Frauen-Bundesliga

Keine Tore zum Frauen-Bundesliga-Auftakt: Die Noten zu Frankfurt gegen Bayern

Daniel Holfelder
Die Eintracht und der FC Bayern lieferten sich ein enges Duell
Die Eintracht und der FC Bayern lieferten sich ein enges Duell / Alex Grimm/GettyImages
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Eintracht Frankfurt und der FC Bayern sind mit einem torlosen Remis in die neue Frauen-Bundesliga-Saison gestartet. In einer ausgeglichenen und umkämpften Partie taten sich beide Mannschaften schwer, das Spiel an sich zu reißen und zwingende Chancen zu kreieren. Bei den wenigen aussichtsreichen Gelegenheiten stellten die beiden Torhüterinnen Stina Johannes und Maria Luisa Grohs ihr Können unter Beweis und sorgten vor der Rekordkulisse von 23.200 Zuschauern für eine insgesamt gerechte Punkteteilung.


Die Highlights der Partie im Video


Die Eintracht-Noten im Überblick

Stina Johannes (TW) - Bewertung 8/10

Die Nachfolgerin von Nationaltorhüterin Merle Frohms wurde im ersten Durchgang kaum geprüft, war aber kurz nach der Pause mit einer herausragenden Parade zur Stelle, als Lina Magull völlig frei vor ihr auftauchte und die meisten Beobachter den Torschrei schon auf den Lippen hatten (48.Minute). In der 69. gegen Bühl erneut mit einer starken Reaktion, in der Nachspielzeit sicher bei einem Kopfball von Magull (90.+1). Ein absolut gelungenes Eintracht-Debüt für die 22-Jährige.

Sophia Kleinherne (RV) - 6/10

Die Nationalspielerin, die in der vergangenen Saison meist innen verteidigte, zeigte auf der rechten Außenverteidigerposition eine überzeugende Leistung. Hielt DFB-Kollegin Klara Bühl gut in Schach, hätte aber offensiv den ein oder anderen Impuls mehr setzen können.

Sara Doorsoun (IV) - 6/10

Die erfahrene Innenverteidigerin agierte defensiv sehr solide und leistete sich kaum Fehler. Eine Ausnahme bildete ein Ballverlust im eigenen Aufbauspiel (19.), der jedoch ohne Folgen blieb.

Sjoeke Nüsken (IV) - 7/10

Die etatmäßige Sechserin spielte etwas überraschend in der Abwehrzentrale, hinterließ dort aber einen sehr ansprechenden Eindruck. In der Defensivarbeit aufmerksam und konsequent, schaltete sich die 21-Jährige immer wieder mit gut getimten langen Bällen in den Spielaufbau ein. Ein beinahe folgenschwerer Fauxpas unterlief der Nationalspielerin dennoch, als sie kurz vor dem eigenen Strafraum den Ball an Lea Schüller verlor und so Magulls hundertprozentige Gelegenheit aufs 1:0 ermöglichte (48.). Nur Stina Johannes war es zu verdanken, dass die Eintracht in dieser Situation nicht in Rückstand geriet.

Verena Hanshaw (LV) - 7/10

Die Österreicherin beackerte die linke Außenbahn, agierte defensiv sehr konzentriert und sorgte nach vorne für mächtig Betrieb. Setzte sich in der 35. per Beinschuss herausragend gegen Giulia Gwinn durch, auch wenn sie mit der anschließenden Hereingabe keine Abnehmerin fand. In der Schlussphase musste die 28-Jährige ihrer enormen Laufarbeit Tribut zollen, als sie sich viel zu leicht von der eingewechselten Damnjanovic ausspielen ließ (86.). Zum Glück für die Eintracht konnte die Bayern-Angreiferin die aussichtsreiche Situation nicht zum späten Siegtreffer nutzen.

Tanja Pawollek (DM) - 7/10

Die Kapitänin war einer der entscheidenden Faktoren dafür, dass die Bayern den vom neuen Trainer Alexander Straus anvisierten Ballbesitzfußball nicht in die Tat umsetzen konnten. Taktisch sehr diszipliniert, machte Pawollek im Mittelfeldzentrum die Räume eng und ging keinem Zweikampf aus dem Weg. Im Aufbau ließ sich die polnische Nationalspielerin häufig zwischen die Innenverteidigerinnen fallen, setzte auf klare, einfache Pässe und vermied es, allzu sehr ins Risiko zu gehen.

Laura Feiersinger (ZM) - 5/10

Die 29-Jährige bewegte sich meisten zwischen zentralem und rechtem Mittelfeld und half dabei mit, die Reihen kompakt zu halten und den Bayern keine gefährlichen Räume anzubieten. Im eigenen Ballbesitz gelang es der Österreicherin jedoch nur selten, ihre Mitspielerinnen in Szene zu setzen oder selbst für Gefahr zu sorgen.

