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Hamburger SV

Die Hinrunden-Zeugnisse der HSV-Kicker - Teil 2: Mittelfeld und Sturm

Guido Müller
Stuart Franklin/GettyImages
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Nach dem ersten Spiel der Rückrunde (1:1 zu Hause gegen Schalke 04) beendet der Hamburger SV das Kalenderjahr 2021 auf einem aussichtsreichen dritten Rang. Womit man schon mal eine Stufe über dem ominösen vierten Platz steht, der bislang am Ende einer jeden Zweitliga-Spielzeit der Rothosen stand. Zeit also, die einzelnen Mannschaftsteile, fortfahrend mit Mittelfeld und Sturm, etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Das sind die Halbzeit-Zeugnisse der HSV-Kicker.


Hinrunden-Zeugnisse beim HSV: Hier gehts zu Teil I - Tor & Abwehr


Jonas Meffert

Jonas Meffert, Khaled Narey
Der Mann fürs Grobe beim HSV: Jonas Meffert (hier im Duell mit der Ex-Rothose Khaled Narey) / Martin Rose/GettyImages

Der Neuzugang aus Kiel, wo er in der Saison 2018/19 unter Tim Walter spielte, ist aus der Startelf des Hamburger SV praktisch nicht wegzudenken. Unspektakulär aber um so effizienter verrichtet der 27-Jährige seine Arbeit im defensiven Mittelfeld.

Körperlich stets sehr präsent, weiß Meffert auch spielerisch zu gefallen. Einzig Torgefahr strahlt der Abräumer nicht aus. Für zwei Torvorlagen reichte es dennoch.

Bewertung: 7/10


Ludovit Reis

Ludovit Reis
Bildet mit Jonas Meffert eine der besten defensiven Mittelfeldreihen der Liga: Ludovit Reis / Stuart Franklin/GettyImages

Der ebenfalls vor der Saison vom FC Barcelona II verpflichtete Holländer kommt auf seiner neuen Station immer besser in Schwung. Sehr aggressiv gegen den Ball, geht ihm bisweilen noch die Cleverness in der Zweikampfführung (auch offensiv!) ab. Zudem wählt er immer noch zu oft den komplizierten Weg.

Stellte er diese Defekte jedoch noch ab, wäre er nah an Bundesliga-Niveau. Zusammen mit Meffert bildet er eine der besten defensiven Mittelfeldreihen der Zweiten Liga. Vier Scorer-Punkte (3 Tore, 1 Assist) in 17 Spielen sind ebenfalls eine starke Quote.

Bewertung: 7/10


David Kinsombi

David Kinsombi, David Blacha
Platzt bei ihm nochmal der Knoten? David Kinsombi / Martin Rose/GettyImages

Der Königstransfer der Saison 2019/20 kam während seiner Zeit in Hamburg leider nie in den Flow, der ihn zu Kieler Zeiten zu einem der begehrtesten Zweitliga-Spieler machte.

Auch in der laufenden Spielzeit kommt der 26-Jährige über den Status des Ergänzungsspielers nicht hinaus. Immerhin gelangen ihm in seinen 14 Liga-Einsätzen aber schon drei Scorerpunkte.

Bewertung: 5/10


Sonny Kittel

Sonny Kittel
Kein Vertun: Sonny Kittel war der stärkste HSV-Spieler der Hinrunde / Stuart Franklin/GettyImages

Keine Frage - der Sonny Kittel dieser Saison ist der beste, den die HSV-Fans seit seiner Ankunft im Sommer 2019 gesehen haben. Mit 10 Torvorlagen hat er bereits nach 18 Spielen die jeweiligen Erträge seiner Vorjahre (7 in der Saison 2019/20, 8 in der Spielzeit 2020/21) übertroffen.

"Hapern" tut es dafür bei den eigenen Torerfolgen. Bei etwas konzentrierterer Chancenverwertung könnte er auch in dieser Kategorie weit besser dastehen. Vier Tore sind zwar nicht schlecht - aber ein Spieler seiner Klasse sollte eigentlich auf eine zweistellige Summe kommen. Dennoch ist Sonny Kittel der HSV-Spieler der Hinrunde.

Bewertung: 9/10


Anssi Suhonen

Anssi Suhonen
Verspricht für die Zukunft noch einiges: Anssi Suhonen / Martin Rose/GettyImages

Der junge Finne, der bereits seit bald fünf Jahren dem Klub angehört, wurde vor dieser Saison von der zweiten Mannschaft zu den Profis hochgezogen. Bislang hat er die Erwartungen mehr als erfüllt.

