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Borussia Mönchengladbach

Luca Netz wieder fit: Warum die Borussia einen Super-Deal gelandet hat

Christian Gaul
Luca Netz kann schon wieder eingreifen
Luca Netz kann schon wieder eingreifen / Frederic Scheidemann/Getty Images
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Beim 3:1 gegen Bielefeld musste Luca Netz nach guter Leistung verletzt ausgewechselt werden. Doch der Youngster ist wieder fit und wird die Borussia in Zukunft begeistern.


Ausgerechnet beim 0:4-Debakel in Leverkusen gab Luca Netz sein Debüt für die Borussia, nachdem er im Sommer für rund vier Millionen Euro von Hertha BSC verpflichtet und bis 2026 an den Verein gebunden wurde.

Der Transfer ging nicht ohne Störgeräusche über die die Bühne, da Herthas neuer starker Mann Fredi Bobic dem Talent in gewisser Weise "Geldgeilheit" vorwarf und dafür von Gladbachs Sportdirektor Max Eberl leicht korrigiert wurde.

Doch der Berliner Unmut kam nicht überraschend. Ebenso muss kein Gladbacher Fan verwundert sein, dass der junge Linksaußen gegen Bielefeld eine überzeugende Vorstellung ablieferte. Denn Netz ist auf seiner Position vermutlich das größte deutsche Talent seit vielen Jahren.

Netz bekommt "immer noch Gänsehaut" - Wechsel zur Borussia ein Glücksfall für alle

Der Rand-Berliner Luca Netz machte seine ersten Schritte beim FSV Bernau, bevor er im Alter von sieben Jahren in die Jugend von Hertha BSC aufgenommen wurde. Dort durchlief er alle Jahrgänge und feierte im Januar 2021 sein Profi-Debüt in der Bundesliga, nachdem er im Sommer 2020 die Fritz-Walter-Medaille in Bronze in der Kategorie "U17" verliehen bekam (Silber ging an Bayerns Torben Rhein, Gold bekam Florian Wirtz).

Zehn weitere Spiele - ohne Zuschauer - für die Hertha folgten, bevor sich die Borussia die Dienste des mittlerweile 18-Jährigen sichern konnte. Beim 0:4 in Leverkusen kam Netz für die letzte halbe Stunde in die Partie, doch so richtig startete sein "Abenteuer Borussia", als er beim jüngsten 3:1 gegen Bielefeld in der Startelf stand.

"Ich freue mich riesig hier zu sein. Die Jungs haben mich super aufgenommen. Das Spiel gegen Bielefeld war auch mein erstes Bundesligaspiel vor Fans. Und ich habe sofort wieder Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie bei der Aufstellung alle meinen Namen gerufen haben. Die Fans sind top. Und es war insgesamt definitiv die richtige Entscheidung, zu Borussia zu kommen", ließ Netz gegenüber borussia.de wissen.

Dass er nach einer starken Leistung, inklusive der Einleitung des ersten Gladbacher Treffers, nach rund einer Stunde wegen eines Krampfes den Platz verlassen musste, ist mittlerweile abgehakt.

"Es war ein Riesenkrampf. Ich denke, ich war es nicht mehr richtig gewohnt, von Anfang an zu spielen. Ich hatte zuvor lange nicht mehr in der Startelf gestanden und gerade erst einen Magen-Darm-Virus überstanden. Aber jetzt ist wieder alles gut", versicherte der Youngster.

Ramy Bensebaini
Ramy Bensebaini bekommt Rückendeckung von seinem Konkurrenten / Christof Koepsel/Getty Images

Trotz seiner starken Anlagen profitiert Netz derzeit auch von der Verletzung des eigentlich auf der linken Bahn gesetzten Ramy Bensebaini. Doch stellt dies für den Neuzugang kein Problem dar.

"Ramy Bensebaini ist ein super Spieler. Wenn er wieder fit ist und dann spielt, werde ich ihn auch so gut es geht unterstützen. Trotzdem hoffe ich natürlich auch, dass ich weitere Einsätze bekomme. Und wenn ich spiele, gebe ich immer mein Bestes", gab sich Netz bescheiden.

Grundsätzlich könnten aber auch beide eine Rolle in der Startelf übernehmen, wenn Trainer Adi Hütter weiterhin an der Dreierkette festhält. Bensebaini würde dann als linker Innenverteidiger auflaufen und Netz den offensiven Außenverteidiger mimen.

"Wenn mit einer Dreierkette gespielt wird, kann ich auf der linken Seite noch mehr in die Offensive gehen. Das finde ich toll. Ich gehe sehr gerne mit nach vorne", befürwortete auch Netz dieses System. Immerhin sind seine Vorbilder weniger defensiv eingestellt.

"Ich schaue mir nicht nur Videos von Linksverteidigern an, eher von Spielern wie Mbappé, Rashford, Neymar, Ronaldo oder Messi", ließ Netz erkennen, woran sich sein Spiel orientiert.

Zukunft in der DFB-Elf sicherlich denkbar - Duell mit Raum wahrscheinlich

Grundsätzlich muss man weit in der Geschichte kramen, um einen ähnlichen deutschen Spieler wie Luca Netz zu finden. Im DFB-Team wurden in der jüngeren Vergangenheit immer wieder positionsfremde Profis oder Rechtsfüßer auf der linken Bahn eingesetzt.

Linksfüßer wie Marcel Halstenberg, Marcel Schmelzer oder Marvin Plattenhardt wussten nicht dauerhaft zu überzeugen, selbst Rechtsfuß Philipp Lahm musste eher notgedrungen diese Position revolutionieren - von Emre Can, Shkodran Mustafi oder Benjamin Henrichs ganz zu schweigen.

Sucht man einen echten Vergleich zu Netz, dann landet man bei Spielern wie Jörg Böhme, der ähnliche Einflüsse des Straßenfußballs erkennen ließ, oder Marcell Jansen, der seine Position gleichermaßen offensiv interpretierte.

Jorg Bohme
Jörg Böhme machte immerhin zehn Länderspiele / Clive Mason/Getty Images

Beide ehemalige Nationalspieler haben zudem eine - mehr oder weniger - erfolgreiche Zeit bei der Borussia erlebt. Ziemlich wahrscheinlich ist, dass Luca Netz sich in den kommenden Jahren ein heißes Duell mit dem Neu-Hoffenheimer David Raum um die linke Seite im DFB-Team liefern wird - als möglicher Nachfolger von Robin Gosens.

Vorteil Netz: Er ist satte fünf Jahre jünger als sein Konkurrent.

"Die positionsspezifischen Automatismen bekommt man im Training und mittlerweile weiß man zum Teil auch schon, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat. Trotzdem ist bei mir natürlich auch noch viel Luft nach oben. Und natürlich kann ich auch sehr viel von meinen Teamkollegen lernen. Die haben zum Teil auch schon sehr viel Erfahrung", konzentriert sich Netz jedoch zunächst auf seine Entwicklung bei der Borussia.


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