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Borussia Mönchengladbach

Gladbachs Kult-Keeper Stiel über Eberl: "Bei Max steht immer der Mensch im Mittelpunkt!"

Christian Gaul
Jorg Stiel ist Kepper der Gladbacher 2000er-Elf
Jorg Stiel ist Kepper der Gladbacher 2000er-Elf / Stuart Franklin/Getty Images
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Nur drei Jahre verdingte sich der Schweizer Torwart Jörg Stiel seinerzeit bei der Borussia, doch machte sich der unkonventionelle Keeper unvergessen bei den Anhängern. Im Interview mit fohlen-hautnah dachte der 53-Jährige gerne an seine Ehe mit den Gladbachern zurück und verriet, welchen Respekt er für Max Eberl besitzt.

Von 2001 bis zu seinem Karriere-Ende 2004 hütete Stiel das Gladbacher Gehäuse und war damals der erste Schweizer, der die Fohlen als Kapitän auf das Feld führte. "Natürlich war das eine Ehre für mich. Wenn ich schaue, wer zuvor alles die Kapitänsbinde getragen hat. In dieser Reihe einer davon gewesen zu sein, erfüllt mich mit Stolz", genoss Stiel die Erinnerung. Generell ist er immer noch sicher, dass sein Abstecher nach Gladbach die absolut richtige Entscheidung war, auch wegen der starken Bindung zu den Anhängern, die ihn kürzlich in die 2000er-Elf wählten.

"Ich glaube so wie Yann Sommer, habe ich auch reingepasst. Das hatte mit meinen Mitspielern zu tun, die ich hatte. Neben Max Eberl, Steffen Korell, Peter Nielsen, Arie van Lent – es gab sehr viele Jungs, mit denen ich mich sehr schnell gut verstanden habe. Ich denke, das haben die Fans sehr schnell registriert und weil sie meine vielleicht manchmal unkonventionelle Art, als Mensch und Torwart, geschätzt haben. Die Menschen haben mich so genommen, wie ich bin und das wollte ich ihnen zurückzugeben, indem ich versucht habe, ab und zu mal einen Ball zu halten", scherzte der für seine lockere Art bekannte und geschätzte Torhüter.

Besonders mit Max Eberl entwickelte sich eine innige und immer noch andauernde Freundschaft; kein Wunder also, dass Stiel eine hohe Meinung vom Gladbacher Manager hat.

Eberl gehört zu den Besten seines Fachs - Stiel als Globetrotter

Nachdem Stiel sich beim FC Basel, Xamax Neuchatel und der Schweizer U20-Nationalmannschaft einen reichhaltigen Erfahrungsschatz als Torwarttrainer aneignete, sucht er momentan eine neue Herausforderung.

"Es bestehen verschiedene Kontakte. Darunter sind eine Nationalmannschaft und zwei Klubs aus dem Ausland. Mexiko, Chile, die Staaten oder auch Thailand würden mich reizen. Konkretes gibt es da aber noch nicht. Eine weitere reizvolle Aufgabe wäre auch die Arbeit des Sportdirektors. Den Besten kenne ich ja", spricht Stiel seinen Kumpel Eberl an. "Von ihm kann ich viel lernen. Ich bin sehr gespannt, was die Zukunft bringt und wohin es mich verschlägt. Es geht immer um das Projekt, das spannend sein muss und bei dem ich mich weiterentwickeln kann." Allerdings sei die Suche aufgrund der Pandemie schwierig, zudem säßen Torwarttrainer in der Regel sehr fest im Amt.

Max Eberl wird von Jörg Stiel stark respektiert
Max Eberl wird von Jörg Stiel stark respektiert / PATRIK STOLLARZ/Getty Images

Der Gladbacher Aufschwung der letzten Jahre ist für Stiel klar an die Arbeit von Max Eberl geknüpft. "Die Arbeit, die Max, sein Team und der gesamte Vorstand und Verein in den letzten zehn Jahren bei der Borussia gemacht haben, ist herausragend. So stelle ich mir professionellen Fußball vor und so geht Kontinuität. Bei Max steht immer der Mensch im Mittelpunkt. Das spüren die Spieler und bringt den Verein in ein gutes Licht und zeigt sich schlussendlich auch in den Transfers, die Max tätigen kann, weil er eben Spieler davon überzeugen kann, die vielleicht anderswo mehr verdienen würden, sich in Gladbach aber gut weiterentwickeln können. Diesen Weg hat er in den letzten zehn Jahren konsequent verfolgt. Er hat großen Fußballsachverstand, ist sehr intelligent und ist Dir im Gespräch immer zwei Gedanken voraus. So ist er das Gesicht eines Vereins geworden, der in einer authentischen, sympathischen Art und Weise erfolgreichen Fußball spielt", plauderte Stiel aus dem Nähkästchen.

Dass die Borussia derzeit in der Liga ein wenig der Musik hinterherläuft, ist für den Schweizer jedoch eine erklärbare Momentaufnahme. "Ich glaube, durch den hohen Rhythmus ergibt sich in der Konstanz der Leistungen ein bisschen ein verzerrtes Bild. Zuhause wurden sehr viele Spiele unentschieden gestaltet, die vielleicht in der vergangenen Saison eher mal gewonnen wurden. In der Tabelle liegt man so vielleicht zwei Plätze zu weit hinten, weil man zuhause nicht mit der letzten Konsequenz den Match-Plan durchziehen konnte. Aber mit dem Achtelfinaleinzug in der Champions League und dem momentanen Tabellenplatz haben sie bis jetzt eine sehr gute Runde gespielt." Für die kommenden Wochen werde sich die Situation weiter verbessern, glaubt Stiel.

"Es wäre natürlich eine schöne Geschichte, wenn man sich gegen Manchester City für die nächste Runde qualifizieren würde. Dann geht es in der Liga darum, die Unentschieden in Siege umzuwandeln, vor allem zuhause. Und wenn man sich dann am Ende wieder für die Champions League qualifizieren kann, ist es ein perfektes Jahr. Das traue ich der Mannschaft zu." Doch am Freitag wartet der FC Bayern auf die Fohlen - für Stiel ein Leckerbissen.

"Die Bayern sind vor Gladbach mittlerweile gewarnt. Mit Sicherheit werden sie dieses Spiel anders angehen, als das noch gegen Mainz der Fall war. Auch wenn das niemand so sagen würde. Es kann ein Vorteil sein, dass die Borussia, nicht wie gegen Bielefeld, das Spiel alleine machen muss, sondern auch auf Konter spielen kann. Allerdings ist es für mich wichtig, einen sehr aktiven Fußball gegen den Ball zu spielen", rät er der Borussia.

Als "neutraler" Beobachter kann er das Duell kaum abwarten: "Ich freue mich jetzt schon auf ein nächstes Highlight diese Woche!"

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