Das Bemerkenswerte daran: er braucht nicht viel Spielzeit, um wichtig zu werden. In den zwei aufeinanderfolgenden Heimspielen gegen Regensburg und Ingolstadt reichten ihm gerade mal 14 Minuten, um jeweils sein erstes Tor und seine erste Torvorlage zu liefern.

Insgesamt kam er zu elf Kurzeinsätzen, zu denen aber, bei anhaltender Formkurve, ab dem kommenden Januar noch einige weitere hinzukommen werden.

Bewertung: 7/10


Tommy Doyle

Tommy Doyle
Braucht nicht viel Zeit, um torgefährlich zu werden: Tommy Doyle / Cathrin Mueller/GettyImages

Der 20-jährige Engländer wurde kurz vor Transferschluss von Manchester City ausgeliehen. In den ersten Wochen danach fragten sich viele HSV-Fans: warum eigentlich? Denn zu Einsatzzeiten kam er zunächst nicht.

Nachdem er am 6., 7. und 8. Spieltag (an den Spieltagen zuvor stand er noch im City-Kader) ohne eine einzige Minute im Spieltagskader stand, sorgte er bei seinen ersten drei Minuten (in Aue) prompt für das späte Ausgleichstor.

Nach einem weiteren Kurzeinsatz gegen die Fortuna (vier Minuten) brauchte er in Paderborn gar nur eine Minute, um nach seiner Einwechslung das Siegtor zu schießen. Mehr Effizienz geht fast nicht.

Doch seitdem ist es wieder ruhiger um den jungen Briten geworden. So ruhig, dass sein Stammverein schon gut vernehmlich murrt, angesichts fehlender Einsatzzeiten. Eine seriöse Bewertung ist bei dieser Datenlage natürlich auch nicht möglich.

Bewertung: -


Maximilian Rohr

Maximilian Rohr, Christoph Daferner
Durch eine Wadenverletzung ausgebremst: Maximilian Rohr (hier im Duell mit Dresdens Daferner) / Stuart Franklin/GettyImages

Schon seit der Saison 2020/21 beim HSV, wurde der zunächst für die zweite Mannschaft vorgesehene Hüne (1,95 Meter) vor der jetzigen Saison zu den Profis hochbeordert. Gleich im ersten Spiel (auf Schalke) gelang ihm der Assist zum vorentscheidenden 2:1.

In der Folge verrichtete er unauffällig seinen Job, mal vor der Abwehr, mal etwas weiter höher stehend, bis ihn eine Muskelverletzung ausbremste. Eine seriöse Bewertung ist deshalb nicht möglich.

Bewertung: -


Robert Glatzel

Robert Glatzel
Mit 9 Treffern in 18 Liga-Spielen voll im Soll: Robert Glatzel / Stuart Franklin/GettyImages

Der Mann hatte eine Mission - Simon Terodde zu ersetzen. Das gelang ihm den Zahlen nach zwar nicht. Doch es geht im Fußball nicht immer nur um Zahlen. Auch nicht bei Stürmern. Robert Glatzel fügt sich in das Kombinationsspiel der Hanseaten jedenfalls weitaus besser ein, als es ein Torjäger wie Terodde je getan hat.

Das geht dann wohl leider auf Kosten der Treffsicherheit. Denn bei effizienterer Chancenverwertung könnte Glatzel schon locker drei oder vier Tore mehr auf dem Konto haben, als die (dennoch starken!) 9 Tore in 18 Liga-Spielen. Und dann befände er sich ja auch schon fast in Terodde´schen Dimensionen...

Bewertung: 8/10


Faride Alidou

Faride Alidou
Er kam, sah und siegte - doch wie lange bleibt Faride Alidou noch beim HSV? / Stuart Franklin/GettyImages

Klassisches Beispiel eines shooting stars. Im Sommer fast schon verliehen, weil kaum einer im Klub an ihn glaubte, setzte auch Tim Walter erst ab dem 10. Spieltag auf den gebürtigen Hamburger.

Und Alidou nutzte die Gunst der Stunde - und explodierte plötzlich in seinen Leistungen. Zwischen dem 11. und dem 17. Spieltag sammelte der 20-Jährige in sieben Partien bockstarke 6 Scorerpunkte (2 Treffer, 4 Vorlagen) - und sitzt bezüglich der Vertragsverhandlungen (sein Kontrakt läuft im kommenden Sommer aus) plötzlich im driver seat.

Bei aller Euphorie (die schon bald zu Frust ob seines durchaus möglichen Abgangs mutieren könnte) muss man aber auch immer die Objektivität bewahren. Dem jugendlichen Überschwang geschuldet, berauscht sich der pfeilschnelle und technisch versierte Außenstürmer bisweilen noch zu sehr an sich selbst.

