La Liga

Der lange Weg des Gerard Moreno

Guido Müller
Alex Caparros/Getty Images
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Bei manchen Spielern ist es wie beim Wein - erst im reiferen Alter entwickeln sie ihre volle Pracht. Das kann man auch von Gerard Moreno (29) behaupten, der im Spätsommer seiner Karriere nun die Früchte seiner jahrelangen Arbeit erntet. Heute kann der spanische EM-Fahrer seinen ersten internationalen Titel gewinnen.


Und damit hat er etwas mit seinem aktuellen Arbeitgeber gemein. Denn auch der FC Villarreal kann heute im Europa-League-Finale gegen Manchester United (21.00 Uhr) zum ersten Mal in seiner Vereinschronik europäische Silberware mit nach Hause nehmen.

Bis zur Schwelle des Halbfinales war el submarino amarillo, das Gelbe U-Boot, schon dreimal vorgedrungen: 2006 in der Königsklasse (wo man am FC Arsenal scheiterte), 2011 und 2016 jeweils in der Europa League, wo erst der FC Porto und fünf Jahre später der FC Liverpool zu stark für die Spanier waren.

Umweg über die Stationen Mallorca und Barcelona

Zum Zeitpunkt des Semifinal-Ausscheidens gegen die Reds war Gerard Moreno gerade seit einem Jahr bei Espanyol Barcelona aktiv. Dorthin war der Stürmer, der 2010 in Villarreals Nachwuchsteam gekommen war, regelrecht geflohen, weil er bei den Profis kaum zu Einsätzen kam.

Nicht zum ersten Mal übrigens: denn schon im Sommer 2013 ließ er sich angesichts zu erwartender geringer Einsatzzeiten ob der starken Konkurrenz (Giovani dos Santos, Jonathan, Uche) zum Liga-Rivalen aus Mallorca verleihen.

Doch Villarreals Präsident hatte wohl das richtige Bauchgefühl - denn er verkaufte dem Liga-Rivalen aus Barcelona im Sommer 2015 lediglich 50 Prozent der Transferrechte an dem Angreifer. In einem neuen Umfeld sollte sich Moreno beweisen - und für höhere Aufgaben empfehlen.

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Bei Espanyol fand Moreno das Vertrauen der Verantwortlichen - und zahlte mit Toren zurück! / JOSEP LAGO/Getty Images

Und der Plan ging auf: in 118 Pflichtspielen für die pericos gelangen Moreno starke 39 Tore. Nicht zuletzt auch dank des Vertrauens, das ihm in der Mittelmeer-Metropole entgegengebracht wurde. "Ab dann", erinnert sich Moreno (via kicker), "haben mir meine Trainer immer mehr Freiheiten erlaubt."

Und nach drei Jahren voller Freiheiten war auch für Villarreal im Sommer 2018 der Moment gekommen, den "verlorenen Sohn" zurückzuholen. 20 Millionen Euro ließ sich der Klub diese Operation kosten. Mehr gaben die Levantiner bisher nur für den früheren Dortmunder Paco Alcácer aus

Durchbruch in der Saison 2019/20 - und Länderspieldebüt!

Eine lohnende Investition: nach einer durchwachsenen ersten Spielzeit (2018/19) sollte der Knoten bei Moreno im Folgejahr endlich platzen: 20 Tore in 37 Pflichtspielen öffneten dem Angreifer sogar die Tore zur spanischen Nationalmannschaft, für die er im Oktober 2019 sein Debüt gab.

Seitdem stehen zehn Spiele für la roja (mit fünf Toren) für ihn zu Buche - und heuer die Nominierung für den EM-Kader Spaniens für die anstehende Europameisterschaft, bei der er sich berechtigte Hoffnungen auf einen Platz in der ersten Elf machen kann.

Gerard Moreno
In 10 Länderspielen traf Moreno bereits fünfmal / Soccrates Images/Getty Images

Doch von dem großen paneuropäischen Turnier will Moreno noch gar nicht anfangen zu träumen. Denn heute steht in Danzig erstmal das Europa-League-Finale gegen Manchester United an.

Und in diesem wollen Moreno und sein Team endlich den großen Wurf schaffen - und ein ganzes Dorf, wie man sich in Villarreal (50.000 Einwohner) selbstironisch bezeichnet, glücklich machen. Es wäre der vorläufige Höhepunkt auf dem langen Karriereweg des Gerard Moreno.

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