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DFB-Team

Hamburg und die Nationalelf - keine wirkliche Lovestory

Guido Müller
Gäste-Fans (wie hier die Argentinier bei der WM 2006) fühlen sich in Hamburg häufig sehr wohl
Gäste-Fans (wie hier die Argentinier bei der WM 2006) fühlen sich in Hamburg häufig sehr wohl / Shaun Botterill/GettyImages
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Nur in der Hauptstadt Berlin (46 Spiele) spielte die deutsche Nationalmannschaft auf heimischem Boden öfter als in Hamburg. Mit 34 Länderspielen (dreimal spielte Deutschland zudem in Altona) liegt die Hansestadt, zusammen mit Stuttgart, auf Rang zwei - hat aber sowohl bei Spielern als auch Funktionären einen, sagen wir mal, schwierigen Ruf.


Was vor allem, so monierten es zumindest in der Vergangenheit einige Spieler selbst, an bisweilen fehlender Unterstützung seitens des als reserviert geltenden Hamburger Publikums lag. Tatsächlich jedoch hat Hamburg rein statistisch keine so viel schlechtere Bilanz als die baden-württembergische Landeshauptstadt vorzuweisen.

Von den 34 Spielen in der Elbmetropole gewann die deutsche Auswahl 19, bei 6 Remis und 9 Niederlagen. Die Bilanz in Stuttgart: 21 Siege, 5 Unentschieden und 8 Niederlagen.

Und dennoch hält sich hartnäckig das Gerücht (oder ist es mehr als ein solches?), dass dem DFB-Team in Hamburg weniger Enthusiasmus und Begeisterung entgegengebracht wird als anderswo im Lande. Doch würden darauf einige Hamburger wohl eher mit der Frage nach dem Ei und der Henne kontern. Nach dem Motto: Begeisterung muss erstmal von den Spielern selbst kommen.

Das 0:1 gegen die DDR

Fakt ist: einige der legendärsten Niederlagen der DFB-Geschichte erlitt die Mannschaft in Hamburg. Beispiele gefällig? WM 1974: Vorrunde. Ausgerechnet im ideologisch aufgeheizten Bruderduell gegen die DDR verlor eine lustlos wirkende Mannschaft mit 0:1.

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Auch Gerd Müller kam gegen die DDR nicht zum Zug / STAFF/GettyImages

Spätere Legenden berichteten davon, dass die Mannschaft die Partie gegen die ostdeutschen Nachbarn mit Absicht abgeschenkt hätte, um in der Zwischenrunde den vermeintlich stärkeren Kalibern (wie Holland und Brasilien) aus dem Weg zu gehen.

Da der Plan auch tatsächlich aufging (statt Brasilien und Holland hatte man es in besagter Zwischenrunde mit Jugoslawien und Schweden zu tun und wurde am Ende Weltmeister), krähte später auch kein Hahn mehr nach der Niederlage im Bruder-Duell.

Die erste Heimniederlage bei einer EM-Qualifikation

Etwas mehr als neun Jahre später, im November 1983, setzte das DFB-Team im Volksparkstadion eine weitere negative Rekordmarke: zum ersten Mal überhaupt verlor eine bundesdeutsche Auswahl zuhause ein EM-Qualifikationsspiel.

Vor 61.000 völlig enttäuschten Zuschauern reichte den biederen Nordiren eine durchschnittliche Leistung, um durch ein Tor von Norman Whiteside mit 1:0 zu siegen.

Seinen Ruf als Hochburg (aber für die gegnerischen Teams) hatte Hamburg spätestens da schon weg. Doch der unrühmliche Höhepunkt kam erst noch. Ausgerechnet in einem EM-Halbfinale.

Das Heimspiel, das ein Auswärtsspiel war

Eigentlich war am 21. Juni 1988 schon vorher klar, wer der Chef im Ring sein würde: denn im weiten Rund des altehrwürdigen Volksparkstadions tummelten sich an jenem Abend wohl mindestens 20.000 Schlachtenbummler aus den Niederlanden.

"Man konnte damals von der Autobahn ins Stadion reinschauen, und ich habe nur Orange gesehen", erinnerte sich noch Jahre später Torwart Eike Immel. "Also, einen Heimvorteil hatten wir nicht."

Unmittelbar nach dem Spiel ätzte auch Frank Mill damals: "Es wäre schön gewesen, wenn wir heute ein Heimspiel gehabt hätten."

Hatten sie aber (zumindest gefühlt) nicht - und verloren am Ende mit 1:2. Und wieder einmal zeigte die Nation auf das volksverräterische Hamburger Publikum.

Nur wenige Glanzlichter in der Hamburger Länderspiel-Bilanz

Nun gibt eine Liste von 34 Länderspielen (und 19 Siegen) natürlich auch den einen oder anderen Glanzpunkt her.

Wie zum Beispiel ein 3:0 gegen die Holländer im November 2011. Oder ein ebenfalls 3:0 gewonnenes Spiel gegen die Tschechen, knappe fünf Jahre später. Übrigens der höchste Sieg gegen die östlichen Nachbarn überhaupt.

Doch insgesamt bleibt das Verhältnis zwischen Hamburg und der deutschen Nationalmannschaft zumindest leicht angespannt. Mal sehen, ob dies mit einem begeisternden Sieg gegen die Rumänen heute Abend zumindest ein Stück weit korrigiert werden kann.

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