Barbara Dunst (LM) - 5/10

Barbara Dunst war wie gewöhnlich nicht als klassische linke Außenbahnspielerin, sondern im halblinken Mittelfeld unterwegs. Dort gefiel die gebürtige Grazerin wie der Rest des Teams durch disziplinierte Arbeit gegen den Ball. Ähnlich wie Feiersinger ließ es aber auch die schussgewaltige 24-Jährige an gelungenen Offensivaktionen vermissen.

Geraldine Reuteler (RM) - 7/10

Die junge Schweizerin zeigte die beste Leistung aller Frankfurter Offensivkräfte. Reuteler war enorm umtriebig, pendelte zwischen beiden Außenbahnen hin und her und tauchte immer wieder auch im Zentrum auf. In der 67. in der Rolle als mustergültige Vorlagengeberin für Lara Prasnikar, deren Schuss Bayern-Keeperin Maria Luisa Grohs entschärfen konnte. Zehn Minuten später selbst mit einem technisch anspruchsvollen Abschluss aus etwa 17 Metern, den Grohs erneut hervorragend parierte.

Laura Freigang (ST) - 5/10

Die beste Eintracht-Torschützin der Vorsaison (zwölf Treffer) zeigte sich bemüht, kam aber kaum zur Geltung. Trotz Problemen mit der Schulter - nach einem unglücklichen Sturz in der 38. Minute - spielte die 24-Jährige bis zur 73. weiter. Möglicherweise hätte Trainer Niko Arnautis seine ehrgeizige Angreiferin hier bremsen und früher vom Feld nehmen müssen.

Lara Prasnikar (ST) - 6/10

Die slowenische Nationalstürmerin machte viele Wege, tat sich aber ähnlich schwer wie alle Offensivakteurinnen auf dem Feld. Im Gegensatz zu Teamkollegin Freigang oder Bayerns Lea Schüller bot sich der 24-Jährigen dann aber doch eine aussichtsreiche Gelegenheit: Nach einem Fehlpass von Giulia Gwinn stand Prasnikar halblinks im Sechzehner vollkommen frei, wurde von Geraldine Reuteler hervorragend bedient, scheiterte aber an Bayern-Torfrau Maria Luisa Grohs.


Einwechslungen

Nicole Anyomi für Laura Freigang (73.) - Ohne Bewertung

Die Nationalspielerin blieb ohne zwingende Aktion.

Shekiera Martinez für Lara Prasnikar (83.)

Auch die junge Shekiera Martinez blieb in der kurzen Einsatzzeit ohne nennenswerte Aktion.


Die Bayern-Noten im Überblick

Maria Luisa Grohs (TW) - 8/10

Die 21-Jährige erhielt den Vorzug vor Janina Leitzig, die in der vergangenen Saison den Platz der noch immer verletzten Laura Benkarth eingenommen hatte. Grohs rechtfertigte ihre Aufstellung mit einer starken Leistung und behielt dank zweier toller Paraden gegen Lara Prasnikar (67.) und Geraldine Reuteler (77.) eine weiße Weste. Zur Wahrheit gehört indes auch, dass die gebürtige Münsteraner in der Strafraumbeherrschung nicht immer den sichersten Eindruck machte.

Tainara (IV) - 8/10

Die Neuverpflichtung aus Bordeaux hinterließ einen fabelhaften Eindruck. Tainara gefiel nicht nur durch enge und kompromisslose Zweikampfführung, auch im Aufbau übernahm die Brasilianerin eine tragende Rolle und stellte ihre spielerischen Fähigkeiten unter Beweis.

Glodis Viggosdottir (IV) - 6/10

Die Isländerin bot eine solide und weitgehend fehlerfreie Vorstellung. Als zentrale Verteidigerin in der von Alexander Straus neu eingeführten Dreierkette überzeugte die bayerische Nummer Vier vor allem durch ihr souveränes Kopfballspiel.

Saki Kumagai (IV) - 6/10

Die erfahrene Japanerin verrichtete ihre Defensivaufgaben ebenso unauffällig wie gewissenhaft. Den einzigen Makel bildete ihre schwache Kopfballabwehr in der 77. Minute, als sie den Ball direkt vor die Füße von Geraldine Reuteler klärte und der Eintracht eine tolle Gelegenheit auflegte.

