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Für den Fall, dass.... - Real Madrid fühlte bei Pochettino vor

Dec 4, 2020, 1:42 PM GMT+1
Beerbt der eine den anderen, falls dieser geht? Pochettino und Zidane (hier bei einem Champions League-Spiel zwischen den Spurs und Real Madrid)
Beerbt der eine den anderen, falls dieser geht? Pochettino und Zidane (hier bei einem Champions League-Spiel zwischen den Spurs und Real Madrid) | Etsuo Hara/Getty Images
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Der kluge Mann beugt vor, sagte einst der deutsche Dichterfürst Friedrich Schiller. An der Wahrheit dieses Aphorismus hat sich bis heute nichts geändert. Und so denken sie wohl auch bei Real Madrid. Denn trotz der wiederholten Treuebekenntnisse zum Trainer ist und bleibt der Fußball auch in Madrid ein Ergebnissport. Und wenn die Resultate nicht mehr stimmen, muss über den Trainer zumindest nachgedacht werden. Eine der möglichen Optionen könnte Mauricio Pochettino sein.

Unmittelbar nach der enttäuschenden 0:2-Niederlage der Königlichen bei Schachtar Donezk war die Frage genauso vorhersehbar wie die darauf folgende Antwort. Ob er über einen Rücktritt nachdenke, wurde Zinédine Zidane gefragt. Und der verneinte vehement: "Ganz und gar nicht."

Zidane trägt Real Madrid tief in seinem Herzen. Groß geworden ist er zweifellos schon vorher. Zunächst bei Girondins Bordeaux, später bei der Alten Dame in Turin. Doch zum Weltgrößten, zur globalen Referenz für alle Nachwuchsspieler, die von der großen Karriere träumen, wurde der Mann aus Marseille erst in der spanischen Hauptstadt.

Die beiderseitige Hoffnung, dass die Mannschaft die Kurve kriegt

Und dies trägt Zidane mit Dankbarkeit in sich. Und mit Loyalität gegenüber dem Klub, der ihm diese Karriere ermöglichte. Von sich aus das Handtuch zu werfen und die Bergung des sinkenden Schiffes anderen zu überlassen, wäre schlichtweg nicht seine Art. Von daher konnte seine Reaktion auf die R-Frage nicht überraschen. Aber probieren kann man es ja mal.

Und auch sein Klub tut sich schwer damit, eine der größten Legenden der Vereinshistorie (und in diesem Klub hat es nicht wenige davon gegeben!) öffentlichkeitswirksam unter Druck oder gar an den Pranger zu stellen. Was sollten sie auch sagen, was der Welt- und Europameister von einst nicht schon längst wüsste?

Die Mechanismen des Profi-Geschäfts kennt schließlich auch Zizou. Zu der Gesamtgemengelage passt auch die Nachricht von einer internen Mannschaftsbesprechung (ohne den Trainer), in der die Platzhirsche Sergio Ramos und Luka Modric ihr Team auf den Franzosen eingeschworen haben sollen.

Auch Reals Verantwortliche müssen mit mehreren Szenarien planen

Nichtsdestotrotz fällt es jedoch auch in das Tätigkeitsfeld der Verantwortlichen an der Avenida de Concha Espina, sich mit bestimmten Szenarien auseinanderzusetzen. Nur für den Fall, dass... Was wäre denn, wenn der Klub am kommenden Mittwoch aus seinem Fetisch-Wettbewerb ausscheidet? Ausgerechnet das große Real nicht über die Gruppenphase der Champions League hinauskommt? Schändlich aus dem Cup fliegt, bevor der überhaupt richtig angefangen hat?

Einfach zur Tagesordnung überzugehen wäre dann nicht mehr möglich. Selbst fünf Liga-Siege bis zum Jahresende (und auch die wollen erst mal eingefahren werden) könnten das Aus in der Königsklasse nicht kompensieren. Und da auch bei Real der Trainer das schwächste Glied der Kette ist, muss man sich mit potentiellen Konstellationen beschäftigen. Ob man will oder nicht.

Pochettinos DNS als Anti-culé passt zu Real

In diesem Sinne ist die Meldung der katalanischen Sport zu interpretieren, wonach Real Mauricio Pochettino kontaktiert haben soll, um dessen Verfügbarkeit für den eventuellen Ernstfall zu eruieren. Pochettino ist ein alter Bekannter in den Planspielen der Madrilenen. Als überzeugter Anti-culé (spielte insgesamt acht Jahre, in zwei Etappen, für den Stadtrivalen Espanyol) passt er von der Ideologie her bestens in das Organigramm der Madrilenen. Selbst wenn er seine vor Jahren gesprochenen Worte ("Eher würde ich mich auf meinen Bauernhof zurückziehen, als Barça zu trainieren!") mittlerweile schon etwas relativiert hat.

Der Argentinier, der seit seinem Aus als Cheftrainer der Tottenham Hotspurs im November letzten Jahres vereinslos ist, würde die Herausforderung gerne annehmen. Auch wenn er weiß, dass die Fußstapfen, in die er treten würde, fast überlebensgroß sind. Doch noch bewegt sich ja auch alles nur im spekulativem Raum. Solange jedenfalls, wie die Tatsachen auf dem Platz keine neuen Fakten schaffen. Wie sagte Zinédine Zidane selbst vor gar nicht allzu langer Zeit: "Das ist Real Madrid, und hier zählen nur Siege." Auch für eine Legende wie ihn.

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