Hamburger SV

HSV: Das uneingelöste Versprechen namens Manuel Wintzheimer!

Guido Müller
Beim Hamburger SV hat sich Manuel Wintzheimer am Ende nicht so entwickelt wie erhofft
Beim Hamburger SV hat sich Manuel Wintzheimer am Ende nicht so entwickelt wie erhofft / Martin Rose/GettyImages
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Geht es dieser Tage um Transfergerüchte beim Hamburger SV, ist meist von Faride Alidou die Rede. Doch neben dem 20-jährigen Shootingstar der Hanseaten macht sich auch dessen Sturmkollege Manuel Wintzheimer offenbar Gedanken, den Klub zu verlassen.


Wie die Hamburger Morgenpost berichtet, breite sich im Umfeld des 22-Jährigen allmählich Unruhe aus angesichts fehlender Signale seitens des Klubs, den im Sommer auslaufenden Vertrag verlängern zu wollen.

Dementsprechend sondiere das Management des gebürtigen Arnsteiners bereits den Markt. Dieser öffnet bekanntlich am kommenden 1. Januar seine Tore. Geht jetzt alles ganz schnell?

Dem Bericht zufolge, fühle sich Wintzheimer zwar grundsätzlich wohl im Volkspark, doch ist ihm natürlich auch nicht entgangen, dass er in der Hierarchie der Rothosen in dieser Saison weiter nach unten gerutscht ist.

Selbst ein vor der Saison nur absoluten Insidern geläufiger Name wie der von Faride Alidou hat es in kürzester Zeit geschafft, den schon seit dreieinhalb Jahren in Hamburg unter Vertrag stehenden Wintzheimer hinter sich zu lassen.

Doch schon diese dreieinhalb Jahre waren alles andere als von einer fortwährenden Aufwärtsentwicklung geprägt. Ein Rückblick.

In der Bayern-Jugend traf Wintzheimer fast nach Belieben

In die Hansestadt gekommen war Wintzheimer mit dem Vorschusslorbeer eines talentierten Talents von Bayern München, der in den Jugendmannschaften des Rekordmeister regelmäßig alles kurz und klein schoss.

Manuel Wintzheimer
Traf in den U-Mannschaften des FC Bayern wie er wollte: Manuel Wintzheimer (hier während eines Freundschaftsspiels mit den Profis) / Boris Streubel/GettyImages

Als ein Beleg dafür mögen die insgesamt 54 Scorerpunkte (42 Tore, 12 Vorlagen) dienen, die er für die U19-Mannschaft der Münchener zustande brachte. Für den HSV, gerade zuvor erstmals in seiner Klubgeschichte in die zweite Liga abgestiegen, erschien der hochgewachsene Angreifer deshalb auch aus finanziellen Aspekten heraus als ein lohnendes Transferziel.

Da die Bayern ihm offenbar keine allzu große Zukunft prophezeiten, holten sich die Hamburger den Spieler für lau. In seiner ersten Saison in Hamburg, der ersten Zweitliga-Spielzeit des Klubs (2018/19) kam Wintzheimer jedoch noch überwiegend für die zweite Mannschaft zum Einsatz.

Erst nach dem im Oktober 2018 vollzogenen Trainerwechsel (von Christian Titz zu Hannes Wolf) kam Wintzheimer überhaupt zu Einsatzzeiten bei den Profis. In seinen sieben Auftritten zum Ende jener Spielzeit gelangen ihm dabei sogar drei Tore.

Die aber für den geplanten Aufstieg der Hamburger nicht mehr reichen sollten. Mit der Ankunft von Dieter Hecking zur Saison 2019/20 verschob sich die Lage für "Wintzi" erneut dramatisch - zu seinen Ungunsten. Der frühere Gladbacher Erfolgscoach konnte mit ihm nichts anfangen - und goutierte deshalb ohne weiteres das Leihgeschäft, das den Angreifer zum VfL Bochum brachte.

Dieter Hecking
Dieter Hecking konnte mit Wintzheimer gar nichts anfangen - und sagte "ja" zu dessen Leihe nach Bochum! / Martin Rose/GettyImages

Im Ruhrpott kam Wintzheimer dann auch regelmäßig zu Einsätzen (20 in der Liga, einer im DFB-Pokal), doch wurde bereits damals erkennbar, dass er eines nicht ist: ein regelmäßig treffender Torjäger. Nur drei Tore und eine Vorlage waren dann auch nicht unbedingt das beste Bewerbungsschreiben, um nach der einjährigen Leihe in Hamburg wieder mit Kusshand empfangen zu werden.