Giulia Gwinn (RAV) - 4/10

Die laufstarke Außenverteidigerin erwischte keinen besonders guten Tag. Von Gwinns Offensivqualitäten, die im neuen 3-4-3-System noch besser zur Geltung kommen sollen als in der Viererkette der vergangenen Spielzeit, war gegen die Eintracht kaum etwas zu sehen. Stattdessen leistete sich die 23-Jährige viele kleine und zwei beinahe verhängnisvolle Fehler: Im ersten Durchgang ließ sie sich von Verena Hanshaw tunneln, die Frankfurterin brach auf links durch und hätte mit einer etwas präziseren Hereingabe für das 1:0 sorgen können (35.). Mitte der zweiten Halbzeit (67.) unterlief der Nationalspielerin ein schlimmer Fehlpass in der eigenen Hälfte, den Lara Prasnikar nur deshalb nicht zur Eintracht-Führung nutzen konnte, weil Maria Luisa Grohs hervorragend reagierte.

Carolin Simon (LAV) - 7/10

Unter Ex-Coach Jens Scheuer meist Ersatz, stand die 29-Jährige zum Auftakt der neuen Saison in der Startelf. Nach einer überzeugenden Leistung gibt es keinen Grund, daran etwas zu verändern. Simon erwies sich als ballsichere und technisch feine Linksverteidigerin, die abgesehen von vielen klugen Offensivaktionen defensiv nichts anbrennen ließ.

Sarah Zadrazil (ZM) - 6/10

Die Österreicherin gefiel als emsige Balleroberin, die allerdings in der zweiten Halbzeit etwas abbaute und sich gerade offensiv zu viele Ungenauigkeiten leistete.

Georgia Stanway (ZM) - 5/10

Die wohl spektakulärste Bundesliga-Verpflichtung dieses Sommers feierte kein gelungenes Debüt. Holte sich durch ein unnötig hartes Einsteigen direkt nach sieben Minuten eine gelbe Karte ab, die wohl auch den Hauptgrund für ihre Auswechslung zur Pause darstellte. Aber auch unabhängig von der Verwarnung konnte die Europameisterin kaum Akzente setzen.

Lina Magull (OM) - 5/10

Auch die Kapitänin erlebte einen schwachen Start in die neue Saison. In der ersten Hälfte mit einer guten Rettungsaktion nach Hereingabe von Hanshaw (35.), davon abgesehen vollkommen ohne Impulse, dafür mit zahlreichen Ballverlusten. Nach dem Seitenwechsel steigerte sich die Nationalspielerin etwas, blieb aber doch weitgehend blass. Hatte in der 48. die Mega-Chance zur Führung, als sie völlig frei aufs Frankfurter Gehäuse zulief, jedoch nicht an Stina Johannes vorbeikam. In der Nachspielzeit mit einem technisch anspruchsvollen Kopfball, den Johannes aber relativ problemlos entschärfen konnte.

Klara Bühl (LA) - 5/10

Die 21-jährige Flügelspielerin blieb fast über die gesamte Partie hinweg wirkungslos. Einzig bei einem Konter in der 69. ließ Bühl ihre Klasse aufblitzen, tanzte DFB-Kollegin Sjoeke Nüsken im Frankfurter Sechzehner aus, scheiterte mit ihrem Abschluss jedoch an Stina Johannes. Nach dieser Aktion wurde die gebürtige Haßfurterin ausgewechselt.

Lea Schüller (ST) - 5/10

Die Torschützenkönigin der vergangenen Saison wurde vor dem Spiel als Deutschlands Fußballerin des Jahres ausgezeichnet. Während der 90 Minuten hing die 24-Jährige dann aber weitgehend in der Luft und verzeichnete keinen einzigen Torabschluss. In der 48. Minute setzte sie Sjoeke Nüsken im Spielaufbau unter Druck und leitete so die hundertprozentige Chance von Lina Magull ein.

Einwechslungen

Sydney Lohmann für Georgia Stanway (46.) - 7/10

Die junge Mittelfeldspielerin musste zunächst mit der Bank vorliebnehmen, kam aber bereits zur Pause für die gelbverwarnte Stanway in die Begegnung und empfahl sich für weitere Einsatzzeiten. Belebte das Münchner Spiel merklich, auch wenn ihr nicht alles gelang.

Linda Dallmann für Klara Bühl (70.) - Ohne Bewertung

Die 28-Jährige konnte nach ihrer Einwechslung keine Akzente setzen.

Maxi Rall für Giulia Gwinn (70.) - Ohne Bewertung

Die großgewachsene Außenbahnspielerin begann mit einem gewonnenen Zweikampf gegen Hanshaw und zeigte im Spiel nach vorne ihre Dynamik. Allerdings unterlief ihr in der 86. ein schlimmer Ballverlust, den Frankfurt glücklicherweise - aus Sicht der Bayern - nicht nutzen konnte.

Jovana Damnjanovic für Lea Schüller (70.) - Ohne Bewertung

Die serbische Nationalstürmerin kam für Schüller in die Partie und wartete ebenso vergeblich wie ihre Teamkollegin auf verwertbare Zuspiele. In der 86. ließ sie Hanshaw auf links eindrucksvoll stehen, fand aber mit ihrer Hereingabe keine Abnehmerin.


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