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Herrlich zurück in Gladbach: Vor 25 Jahren streikte er sich zum BVB

Nov 21, 2020, 10:58 AM GMT+1
Heiko Herrlich
Heiko Herrlich war als Spieler erfolgreich in Gladbach - dann wollte er unbedingt zum BVB | Pool/Getty Images
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Wenn der FC Augsburg am Samstag bei Borussia Mönchengladbach antritt, kehrt Trainer Heiko Herrlich mal wieder an seine alte Wirkungsstätte zurück. Vor gut 25 Jahren streikte und klagte er sich als frischgebackener Torschützenkönig und Pokalsieger von den Gladbachern fort, um bei Borussia Dortmund anzuheuern.

In Mönchengladbach schien die Welt 1995 komplett in Ordnung zu sein: Mit dem fünften Platz in der Bundesliga zog die Borussia nach acht Jahren Abstinenz endlich mal wieder ins internationale Geschäft ein. Kurz darauf krönte sie die starke Saison noch mit dem Pokalsieg in Berlin, dem ersten Titel seit 1979 und dem letzten bis heute.

Auch individuell war die Mannschaft stark besetzt, beispielsweise kickten damals Stefan Effenberg, Patrik Andersson oder Martin Dahlin für die Fohlen. Dazu gehörte auch Heiko Herrlich, der 1994/95 Torschützenkönig in der Bundesliga wurde (der letzte Gladbacher bis heute) und mit sechs Toren im DFB-Pokal, davon eines im Finale, maßgeblichen Anteil am großen Erfolg der Saison hatte. Im März 1995 wurde er außerdem Nationalspieler.

Lieber Karriereende als Gladbach

Bis 1997 war Herrlich noch vertraglich an die Gladbacher gebunden, die Aussichten auf die Zukunft waren also gut. Doch der damals 23-Jährige trübte die Stimmung, als er plötzlich seinen Vertrag kündigte und auf eine Absprache mit Manager Rolf Rüssmann pochte, im Falle eines sportlich und finanziell besseren Angebots gehen zu können. Borussia Dortmund wollte Herrlich verpflichten und gab dementsprechend ein Angebot ab. "Ich werde in Gladbach keine Fußballschuhe mehr anziehen", sagte der Angreifer (via Borussia Chronik).

Rüssmann bestritt, eine solche Absprache getroffen zu haben und verwies auf den laufenden Vertrag. Es folgte ein Rechtsstreit, der sich wochenlang hinzog. Rüssmann gab an, Herrlich in keinem Fall freigeben zu wollen und der wiederum drohte mit dem Karriereende, wenn er nicht gehen dürfe. Am Ende ging Herrlich für die damalige Rekordsumme von elf Millionen Mark zum BVB.

"Ich bin oft gefragt worden, ob ich mich heute wieder so verhalten würde: Nein, das würde ich wohl nicht", sagte Herrlich im Interview mit der Westdeutschen Zeitung 2017 - obwohl er im Recht gewesen sei und das Versprechen erhalten habe. "Ich habe mich gefragt: Warum beharre ich derart auf meinem Recht? Rolf Rüssmann hat wohl nur seinen Job gemacht. Ich hadere sogar heute noch gelegentlich damit — obwohl ich im Recht war."

"Das hat mich fast gebrochen"

"Es war eine unfassbar harte Zeit, das hat mich fast gebrochen. Deswegen macht es heute noch was mit mir", sagte Herrlich weiter. "Du willst ja nicht so ein geldgieriger Söldner sein, als der ich nach dem Wechsel dargestellt wurde, sondern als Spieler und noch mehr als Mensch akzeptiert werden. Das hat wehgetan."

Denn selbstverständlich ist Herrlich seit diesem Wechsel bis heute bei vielen Gladbach-Fans unten durch. Der "Judas" war er und "Who the f*** is Herrlich?" sangen sie damals wie auch vor wenigen Jahren wieder, als er sich als Trainer von Bayer Leverkusen eine peinliche Schwalbe im Borussia-Park erlaubte, die sein Ansehen bei seinem Ex-Klub sicher nicht gesteigert hat.

Wenn er am Samstag mit dem FC Augsburg nach Mönchengladbach kommt, dann wird Herrlich als Trainer zum siebten Mal gegen seinen Ex-Verein antreten. Fünf der bisherigen sechs Duelle hat er für sich entschieden, gegen keinen anderen Verein in der Bundesliga gewann er häufiger. Er wird alles daran setzen, diese Serie auszubauen - doch das kann ihm diesmal niemand übel nehmen.

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