Kriegt er das noch in den Griff, steht ihm eine große Karriere offen. Ob beim HSV oder anderswo.

Bewertung: 7/10


Bakery Jatta

Bakery Jatta
Regelmäßig zwischen Genie und Wahnsinn: Bakery Jatta / Stuart Franklin/GettyImages

Angesichts der belastenden Dauerproblematik um seine Aufenthaltsgenehmigung, kann man vor Bakery Jatta eigentlich nur den Hut ziehen. Beeindruckend, wie der Gambier den ganzen Stress mit Staatsanwaltschaften und Boulevard-Blättern wegsteckt.

Mit seiner unorthodoxen Spielweise bringt der 23-Jährige Fans wie Mitspieler (und Trainer) genauso oft in Entzückung wie zur Verzweiflung. An guten Tagen in der Lage, Abwehrreihen dank seiner Schnelligkeit ganz alleine auszuhebeln, bringt er an schlechten Tagen auch fast keinen vernünftigen Pass an den Mann.

Aber mit 23 Jahren muss Jatta ja auch noch längst nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen sein. Mit fünf Torbeteiligungen (2 Tore, 3 Assists) liegt er jetzt schon bei den Werten seiner ersten zwei Saisons (jeweils 4 Treffer und 2 Vorlagen) im Unterhaus.

Und auch seine bisherige Bestmarke zu Zweitliga-Zeiten (aus der vergangenen Saison), mit 5 Toren und 4 Vorlagen in 27 Spielen, könnte in dieser Spielzeit locker fallen. Perspektivisch ist also noch einiges zu erwarten von Jatta. Daran kann hoffentlich auch die Justiz nichts ändern.

Bewertung: 7/10


Manuel Wintzheimer

Manuel Wintzheimer, Luca Herrmann
Seine Entwicklung ist etwas in Stocken geraten: Manuel Wintzheimer / Stuart Franklin/GettyImages

Wenn man so will, ist der frühere Bayern-Jugendspieler so was wie der Verlierer der bisherigen Saison. Unter Walters Vorgänger Daniel Thioune praktisch gesetzt (was "Wintzi" mit starken 16 Scorerpunkten in 32 Liga-Spielen rechtfertigte), kommt der 22-Jährige unter dem neuen Coach kaum noch zum Zug.

Entsprechend stehen nach 16 Kurzeinsätzen nur magere zwei direkte Torbeteiligungen. Ein wenig stagniert Wintzheimer in seiner gesamten Entwicklung, seit er im Sommer 2018 zum HSV gestoßen ist.

Bewertung: 4/10


Mikkel Kaufmann

Mikkel Kaufmann
Beim Dänen Mikkel Kaufmann ist noch viel Luft nach oben. / Martin Rose/GettyImages

Bislang konnte der 20-jährige Däne nur in homöopathischen Dosen andeuten, warum er mal als eines der größten Talente seines Landes gehandelt wurde. Torgefahr sieht jedenfalls anders aus. Allerdings stand er auch erst einmal länger als eine halbe Stunde auf dem Platz.

Meist bewegen sich seine Einsatzzeiten gar nur im einstelligen Minuten-Bereich. Gegen Hansa Rostock verhinderte eine Abseitsstellung im Nanometer-Bereich sein erstes Tor für den HSV. Kaufmann wird ordentlich Gas geben müssen, um sich für eine Weiterverpflichtung (ist bis Sommer 2022 ausgeliehen) zu empfehlen.

Bewertung: 3/10


Robin Meißner

Robin Meißner
Unter Hrubesch top, unter Walter ein Flop: Robin Meißner muss in der Rückrunde ordentlich Gas geben / Martin Rose/GettyImages

Nach seinen drei Toren (nebst zweier Vorlagen) in den letzten drei Spielen der Vorsaison, dachten rund um den Volkspark eigentlich alle, dass die laufende Spielzeit den Durchbruch für den Hamburger Jung bringen könnte.

Doch weit gefehlt: in seinen wenigen Kurzeinsätzen wirkte Meißner oftmals viel zu hektisch. Und mit 22 Jahren kann er sich allmählich auch nicht mehr hinter seinem jugendlichen Alter verstecken. Wenn er nicht bald die Kurve kriegt, ist nicht davon auszugehen, dass er seinen bis 2024 laufenden Vertrag erfüllt oder gar verlängert.

Aufgrund der äußerst geringen Einsatzzeiten verzichten wir hier allerdings ebenfalls auf eine numerische Bewertung.

Bewertung: -

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