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Bayern München

15 Talente aus 15 Nationen: Indiens Shubho Paul ist Teil der "FC Bayern World Squad"

Dominik Hager
Klaus Augenthaler bekleitet das "World-Squad-Projekt" als Cheftrainer
Klaus Augenthaler bekleitet das "World-Squad-Projekt" als Cheftrainer / Matthew Lewis/Getty Images
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Der FC Bayern geht, was die Talentsuche betrifft, innovative und spannende Wege. Wie die Münchner im April berichteten, sucht der Verein die talentiertesten Nachwuchsspieler weltweit und stellt aus ihnen die "FC Bayern World Squad" zusammen. Das international aufgestellte U19-Team soll aus 15 Spielern aus 15 Nationen bestehen. Als Teil des World Squad erhalten die Spieler professionelles Training, die Chance sich mit Talenten aus der ganzen Welt zu messen und als Highlight eine Partie gegen die Münchner U19-Mannschaft. Zum Kader gehört unter anderem der indische U17-Nationalspieler Shubo Paul.


Wenngleich Indien mit weitaus mehr als eine Milliarde Einwohner eine gigantische Größe besitzt, ist das Land, was den Fußball betrifft, nur ein kleines Licht. Auf der FIFA-Weltrangliste tauchen die Süd-Asiaten erst auf Rang 105 auf. Hier bestimmen eben noch immer Sportarten wie Cricket oder Hockey das Geschehen.

Doch der Fußball erfreut sich steigender Beliebtheit. Immer mehr Kinder und Jugendliche verfolgen den Traum, eines Tages Fußballprofi in Europa zu werden. Einer von ihnen ist der indische U17-Nationalspieler und Stürmer von Sudeva Delhi FC, Shubho Paul. Der Nachwuchs-Kicker steht im "Weltkader" der Bayern, der von Cheftrainer Klaus Augenthaler trainiert wird. Dieser würde sich wünschen, dass sich zukünftig mehr indische Sportler dem Fußball zuwenden und den Sprung nach Europa schaffen.

Augenthaler möchte "schlafenden Riesen" erwecken: "Hoffe, dass mehr Talente nach Europa kommen"

"Ich hoffe definitiv, dass mehr Kinder aus Indien kommen. Indien ist ein großes Land im Vergleich zu Deutschland, und Fußball ist dort nicht die Sportart Nummer eins. Aber ich hoffe, dass mit mehr qualifizierten Trainern in Zukunft mehr Talente aus Indien kommen können," erklärte der langjährige Bundesligatrainer gegenüber indischen Medien.

Augenthaler war auch am Auswahlprozess von Shubho Paul beteiligt. Insgesamt haben er und sein Trainerteam Videomaterial von 2.000 Kindern aus der ganzen Welt analysiert und sich letztlich auf 15 Talente festgelegt. Als Augenthalter Spielberichte aus Indien vorgelegt bekommen hatte, meinte er sogar, etwas von sich selbst im jungen Stürmer gesehen zu haben.

"Shubho und ich kommen aus ähnlichen Situationen - wir kommen beide aus kleinen Städten, und als ich 16 war, hatte ich den Traum, Profi zu werden", erkennt die Bayern-Legende, die als Libero aber meist am anderen Ende des Platzes vorzufinden war.

Shubho Paul konnte jedoch nicht nur in seinem 90-sekündigen Bewerbungsvideo auf sich aufmerksam machen, sondern hat sich in seiner Heimat als Talent erwiesen. In bislang elf Einsätzen für das indische U17-Nationalteam erzielte der Youngster acht Treffer.

"Wir haben definitiv die Qualität gesehen, die er hat. Aber es ist sehr wichtig, dass er sich nicht zu sehr unter Druck setzt. Das ist ein gutes Alter, um zu lernen, und er sollte das mit beiden Beinen auf dem Boden tun", beschreibt Augenthaler.

Der junge Stürmer besitzt schließlich auch noch offensichtliche Schwächen, wie beispielsweise seinen linken Fuß. Daran wollen die Coaches aber arbeiten, wenn der Spieler zum Training an der Akademie in Deutschland aufkreuzt.

Shubho Paul begeistert von Nominierung: "Habe keine Worte, um das zu beschreiben"

Für den jungen Spieler, der in der Akademie von Sudeva Delhi FC aufgewachsen ist und in seiner Debütsaison in der Hero I-League als Kapitän auflaufen durfte, wird ein Traum war.

"Ich habe wirklich keine Worte, um zu beschreiben, wie ich mich gefühlt habe, nachdem mir mitgeteilt wurde, dass ich für dieses Programm ausgewählt wurde. Ich hatte mich Sudeva nur angeschlossen (als er zwölf Jahre alt war) mit der Hoffnung, dass ich eines Tages in der Hero I-League spielen würde", sagte Shubho Paul.

Nun könnte seine fußballerische Reise sogar noch ein ganzes Stück weiter gehen. Allerdings weiß er auch, dass noch ein weiter Weg vor ihm liegt.

"Ich hatte schon einige Video-Sessions mit den Trainern des FC Bayern, und wir haben darüber gesprochen, wie wichtig es ist, an meiner Kraft zu arbeiten und richtig zu trainieren, um Verletzungen vorzubeugen und genug zu üben, um die Schwachstellen auszubügeln. Sie haben mir auch ein bisschen Deutsch beigebracht, damit es mir später helfen kann", erklärt er.

Präsident Gupta hofft auf Vorreiter-Rolle von Shubho Paul

Anuj Gupta, der Präsident des FC Sudeva Delhi, freut sich für den jungen Spieler und hofft, dass sich andere junge Kicker an ihm ein Beispiel nehmen können.

"Was auch immer dabei herauskommt, es ist wichtig für Shubho, dass er glücklich ist und sieht, wie es für Spieler wie ihn sein könnte, nach Europa zu gehen. Wir hoffen, dass andere Kinder, die durchkommen, in Zukunft auch nach Europa gehen werden. Shubho kann viele andere Kinder, die ihm folgen, dazu bringen, daran zu glauben, dass sie die Chance bekommen können, dorthin zu kommen," erhofft er sich.

Ob es für Shubo oder einen der anderen 14 Spieler mit dem internationalem Durchbruch oder sogar die Bayern reicht, ist natürlich noch nicht abzusehen. Vielleicht gelingt es dem ein oder anderen, sich nachhaltig in Erinnerung zu rufen. Der FC Bayern und die Beteiligten am World Squad sind jedenfalls froh, den Weg eingeschlagen zu haben.

"Wenn man den Jungs in die Augen schaut, sieht man, dass sie es ehrlich meinen. Dass sie sich diesen Traum verwirklichen wollen. Für viele der Jungs ist der Fußball ein Weg hinaus aus schwierigen Verhältnissen. Diese menschliche Komponente macht die World Squad so weltklasse", beschreibt Augenthaler gegenüber fcbayern.de. Wir dürfen gespannt sein, was bei diesem spannenden Projekt herauskommt.

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