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Fußball kann so eklig sein: Fan-Eklat in Darmstadt und Rostock

Marc Knieper
Gute Stimmung in Darmstadt, getrübt durch stillose Beleidigungen gegen Markus Anfang
Gute Stimmung in Darmstadt, getrübt durch stillose Beleidigungen gegen Markus Anfang / Alex Grimm/GettyImages
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Zwei Fanlager haben es am vergangenen Zweitliga-Wochenende rücksichtslos auf die Spitze getrieben. Während in Darmstadt der einstige Trainer verbal zu Boden gestampft wurde, freuten sich einige wenige Chaoten in Rostock über den Tod eines Menschen - weil dieser Polizist war.


Klar, Fußball ist nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Ein wenig Häme gehört dazu. Der Gegner wird geärgert - sowohl auf dem Spielfeld als auch auf den Rängen. Auch Schimpfwörter fallen, sind dabei aber in aller Regel inhalts- und gehaltlos.

Als die Darmstädter Fans beim Stand von 3:0 mit "Siehst du Anfang, so wird das gemacht" das Böllenfalltor ertönten, war die Welt noch in Ordnung. Die Mannschaft des Ex-Trainers sang- und klanglos mit 3:0 nach Hause schicken, dabei ein paar ärgernde Worte in Richtung Markus Anfang schicken: kein Problem und aushaltbar. Weitere Gesänge gegen Ende rutschten schließlich weit unter die Gürtellinie.

"Wenn ich es persönlich nehmen würde, wäre es nur eine Belastung für mich."

Markus Anfang auf der Pressekonferenz

Das allseits bekannte Problem auf den Rängen zeigte sich von seiner bittersten Seite. Empathielos stampften die Lilien-Fans ihren einstigen Cheftrainer verbal zu Boden. Der wiederum gab sich anschließend medial gelassen, wirkte kurz nach dem Abpfiff nichtsdestotrotz sichtlich mitgenommen. Bevor er seine Mannschaft zum obligatorischen Kreis bat, schien er mit den Tränen zu kämpfen. Kein Wunder, bei den heftigen Beleidigungen der Darmstädter Fans.

++ Harte Beleidigungen gegen Anfang ++ Lieberknecht (Darmstadts Coach) beschwerte sich nach dem Spiel: "Es gibt Dinge, die dazugehören, aber ein paar Dinge haben mir nicht gefallen." #werder

Posted by WIR sind 100% Werder Bremen on Sunday, October 17, 2021

"Natürlich habe ich das während des Spiels auch mitbekommen. Es waren Äußerungen dabei, die Markus einfach nicht verdient hat, weil über allem stehen sollte, dass er in Darmstadt als Trainer extrem gute Arbeit geleistet hat", verteidigte 98-Coach Torsten Lieberknecht seinen Vorgänger auf der anschließenden Pressekonferenz. Die satte Klatsche in Darmstadt bringt das Fass der Bremer langsam, aber sicher zum Überlaufen - sportlich und menschlich ein Tag zum Vergessen.

F.C. Hansa Rostock verurteilt Banner auf der Südtribüne

Einige wenige Rostocker zeigten während des Heimspiels gegen Sandhausen ein Banner mit der Aufschrift "Einer weniger, ACAB!", welches aller Voraussicht nach den Tod eines jungen Polizeibeamten aus Hamburg adressiert. Der 24-Jährige war laut Hamburger Polizei nach einer Übung im Rahmen seiner Basisausbildung in Mecklenburg-Vorpommern ums Leben gekommen.

"Der F.C. Hansa Rostock distanziert sich von diesem beschämenden Banner und verurteilt diese Pietätlosigkeit aufs Schärfste."

Hansa Rostock auf der Vereins-Website

Der Aufsteiger entschuldigte sich via Pressemeldung auf der vereinseigenen Website für das Banner und distanzierte sich von der Aktion. Zudem habe man noch während des Spiels den Innenminister des Landes, die Einsatzleitung der Polizei und den Leiter der Polizeiinspektion Rostock kontaktiert und sein Entsetzen und Bedauern über "diese moralisch in keiner Weise vertretbare Aktion" mitgeteilt.

Den Tod eines Menschen zu feiern, könnte geschmack- und stilloser nicht sein. Auch hier fehlt es den involvierten Personen an Empathie. Trotz der Magie, die die Fans nach der langwierigen Corona-Pause wieder in die Stadien zaubern, zeigt sich eines: Fußball kann so eklig sein...

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