90min
FanVoice

Fußball ohne Kopfbälle? Dann lieber: Helme für Alle!

Guido Müller
Ein Kopfballduell, wie es pro Spiel zigmal vorkommt
Ein Kopfballduell, wie es pro Spiel zigmal vorkommt / Alex Davidson/Getty Images
facebooktwitterreddit

Seit geraumer Zeit steht der Fußballsport unter Beobachtung. Und damit meine ich nicht die jüngsten Auswüchse in Form von Großmachtsträumen einiger Klubs, die sich den Kuchen am liebsten unter sich, im geschlossenen Kreis, aufteilen würden. Nein - es geht um die Mediziner.


Denn die betrachten diesen Sport natürlich nochmal aus einem ganz anderen Winkel. Angesichts der sich in den letzten Jahren häufenden Kopfverletzungen von Spielern, mahnen Ärzte bereits seit längerer Zeit und weisen auf die potentiell lebensgefährlichen Risiken hin, die dieser so faszinierende Sport in sich birgt.

Und es geht dabei nicht nur um die besonders spektakulären Fälle von mit den Köpfen aufeinanderprallenden Spielern oder den immer mehr verbreiteten abgewinkelten Ellenbogen im Luftkampf.

Dramatisch erhöhtes Demenz-Risiko im Alter

Nein - schon das regelmäßige Kopfballspiel könne, einer Studie der Universität von Glasgow zufolge, langfristig verheerende Wirkungen auf die körperliche Unversehrtheit der Spieler haben.

Demnach steige das Risiko für Abwehrspieler, im späteren Alter an Demenz zu erkranken, um das Fünffache (!). Bei den übrigen Feldspielern sei es immer noch viermal höher als bei der Restbevölkerung. Nur Torhüter liegen in etwa gleich auf mit Leuten, die keinen vergleichbaren Sport betreiben.

Folglich fordern die Ärzte: entweder ein Verbot des Kopfballspiels - oder Schutzvorrichtungen für die Spieler (wie Helme).

Großbritannien als Vorreiter

Im britischen Kinder- und Jugendfußball sind auch schon erste Schritte eingeleitet worden. So müssen in diesem Altersbereich Kopfbälle so weit wie möglich aus den täglichen Trainingsabläufen verbannt werden.

Im Profi-Bereich sollen sie im normalen Trainingsbetrieb auch nur eingeschränkt zur Anwendung kommen.

Doch ist ein Fußball ohne Kopfbälle überhaupt denkbar? Mal abgesehen davon, dass mich mein bisheriges Leben gelehrt hat, nichts für unmöglich zu halten - es wäre nicht mehr derselbe Sport.

In meiner Erinnerung nehmen per Kopf erzielte Tore einen prominenten Rang in meinem Dasein als Fußball-Begeisterter ein. Seelers Hinterkopf-Treffer gegen England bei der WM in Mexiko 1970 (als TV-Konserve gesehen!) oder Dieter Hoeneß' Turban-Drama 1982 im DFB-Pokalfinale gegen den Club sind da die ersten Beispiele, die mir einfallen.

Bei etwas längerem Nachdenken käme ich wohl auf eine Hundertschaft von spektakulären Kopfbällen. Horst Hrubesch, das Kopfballungeheuer, hab ich ja noch gar nicht genannt...

Tatsächlich vermag ich mir nicht vorzustellen, wie ein Fußball-Spiel mit Kopfball-Verbot aussehen würde. Ok, bei generellem Verbot müssten sich alle Teams entsprechend einstellen. Flanken vors Tor würde es dann wohl nur noch eingeschränkt geben.

Und lange Bälle wohl auch. Aber dem Spiel würde irgendwie etwas Essenzielles fehlen. Da ich aber auch nicht in den Verdacht geraten will, leichtfertig über möglicherweise schwerwiegende Folgeerscheinungen zu urteilen, bietet sich wohl nur ein einziger Ausweg an: alle Spieler (Torwart inklusive, siehe Petr Cech) mit Helmen oder ähnlichem auszustatten.

Petr Cech
Spielen künftig alle Spieler mit Kopfschutz (wie Petr Cech)? / Justin Setterfield/Getty Images

Sieht dann zwar irgendwie ein bisschen komisch aus (wie Eishockey auf Rasen!), wäre aber wohl die logischste Vorgehensweise.

Man könnte natürlich auch, in guter Verbandstradition, versuchen, das Problem einfach nur auszusitzen. Doch dagegen spricht a) die moralische Verantwortung, der sich die Funktionäre bei FIFA, UEFA und Co, als Regelmacher und Verwalter, stellen müssen, und b) die immer lauter werdenden Stimmen der Ärzte, weltweit und nicht nur in Glasgow.

facebooktwitterreddit