Bayern München

"Mia san geizig": Bayern muss sich wegen möglicher Verstöße gegen Mindestlohngesetz verantworten

Dominik Hager
Verstoß gegen das Mindestlohngesetz: Der FC Bayern Campus sorgt für negative Schlagzeilen
Verstoß gegen das Mindestlohngesetz: Der FC Bayern Campus sorgt für negative Schlagzeilen / Alexander Hassenstein/GettyImages
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Das Nachwuchsleistungszentrum der Bayern sorgt mal wieder Negativ-Schlagzeilen. Nachdem das NLZ bereits vor einiger Zeit wegen eines Rassismus-Skandals auffällig wurde, handelt es sich nun um mögliche Verstöße gegen das Mindestlohngesetz.


Die Kontraste bei so manchem Fußball-Klub sind schon unglaublich. Wo auf der einen Seite über eine Gehaltsobergrenze diskutiert wird, können andere kaum von ihrem Lohn leben.

Die Berichterstattung des WDR-Magazins "Sport Inside" über mögliche Mindestlohnverstöße könnte für die Münchner Folgen nach sich ziehen. Angaben der ARD zufolge ist der Bayern-Campus ins Visier der Ermittlungsbehörden gelangt.

Ein Ermittlungsverfahren der Münchner Staatsanwaltschaft soll bereits laufen. Allerdings könne man "aus ermittlungstaktischen Gründen nichts sagen", wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft mitteilte. Der FC Bayern selbst wollte sich ebenfalls nicht zur Thematik äußern.

Mit ähnlichen Problemen schlägt sich derzeit auch der FC Augsburg herum. Beim FCA rückte die Finanzkontrolle mit 61 Kräften heran und beschlagnahmte umfangreiche Unterlagen, die derzeit noch geprüft werden.

Bayern-Trainer übt Kritik: " Man ist drei Tage zusammen und schreibt 80 Minuten auf"

Offengelegt wurde die Sache, indem ehemalige Jugendtrainer aus Augsburg und München sich detailliert über ihre Dumpinglöhne gegenüber "Sport Inside" geäußert haben.

Ein Bayern-Trainer, der auf Minijob-Basis bezahlt wurde, bringt uns die Praktiken näher, die der Verein betreibt. "Es war der Clou: Man reist irgendwo nach Berlin oder London, ist da drei Tage mit den Kindern komplett zusammen und schreibt 80 Minuten Nettospielzeit auf", erklärte er.

Auf seine Beschwerde bekam er von einem Vorgesetzten lediglich zu hören, dass es Tausende da draußen gäbe, die den Job für 200 Euro machen würden. Allerdings bedeutet dies deswegen noch lange nicht, dass solche Praktiken auch rechtens sind.

Der Münchner Rechtsanwalt Andreas Waldschmidt, Vertreter mehrerer ehemaliger Mitarbeiter des Klubs, erläuterte, dass seine Mandanten mindestens 25 Wochenstunden abgeleistet hätten. "Wenn man weiß, dass die 450 Euro bezahlt kriegen, dann liegt man dicke unter dem Mindestlohn, nicht nur knapp", so sein Vorwurf.

FC Bayern beugt sich dem Druck: Keine Minijobber mehr als Trainer

Kürzlich offenbarte ein Arbeitsgerichts-Prozess in München, dass die Bayern ihre Praxis umgestellt haben. Dies geschah wohl vor allem aus dem Grund, dass der öffentliche Druck zu groß geworden wäre. Bereits am 5. Oktober wurde in erster Instanz die Klage eines ehemaligen Jugendtrainers am FC Bayern Campus gegen seine Kündigung verhandelt. Dieser war auf 450-Euro-Basis angestellt und gehört zum Kreis derer, die angaben, deutlich mehr als die gesetzlich erlaubten rund 40 Stunden im Monat gearbeitet zu haben.

Die Münchner erklärten im Verfahren, keine Minijobber mehr als Trainer zu beschäftigen und begründeten dies mit den Worten, dass es sich um Leistungssport im Nachwuchsbereich handle. Der anspruchsvolle Trainerjob sei demnach nicht in dem durch eine geringfügige Beschäftigung vorgegebenen Rahmen zu erfüllen.

Im Gleichklang gab der FC Bayern damit aber auch indirekt zu, dass dies in der Vergangenheit anders gelaufen sei. Die Untersuchungen dazu werden vermutlich noch eine Weile andauern.

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