mit Kittel und Leibold für die Vorlage zum 2:0. Seine scharfe Hereingabe fand auf Umwegen den Fuß von Bakery Jatta, der trocken versenkte. Für "Jerry" bereits die 7. Torvorlage der Spielzeit. Als Überbrückung in die Offensive funktionierte der technisch versierte Spielmacher exzellent. Die Osnabrücker Defensive hatte mit der flotten Spielweise Dudziaks allerhand zu tun. Der wendige Gestalter ist kaum zu halten.

4. Sturm

heute torlos, aber nicht unsichtbar - Simon Terodde
heute torlos, aber nicht unsichtbar - Simon Terodde / Martin Rose/Getty Images

Simon Terodde blieb torlos. ABER auch der Stürmer arbeite stark. In der 54. servierte der Mittelstürmer stark für Vagnoman, der das 4:0 besorgte. Auch vor dem 5:0 bedrängte der 32-jährige seinen Gegenspieler entscheidend, der ins eigene Tor vollendete. Wer sagt, dass Terodde ohne eigenes Tor unsichtbar bleibt, der wurde eines Besseren belehrt.

Mit riesigen Schritten sauste Bakery Jatta die Linie hoch und runter. Der 22-jährige Gambier strahlte erneut wahnsinnige Spielfreude aus, was seine gute Form aus den letzten Wochen unterstrich. Das unglaubliche Pensum des Flügelstürmers bildet momentan einen enormen Mehrwert für seine Mannschaft. In der 41. Minute belohnte sich "Baka" mit seinem dritten Tor der laufenden Spielzeit. Trocken nutzte der Angreifer einen unsauber geklärten Ball zum verdienten Ausbau der Führung und das war noch nicht alles: in der 48. Minute nutzte Jatta eine tolle Ecke von Sonny Kittel für das 3:0. Der Gambier veredelte eine tolle Hereingabe herrlich mit dem Kopf - eine Bombenleistung! In der 62. Minute war für Jatta Feierabend - vor der Leistung des Gambiers in der aktuellen Phase kann man sich nur verneigen.

Sonny Kittel stand etwas überraschend in der Startelf der Rothosen. Wochenlang befand sich der Edeltechniker des HSV in einem Leistungsloch - in der 16. Minute ballerte sich der 28-jährige jedoch aus der Krise. Nach Kinsombi-Pass versenkte Kittel den Ball im Netz. Auch am 2:0 und 3:0 war Kittel beteiligt. Vor dem 2:0 mit guter Kombinationsleistung und vor dem 3:0 direkt per klasse Ecke. Wer dachte, dass dann Schluss war, der täuschte sich, denn auch das 5:0 leitete der heute überragende Kittel auf. Seine Flanke versenkte VfL-Verteidiger Trapp im eigenen Tor. Ein mehr als gelungener Auftritt für den glücklos in die Saison gestarteten Kittel, der eindrucksvoll zeigte, wie wichtig er für seine Mannschaft sein kann.

5. Einwechselspieler

Wechselte gegen seinen Ex-Klub munter - Daniel Thioune
Wechselte gegen seinen Ex-Klub munter - Daniel Thioune / Martin Rose/Getty Images

In der 62. Minute kamen Bobby Wood und Khaled Narey für Simon Terodde und Bakery Jatta, in Minute 70 betraten Aaron Hunt und Manuel Wintzheimer für Sonny Kittel und Jeremy Dudziak das Feld und vier Minuten später durfte Gideon Jung noch einige Minuten sammeln, der Moritz Heyer ablöste. Daniel Thioune schöpfte sein Kontingent komplett aus und brachte Ruhe für die letzten Spielminuten. Für ein weiteres Tor reichte es nicht mehr - vor allem Bobby Wood hätte man ein Erfolgserlebnis gegen angeknockte Gäste gegönnt.

6. man of the match

sorgten entscheidend für drei Punkte - Bakery Jatta und Sonny Kittel
sorgten entscheidend für drei Punkte - Bakery Jatta und Sonny Kittel / Martin Rose/Getty Images

Auf Bakery Jatta lastet Druck? Die Schlagzeilen nehmen dem Gambier dem Spielspaß? NEIN! NEIN! NEIN! Jatta liefert in den letzten Wochen - unaufhörlich. Auch am Montagabend überragte der fleißige Gambier und belohnte sich mit seinem ersten Doppelpack der Karriere. In der 41. Minute mit einem trockenen und harten Schuss aus kurzer und in Minute 48 per Kopf - in dieser Form gehört Bakery Jatta zu den Unterschiedsspielern seiner Mannschaft. Auf den Außen ist der blitzschnelle Angreifer kaum zu halten und auch der Torhunger scheint unzähmbar. Jatta, der Mann des Spiels - ein wahrer HSVer! Es macht Spaß, dem Gambier momentan zuzuschauen, der sich Woche für Woche zu steigert - ein Limit gibt es aktuell nicht. Dieser "Baka" macht Lust auf mehr, viel mehr! Die Jatta-Festwochen gehen weiter.

Der erste Sieg gegen den VfL Osnabrück seit 33 Jahren, und was für einer. Die Gäste blieben ohne Chance gegen einen übermächtigen HSV, dem nahezu alles gelang. Die Harmonie zwischen de einzelnen Mannschaftsteilen klappte hervorragend und auch taktisch bot die Thioune-Truppe eine blitzsaubere Vorstellung. Vom "Angstgegner" aus Osnabrück war nicht viel zu sehen - für die zaghaften Bemühungen der Gäste war meist schon vor der HSV-Abwehr Schluss, die souverän und unüberwindbar den Kasten von Sven Ulreich bewachte.

In der Offensive sorgten tolle Kombinationen und clevere Momente für schöne Tore, die ausgezeichnet herausgespielt wurden. Kein einziger Treffer resultierte aus einer Einzelaktion.
Mit diesem deutlichen Sieg schieben sich die Hamburger mit einem deutlichen Ausrufezeichen zurück an die Tabellenspitze.

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