Bayern München

Lebenslanges Stadionverbot wegen eines Banners: Fan verklagt FC Bayern

Dominik Hager
Ein Bayern-Fan klagt nach einem problematischen Transparent gegen sein Stadienverbot
Ein Bayern-Fan klagt nach einem problematischen Transparent gegen sein Stadienverbot / Alexander Scheuber/Getty Images
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Der FC Bayern hat mal wieder mit einem Fan-Disput zu kämpfen. Nachdem unter anderem Hasan Salihamidžić, Karl-Heinz Rummenigge oder die Münchner Katar-Connection zum Teil heftige Kritik von der Anhängerschaft abbekamen, verklagt nun ein Fan seinen Lieblingsklub. Grund hierfür ist ein verhängtes Stadionverbot, aufgrund eines auf dem ersten Blick harmlosen Banners.


Ein lebenslanges Stadienverbot beim Lieblings-Klub zu erhalten, ist sicher keine angenehme Sache. Dies gilt vor allem dann, wenn die Gründe hierfür eher fragwürdig sind. Bayern Anhänger Robert F. soll laut BILD-Angaben im Februar bei einem Spiel der Bayern-Amateure im Grünwalder Stadion ein Transparent hochgehalten haben. Dieses soll die Aufschrift "Bayern-Amateure gegen Montagsspiele" getragen haben. Seitdem darf der Anhänger seinen Verein weder in der Allianz Arena, noch an der Grünwalder Straße oder an der Säbener Straße verfolgen.

Doch was motivierte den Klub eigentlich für eine solch drastische Strafe? Der Inhalt des Transparents soll nicht der Grund für den lebenslangen Ausschluss gegeben haben. Laut Angaben eines Sicherheitsbeauftragten der Bayern soll das eingeschmuggelte Transparent die Sicherheit gefährdet haben.

"Wir müssen solche Banner auf Brandschutzbestimmungen überprüfen lassen. Das ist aber nicht passiert," wird dieser von der BILD zitiert.

Anwalt Hüttl schießt gegen die Bayern: "Verein will ihn mundtot machen"

Andreas Hüttl, der den Kläger als Anwalt vertritt, glaubt jedoch, dass der Ausschluss andere Gründe hat. Robert F. soll seit Jahren ein Kritiker der Bayern-Katar-Connection sein und dazu auch schon Podiumsdiskussionen initiiert haben. Zudem habe er laut dem Bericht eine Erweiterung der Vereinssatzung beantragt, in der sich der Verein für die Einhaltung der Menschenrechte nach den Leitlinien der Vereinten Nationen verpflichten sollte. Dieser wurde vom Verein abgelehnt.

Hüttel glaubt demnach, dass sein Mandat dem Verein ein Dorn im Auge ist, weswegen dieser den unbequemen Anhänger mundtot machen möchte.

"Hier geht es um eine selektive Entscheidung gegen meinen Mandanten. Es gab Hunderte unangemeldete Banner im Stadion, die kein Verbot zur Konsequenz hatten. Das ist nur ein vorgeschobener Grund. Tatsächlich geht es hier darum, dass sich der Verein so eines kritischen Fans entledigen will, ihn mundtot machen will", beschreibt er gegenüber der BILD.

Rechtsanwalt Gerhard Riedl, der den FC Bayern vor Gericht vertritt, weist die Vorwürfe jedoch zurück. "Hier geht es nicht um Inhalte. Sondern allein um Brandschutz", stellt er klar. Robert F. soll zuvor schon zweimal durch ähnliche Vorfälle von unangemeldeten Protestaktionen auffällig geworden sein. "Ein Hausverbot ist hier geboten", ist er überzeugt.

Überharte Strafe hinterlässt fadem Beigeschmack

Laut DFB-Regularien soll unter anderem "bei nachgewiesenem wiederholtem sicherheitsbeeinträchtigendem Verhalten" ein Stadionverbot veranlasst werden. Ein nicht brandschutzkonformes Transparent fällt durchaus in diese Kategorie, zumal es sich offenbar nicht um eine einmalige Angelegenheit handelte.

Was jedoch einen lebenslangen Ausschluss rechtfertigt, wird jedoch nicht offensichtlich. Den Regularien zufolge werden selbst "in einem besonders schweren Fall", lediglich 36 Monate und im Wiederholungsfall maximal 60 Monate verhangen.

Allerdings kann sich der Verein auf das Hausrecht beziehen, wonach der Fan zwar bundesweit weiterhin zu spielen gehen kann, allerdings nicht mehr in die Münchner Arenen hineinkommt.

Unverhältnismäßig erscheint das Vorgehen aber dennoch, wenn man bedenkt, wie leicht Zuschauer nach Beleidigungen, Schlägereien oder dem Abbrennen von Pyrotechnik wegkommen. Zudem ist jegliche Form von "krimineller Energie" keinesfalls festzustellen. Wenn es laut Riedl mehrerer dieser Vorfälle gab, stellt sich die Frage, warum der Klub zunächst kein Stadienverbot erteilte, dann aber gleich zur Maximalstrafe griff.

Aktuell gibt es noch keine Entscheidung, ob das Stadionverbot aufrecht erhalten wird oder nicht. Hüttl stellte am Dienstag mehrere Anträge und möchte BILD-Angeben zufolge unter anderem Karl-Heinz Rummenigge, Herbert Heiner und Jan-Christian Dreesen als Zeugen laden lassen. Wir dürfen gespannt sein, ob Robert F., der seit 2014 Mitglied ist, erfolgreich aus den Verhandlungen herausgeht und in die Münchner Arenen zurückkehrt.

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