Bayern München

Upamecano & Hernández folgen auf Boateng & Alaba: Welches Abwehr-Duo ist stärker?

Dominik Hager
Nach dem Abgang von Jerome Boateng und David Alaba müssen Lucas Hernández und Dayot Upamecano eine neue Ära prägen.
Nach dem Abgang von Jerome Boateng und David Alaba müssen Lucas Hernández und Dayot Upamecano eine neue Ära prägen. / ANDREAS GEBERT/Getty Images
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Die Abgänge von Jerome Boateng und David Alaba drohen ein großes Loch in die Münchner Hintermannschaft zu reißen. Mit Dayot Upamecano und Lucas Hernández stehen aber bereits zwei Verteidiger bereit, die den Verlust der erfahrenen Münchner auffangen können. Mit den beiden Franzosen im Abwehrzentrum wird sich jedoch einiges verändern. Wir wollen die Stärken und Schwächen der beiden Duos gegenüberstellen.


Die Stärken von Jerome Boateng und David Alaba

Blickt man alleine auf die Anzahl der Gegentore, müsste man eigentlich annehmen, dass Jerome Boateng und David Alaba ihre Arbeit nicht sonderlich gut erfüllen. In den meisten Fällen lag die "Gegentorflut" jedoch an der offensiven Ausrichtung der Münchner. Man kann davon ausgehen, dass bei dieser Art, Fußball zu spielen, 90 Prozent der Bundesliga-Verteidiger völlig überfordert wären. Für die beiden Münchner gilt dies nicht.

In erster Linie liegt das an der unglaublichen Routine der beiden Abwehrmänner. Gemeinsam kommt das Abwehr-Duo auf unglaubliche 176 Champions-League-Einsätze, wodurch sie über eine gewaltige Erfahrung gegen die Stars dieser Welt verfügen. Mit den zwei Champions-League-Siegen haben sie sich zudem in der Klub-Historie verewigt. Dank dieser Erfolge haben sie auch an Führungsqualitäten gewonnen, wodurch sie andere Spieler lautstark unterstützen können.

Der ehemalige deutsche Nationalspieler besticht zudem noch immer über ein unglaublich starkes Stellungsspiel und antizipiert die Bälle wie kaum ein anderer. In puncto Spielintelligenz ist auch der Österreicher dem absolut obersten Regal zuzuordnen.

Eine ganz große Stärke der beiden Akteure ist auch ihr Aufbauspiel. Es gibt vermutlich derzeit kein anderes Duo auf der Welt, das derart sicher am Ball ist und präzise lange Bälle schlagen kann.


Die Stärken von Lucas Hernández und Dayot Upamecano

Dayot Upamecano, Thomas Mueller
Pool/Getty Images

Die beiden Franzosen sind noch jung und voller Energie. Beide legen eine unglaubliche Zweikampfstärke an den Tag. Während Hernández viel über Kampf und Aggressivität kommt, nutzt Upamecano eher seine körperliche Stärke. Beide vereint, dass sie über eine gute Geschwindigkeit verfügen und in Duellen mit den schnellsten und dribbelstärksten Spieler bestehen können. Vor allem in einer hoch stehenden Abwehr ist die Geschwindigkeit ein ganz wesentlicher Aspekt.

Während Upamecano eher ein ruhiger Vertreter ist, besitzt vor allem Lucas Hernández durch einen unglaublichen Siegeswille, den er auch in der Partien zur Schau stellt. Damit kann er sowohl das eigene Team mitreißen, als auch den Gegner einschüchtern.

Die jungen Abwehrspieler sind zudem in der Lage, ähnlich wie früher Lucio, mit einem Antritt viele Meter mit dem Ball nach vorne zu machen und die Offensive anzutreiben. Aufgrund ihres jungen Alters sind die Akteure noch lange nicht satt und besitzen das Feuer, große Titel gewinnen zu wollen.


Die Schwächen von Jerome Boateng und David Alaba

Im Defensivverhalten haben Boateng und Alaba durchaus wunde Punkte. Mit seinen 32 Jahren besitzt Boateng nicht mehr ganz die Schnelligkeit und Wendigkeit früherer Tage. In den Eins-gegen-eins-Duellen lässt er folgerichtig oftmals ein wenig Abstand vom Gegner, um sich von diesem nicht überlaufen zu lassen. Somit kommt der Gegenspieler zwar oftmals nicht vorbei, hat jedoch Zeit und Raum, andere Aktionen auszuführen. Hinzu kommt, dass sich Boateng häufiger mit körperlichen Problemen herumschleppt und ausgewechselt werden muss.

David Alaba hat diese Probleme mit seinen 28 Jahren noch nicht und verfügt auch über ausreichend Wendigkeit und Antrittsstärke. Das Problem des Österreichers ist eher seine Physis. Für einen Innenverteidiger ist er mit seinen 1,80 Meter ziemlich klein und auch nicht sonderlich robust. Gegen körperlich starke Gegner zieht er da schon mal den Kürzeren. In der Bundesliga kommt Alaba lediglich auf eine Zweikampfquote von 55 Prozent sowie 50 Prozent gewonnene Luftzweikämpfe. Diese Werte sind für einen Innenverteidiger noch nicht mal mittelmäßig.


Die Schwächen von Lucas Hernández und Dayot Upamecano

Lucas Hernandez
Matthias Hangst/Getty Images

Neulinge auf internationalem Spitzenniveau sind die beiden Franzosen gewiss nicht mehr. Vergleicht man ihre Erfahrung mit der von Alaba und Boateng, muss man dennoch Abstriche machen. Beide besitzen auch noch nicht die Routine als Führungsspieler. Zwar kann Hernández ein emotionaler Leader sein, jedoch gehören nicht nur Taten, sondern auch Worte zu einer Führungsfigur. Es wird interessant zu sehen sein, wie gut die beiden in Zukunft harmonieren und wer die Kommandos gibt. Es ist zu erwarten, dass beide ein wenig Zeit benötigen werden, um sich in ihren Rollen zurechtzufinden. Upamecano sollte zudem seine gelegentlichen Unkonzentriertheiten abstellen.

Mit dem neuen Innenverteidiger-Duo droht auch der Verlust der enormen Stärke im Münchner Spielaufbau. Upamecano und Hernández können zweifellos mit dem Spielgerät umgehen, jedoch sind lange und präzise Diagonalbälle eher an der Seltenheit. Boateng und Alaba konnten von hinten heraus Chancen kreieren. Von den beiden Nachfolgern kann man das eher nicht erwarten.


Fazit: Hernández und Upomecano werden den Verlust auf ihre Art und Weise auffangen

Die beiden Abwehrduos unterscheiden sich stark voneinander. Alaba und Boateng haben ihre Vorteile in puncto Erfahrung, Spielintelligenz und Spielaufbau, während die beiden Nachfolger schneller und zweikampfstärker sind. Im Hinblick auf die Zukunft haben die Bayern jedoch großes Glück, zwei derart hochveranlagte Spieler in ihren Reihen zu wissen. Sie werden die beiden Platzhirsche auf ihre eigene Art und Weise ersetzen. Dank ihrer Schnelligkeit passen sie sogar einen Ticken besser in den offensiv ausgerichteten Stil der Münchner.

So sehr der Abgang der beiden verdienten Spieler auch schmerzt, darf man auch von den Neulingen Großes erwarten. Man darf auch nicht vergessen, dass mit Niklas Süle und dem jungen Tanguy Nianzou noch zwei weitere Optionen zur Verfügung stehen.

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