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Florian Neuhaus

Neuhaus im Loch: Nur regelmäßige Einsätze und Vertrauen helfen jetzt weiter

Christian Gaul
Florian Neuhaus muss sich aus dem Tief arbeiten
Florian Neuhaus muss sich aus dem Tief arbeiten / Maja Hitij/Getty Images
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Florian Neuhaus trabt derzeit seiner Bestform bei der Borussia hinterher. Ein Verbannen auf die Bank wäre jedoch das falsche Signal.


Gegen Arminia Bielefeld gelang der Borussia zuletzt der wichtige erste Sieg dieser Bundesliga-Saison. Neben den vielen erfreulichen Begleiterscheinungen dieser Partie gab es jedoch auch einen klaren Leistungsstillstand von Florian Neuhaus zu beobachten. Der 24-Jährige zeigte sich erneut als Unsicherheitsfaktor in der Gladbacher Zentrale und ließ zudem nur selten seine Stärken in der Spieleröffnung und als Dirigent aufblitzen.

Das zwischenzeitliche 1:1 leitete Neuhaus dann auch "folgerichtig" mit einem Fehlpass ein. Nach etwas mehr als einer Stunde hatte Trainer Adi Hütter genug gesehen und brachte mit Lászlo Bénes einen Spieler, der mitverantwortlich für die kurz darauf erzielten Tore und letztlich den wichtigen Heimsieg war.

Im engen Rennen um die Plätze in der Zentrale konnte Neuhaus auch gegen Bielefeld keine Eigenwerbung betreiben. Doch Hütter würde ein fatales Signal senden, wenn er Neuhaus nun das Vertrauen entziehen sollte.

Neuhaus mit "Karriere-Knick" - die Borussia muss Vertrauen an den Tag legen

Klar ist, dass die besten und formstärksten Spieler einen Platz in der Startelf verdient haben. Während Neuhaus seit einiger Zeit nicht unbedingt zu den formstärksten Gladbachern gehört, ist er dennoch weiterhin einer der besten.

Neben dem langsam wieder zur alten Über-Form findenden Denis Zakaria muss Neuhaus seine Rolle in der Zentrale im Normalfall gegen den ebenfalls derzeit schwächelnden Christoph Kramer und Neuzugang Manu Koné behaupten.

Deutlich ersichtlich ist jedoch, dass Neuhaus momentan auf dem Platz sehr viel mit sich selbst beschäftigt ist. Dabei spielen sicherlich auch die Gedanken um seine Zukunft eine Rolle, ein Wechsel in diesem Sommer wurde nicht realisiert - ein Abgang im kommenden Jahr scheint bereits beschlossen.

Allerdings stellt diese Ablenkung eher nicht den Hauptgrund für die derzeitige Schwächephase des Nationalspielers dar. Vielmehr muss man nur die vergangenen Monate in der Karriere des jungen Mannes rekapitulieren.

Florian Neuhaus
Florian Neuhaus im DFB-Trikot / Alexander Hassenstein/Getty Images

Erst im Oktober vergangenen Jahres feierte Neuhaus endlich sein von vielen Seiten schon lange vorher gefordertes Debüt in der DFB-Elf. Beim 3:3 gegen die Türkei gelang ihm dabei gleich sein erster Treffer für die Nationalmannschaft. Es folgten fünf weitere Einsätze unter Ex-Bundestrainer Jogi Löw, in denen Neuhaus regelmäßig überzeugen konnte und damit folgerichtig für die EURO 2020 nominiert wurde.

Allerdings machte Neuhaus sein letztes Länderspiel kurz vor der EM. Beim Großturnier wurde ebenso wenig eingesetzt, wie auch danach in den Partien unter dem neuen starken Mann Hansi Flick. Keine einzige Minute stand Neuhaus in den letzten acht Spielen der DFB-Elf auf dem Feld.

So etwas muss der wenige Wochen zuvor noch in den Himmel gelobte Neuhaus erst einmal sacken lassen.

Unabhängig von spekulativen Fitness-Problemen oder sonstigen nicht einsehbaren Einflüssen hilft dem 24-Jährigen derzeit nur Vertrauen. Dabei ist nicht nur sein Glaube an die eigene Stärke gemeint. Vielmehr wird der bislang menschlich ein gutes Gespür beweisende Hütter seinem Spieler das Vertrauen nicht entziehen wollen.

Denn wird Neuhaus nun auch noch bei der Borussia temporär ins zweite Glied verbannt, könnte das weitaus langwierigere Negativ-Auswirkungen auf dessen Leistungen haben, als die momentane Formkrise.

Nicht zuletzt sind aber auch die Anhänger der Borussia gefordert, Neuhaus zu unterstützen. Dass der Mittelfeld-Dirigent die nötige Klasse mitbringt, das Gladbacher Spiel auf eine andere Stufe zu befördern, hat er in seiner Zeit als Fohlen zur Genüge bewiesen.

Die Fans sollten nun nicht den Fehler machen, Neuhaus' derzeitige Blockaden mit Pfiffen oder Raunen zu bekräftigen. Vielmehr muss dem Jungen klargemacht werden, dass ihm schlechtere Auftritte verziehen werden können und man gemeinsam an einer ansteigenden Form interessiert ist. Dann werden alle Borussen davon profitieren.

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