Füllkrug kritisiert deutsche Öffentlichkeit: "Erschreckende Missgunst"

Henry Einck
Niclas Füllkrug im Trikot des deutschen Nationalmannschaft.
Niclas Füllkrug im Trikot des deutschen Nationalmannschaft. / Stuart Franklin/GettyImages
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Niclas Füllkrug gehörte zu den großen Lichtblicken für die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2022 in Katar. Der Stürmer kam in allen Partien zum Einsatz, steuerte drei Torbeteiligungen bei. In einem langen Interview kritisierte Füllkrug den öffentlichen Umgang mit der DFB-Elf. Auch zu einem möglichen Abgang vom SV Werder Bremen äußerte er sich.


In einem langen Interview mit der Sport Bild hat Shootingstar Niclas Füllkrug die vergangenen Monate Revue passieren lassen. Der Werder-Stürmer sprach über die aktuelle Situation der DFB-Elf, kritisierte den öffentlichen Umgang mit der Mannschaft und sprach über die Voraussetzungen für einen möglichen Abschied vom SV Werder Bremen.

"Es ist schon erschreckend, wie viel Missgunst der Nationalmannschaft von der Öffentlichkeit in Deutschland entgegengebracht wurde - nach dem Japan-Spiel und später nach dem Vorrunden-Aus. Das finde ich extrem schade", sagte Füllkrug dem Magazin. Dieses Gefühl habe er schon als Zuschauer beim WM-Aus 2018 in Russland gehabt.

Menschen wünschen DFB-Elf "eher Misserfolg"

Es käme dem Torjäger so vor, als würden einige Menschen der Nationalmannschaft "eher Misserfolg statt Erfolg" gewünscht werden. Gründe für diesen Umgang ließen sich für Füllkrug nicht finden. "Ich kann nur eines sagen: Jeder Spieler auf dem Platz ist unfassbar stolz, das deutsche Trikot zu tragen", betonte der 29-Jährige.

Zudem sei die mediale Darstellung des Vorrundenaus bei der abgelaufenen WM nicht angebracht gewesen. "Ich finde, dass unser Ausscheiden schlechter dargstellt wird, als es war. Ich lese immer von riesiger Blamage. Natürlich war das Endergebnis nicht das, was sich eine deutsche Nation vorstellt. Ganz klar", ordnete der Bremer ein.

Dass die erste WM der Karriere so schnell endet, war für Füllkrug ein Schock: "Ich war die ersten drei, vier Tage noch fassungslos, fragte mich dauernd: Wie konnten wir das zulassen, dass das Turnier schon nach zwölf Tagen vorbei ist? Das schmerzt immer noch!" Kritik an den Trainingsbedingungen in Katar könne er nicht nachvollziehen. "Keiner von uns Spielern hat sich nur ansatzweise beschwert. Uns Spielern hat es an nichts gefehlt", so Füllkrug.

"Ich habe Ecken und Kanten"

Neben der Situation der Nationalmannschaft sprach die Sport Bild mit Füllkrug über den Hype um seine eigene Person. "Ich habe mich persänlicht nicht als Hoffnungsträger gesehen. Ich mag es auch nicht, dass oft gleich alles auf eine Person heruntergebrochen wird", sagte der gebürtige Hannoveraner. Der Grund für die positive Wahrnehmung bei deutschen Fans ist aus Sicht von Füllkrug aber nicht nur die Torausbeute: "Ich bin authentisch, habe eine klare Meinung - und ich habe Ecken und Kanten."

Füllkrug sieht sich selbst als emotionalen Typen. Es werde den Spielern in der Ausbildung und im weiteren Karriere-Verlauf seit Jahren gesagt, sie sollten nicht auffallen und keine Unruhe stiften. "Ich bin der Meinung, dass man im Fußball auffällig sein darf, dass Reibung besser ist, als sie nicht zu haben", machte Füllkrug klar. Dennoch dürfe man es nicht übertreiben.

"Gibt wichtigere Dinge als Geld"

Die Leistungen des Werder-Stürmers hatten Einfluss auf die Gerüchteküche. Einige Top-Clubs sollen Interesse zeigen - darunter der FC Bayern München. Ein Transfer wäre für den Bremer Club aus finanzieller Sicht lukrativ. Berater Gunter Neuhaus von der Agentur think forward hatte kürzlich aber verkündet, "keine vorschnellen Entscheidungen treffen" zu wollen.

"Grundsätzlich muss erst einmal Interesse und ein Angebot eines anderen Vereins vorliegen, für den es sich lohnt, sich damit auseinanderzusetzen. Denn Werder ist für mich kein 08/15-Klub", äußerte sich Füllkrug zu den Abgangsgerüchten. Dem Stürmer sei bewusst, dass die wirtschaftliche Situation des Vereins "nicht so gut" sei und sich die Verantwortlichen mit einem Verkauf "vielleicht auseinandersetzen" würden.

Einschränkend hielt Füllkrug fest: "Das Wichtigste ist für mich aber, glücklich im Leben zu sein. Das bin ich zurzeit. Es gibt wichtigere Dinge als Geld." Einen Verbleib beim Bundesliga-Aufsteiger hielt sich der Top-Torjäger damit offen.


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