Mittlerweile hatte der Klub es auch im zweiten Anlauf nicht geschafft, ins Oberhaus des deutschen Fußballs zurückzukehren. Was natürlich auch immer mehr Spuren im verfügbaren Budget der Hanseaten hinterließ.

Schon die Bestellung des neuen Trainers, Daniel Thioune, wies auf eine nochmals nach unten korrigierte Zielsetzung des Klubs hin. Denn bis auf einen Zweitliga-Aufstieg mit dem VfL Osnabrück war die Erfolgsstory von Thioune noch weitgehend ungeschrieben.

Kurzes Zwischenhoch unter Thioune

Auch den gegenüber dem Vorjahr nochmals verschlechterten finanziellen Rahmenbedingungen geschuldet, trug Thioune das Konzept der verordneten Sparsamkeit in puncto Transfers ohne Murren mit - und machte aus der Not eine Tugend.

Davon profitierte vor allem Leih-Rückkehrer Wintzheimer, der sich an den ersten fünf Spieltagen der Saison 2020/21plötzlich in der Startelf des HSV wiederfand - und dieses Vertrauen mit starken sechs direkten Torbeteiligungen (zwei Treffer, vier Assists) zurückzahlte.

Manuel Wintzheimer
Unter Thioune erlebte Wintzheimer eine kurze Hoch-Phase (hier sein Führungstor beim 4:3-Sieg in Paderborn) / Lars Baron/GettyImages

Doch noch während sich in Hamburg viele ungläubig den Kopf kratzten angesichts einer zuvor (in Zweitliga-Zeiten) nie gesehenen Serie von fünf Siegen in Folge, mit Wintzheimer (neben Torjäger Terodde) als einem der Spieler der Stunde, endete dieses Hoch auch schon wieder.

Den fünf Siegen zum Auftakt folgten zwei Remis und drei Niederlagen am Stück - und der zarte Hype, der sich gerade um Wintzheimer aufzubauen schien, war schneller verflogen als ein Hamburger Frühlingsschauer.

Zwar legte Wintzheimer im letzten Saisondrittel, welches jedoch schon von einer dramatischen Abwärtsentwicklung der Mannschaft gekennzeichnet war, noch acht weitere Scorerpunkte oben drauf, doch kaschierten diese Werte nur einen bereits weit fortgeschrittenen Zersetzungsprozess innerhalb der Mannschaft, der am Ende auch das Schicksal von Thioune beim HSV besiegeln sollte.

In dieser Saison, unter dem sechsten HSV-Trainer in vier Jahren Zweitliga-Zugehörigkeit, hat Wintzheimer den wohl schlechtesten Stand seit seiner Ankunft im Sommer 2018. Gerade mal zwei Torbeteiligungen in 16 Einsätzen (zuletzt regelmäßig unter einer halben Stunde Dauer liegend) benennen die große Schwäche des Angreifers schonungslos.

Zu wenig Torgefahr

Für einen Angreifer ist Wintzheimer schlichtweg nicht torgefährlich genug. Weder in der Kategorie Vorlagen - und erst recht nicht in der Sparte Vollstreckung.

Da er sich gleichzeitig auch nicht durch überragende technische Fähigkeiten oder eine über das Normalmaß hinausgehende Schnelligkeit auszeichnet, bleibt die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Ausweitung der vertraglichen Beziehung zur recht bestehen.

Durchaus positive Randaspekte wie Mannschaftsgeist, Disziplin, Fleiß und die völlige Abwesenheit von Allüren fallen in diesem bewertenden Kontext dann kaum noch ins Gewicht.

Fußball, in seiner das Transferwesen bestimmenden Dimension, ist letzten Endes ein Wettspiel. Jeder Klub - jeweils nach seinen Möglichkeiten - wettet bei einer Verpflichtung eines Spielers auf die Zukunft.

Darauf, dass Spieler X oder Y den Klub sportlich und - in der Folge - dann auch wirtschaftlich (wenn besagter Spieler einem stärkeren Klub auffällt) weiter bringt. Bei Manuel Wintzheimer scheint der HSV mittlerweile den Glauben verloren zu haben, dass er eine neuerliche Wette auf die Zukunft lohnen könnte. Eine Trennung, spätestens im Sommer, erscheint daher nur folgerichtig.

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