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Große Freude bei den HSV-Fans: Endlich ist die Saison vorbei!

Spruchband FCH Fans
Dieser Gruß gilt auch noch in der nächsten Spielzeit | TF-Images/Getty Images

Das Positive vorweg: die Saison 2019/20 ist für den HSV endgültig vorbei. Somit ist auch die ultimative Demütigung durch die Bremer in der Relegation vom Tisch. Tatsächlich waren die Play-Offs gegen den 16. der Bundesliga am heutigen letzten Spieltag gar nicht so weit entfernt - doch der HSV wäre nicht der HSV, wenn er nicht auch noch diese letzte Gelegenheit mitgenommen hätte, seine Fans abermals bitter zu enttäuschen.

Denn ganz ehrlich: wer hatte heute eine Wiedergeburt der Mannschaft erwartet? Wer hätte darauf gewettet, dass sich das Team im alles entscheidenden Moment noch mal straffen und alle schlechten Eindrücke der letzten Wochen hinter sich lassen kann? Und zusätzlich stellte sich, zumindest für die Fans, die Frage: wofür überhaupt? Um sich in zwei Spielen gegen den ewigen Nordrivalen abermals die Hucke vollhauen zu lassen?

Doch gibt es verschiedene Arten zu verlieren. Selbst wenn es für die Endabrechnung belanglos gewesen wäre - mit einer knappen, vielleicht sogar unverdienten Niederlage hätte man als HSV-Fan sogar leben können. Ich spreche da sowohl für mich, als auch für einige meiner schwarz-weiß-blauen Gesinnungsgenossen. So tief ist man mittlerweile vom Anspruchsdenken her gesunken.

Aber sich in einem solchen Spiel von einer bestenfalls biederen Durchschnitt repräsentierenden Mannschaft am Nasenring durch die (zum Glück zuschauerbefreite) Arena schleifen und fünf Tore einschenken zu lassen, setzt der negativen Entwicklung der vergangenen Wochen (und Monate) tatsächlich noch die Krone auf. Kein Niveau scheint zur Zeit unterirdisch genug, als dass es der HSV nicht noch unterbieten könnte.

Weiß Hecking überhaupt noch die Mannschaft hinter sich?

Das ist die bittere Erkenntnis aus dem heutigen Spiel - und aus einer fast kompletten Rückrunde, in der der HSV nie auch nur annähernd in die Form kam, die ihn noch im August und September über die Gegner hinwegfegen ließ. Und natürlich ist das heutige 1:5 gegen Sandhausen auch nicht unbedingt dazu angetan, die Zuversicht in den Cheftrainer mit Blick auf die neue Saison zu stärken.

Meiner Meinung nach hat die Mannschaft ihn heute (abermals) komplett im Regen stehen lassen. Wenn es aber innerhalb einer Mannschaft so weit gekommen ist, kann die Konsequenz eigentlich nur eine sein: Trennung. Auch wenn dadurch die vielfach angemahnte Kontinuität fürs erste wieder über den Haufen geworfen wäre.

Aber Kontinuität kann sich in halt zwei Richtungen ausdehnen: nach oben und nach unten. Hecking eine zweite Chance zu geben, hieße dementsprechend auch - sollte es erneut nicht funktionieren - ein weiteres Jahr zu verschenken. Und die angepeilte Rückkehr in Liga 1 wird mit zunehmender Verweildauer im Unterhaus natürlich auch nicht leichter.

Schon in diesem Transfersommer wird man gespannt sein dürfen, wie der HSV mit erneut weniger Mitteln als im Vorjahr es schaffen will, einen wettbewerbsfähigen Kader auf die Beine zu bringen. Und die finanziellen Folgen der Corona-Pandemie habe ich in diesem Zusammenhang noch nicht mal im Blick.

Ansprüche runterschrauben - und einfach mal auf Sicht fahren

Vielleicht liegt die Krux in dem Begriff "wettbewerbsfähig". Besser gesagt: in der Definition, die der Klub diesem Konzept gibt. Vielleicht wäre es in diesem Sommer tatsächlich der Moment zu sagen: wir reden nicht mehr vom Aufstieg, sondern davon, in der nächsten Saison eine hungrige, willige Mannschaft zusammenzustellen, die vor allem erstmal wieder über einen längeren Zeitraum hinweg Fußball spielt und sich die Liebe der Fans zurückholt.

Denn mit Fußball hat das, was das der HSV in den letzten vier, fünf Spielen dargeboten hat, eher weniger zu tun. Da es mit dem Rucksack des unbedingt Aufsteigen-Müssens offenbar nicht klappt (das zweite Jahr in Folge!), sollte man den Rucksack vielleicht ablegen. Die Fans könnte man sicherlich ins Boot holen, wenn man es ihnen entsprechend kommuniziert.

Wahrscheinlich wären sie auch eher bereit, diesen langfristigen Weg zu gehen (dann dauert es halt noch bis 2022 oder 23, ehe man wieder aufsteigt), als sich - wie jetzt - jedes Jahr ein Floh ins Ohr setzen zu lassen, um dann spätestens im Mai doch wieder enttäuscht zu werden.

Also, macht euch einfach mal ehrlich, ihr da im Volkspark. Benennt die Dinge beim Namen und sprecht auch ruhig mal die unbequemen Wahrheiten aus. Eine Saison ohne große Vorankündigungen, was alles erreicht werden soll, würde nicht nur der Mannschaft, wie immer sie auch zusammengestellt sein mag, sondern auch dem Klub und seinem ganzen immer etwas fiebrigen Umfeld gut tun.

Stellt meinetwegen einen Dreijahresplan auf und sagt: bis 2023 wollen wir wieder ins Oberhaus - und zwar in einem Zustand, der uns auch dort Perspektiven auf einen Verbleib bietet. Denn zur Fahrstuhlmannschaft will man ja auch nicht verkommen.

Steffen Baumgart könnte eine Alternative sein

Ein Name schwebt mir dabei auch schon vor: Steffen Baumgart. Der ist bekennender HSV-Fan und hat beim SC Paderborn genau das getan. Im Schatten der großen Schlagzeilen hat Baumgart Stück für Stück an seinem Projekt gebastelt, bis der zweite Aufstieg in der Vereinsgeschichte perfekt war.

Und auch wenn der SCP in der kommenden Saison wieder eine Etage tiefer aufschlägt, hat diese Mannschaft einen eigenen Stil, eine Spiel-Philosophie entwickelt. Kann jemand beim HSV momentan einen Stil oder gar Philosophie erkennen? Um diesen Zustand endlich auch wieder beim HSV zu erreichen, wäre es mir von daher weitaus lieber, ab jetzt noch ein paar Jahre zu warten, als jedes Jahr durch falsche Hoffnungen verarscht zu werden.