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Bayern München

In Harmonie mit den Bayern-Bossen: Julian Nagelsmann der Anti-Flick

Dominik Hager
Positiver Bayern-Einstand für Nagelsmann: Der Coach ist bei den Bossen allseits beliebt
Positiver Bayern-Einstand für Nagelsmann: Der Coach ist bei den Bossen allseits beliebt / Alexandra Beier/Getty Images
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Der neue Bayern-Trainer Julian Nagelsmann trat Anfang Juli als absoluter Wunschkandidat der Bosse die Nachfolge von Hansi Flick an. Während der alte Bayern- und neue Bundestrainer immer wieder in Konflikte mit Sportvorstand Hasan Salihamidžić geriet, herrscht zwischen Nagelsmann und dem Vorstand bisher Harmonie und Eintracht.


Bereits vor dem ersten Spiel genießt Julian Nagelsmann das absolute Vertrauen des Vereins. Überraschend kommt dies erstmal nicht, wenn man bedenkt, welche Summe die Münchner in den ehemaligen Leipzig-Coach investiert haben. Stand heute scheinen alle gewichtigen Personen in der Bayern-Führungsetage voll davon überzeugt zu sein, dass der 33-Jährige der richtige Mann ist und mit dem Klub Erfolg haben wird.

Uli Hoeneß schwärmt von Nagelsmann: "Bin jeden Tag zufriedener"

Während Uli Hoeneß im Sport-1-Doppelpass mal wieder stichelte, äußerte er sich zum Flick-Nachfolger absolut positiv.

"Das ist für den FC Bayern ein Traum, einer der sagt: Ich bin Bayern-Fan. Da kann etwas entstehen. Jeden Tag bin ich zufriedener - wie der sich verkauft, so gut gelaunt, wie er sich mit der Führung gibt", zitiert die BILD den 69-Jährigen.

Tatsächlich machte Nagelsmann bislang einen sehr lockeren Eindruck, beantwortet Interview-Fragen ausführlich und versprüht positive Energie. Dabei machte er jedoch auch stets klar, dass er in München am liebsten bereits in seiner ersten Saison die volle Titel-Dröhnung abbekommen würde.

Seine großen Ziele behält er trotz des aktuellen Sparkurses der Bayern bei, den er im Gegensatz zu Vorgänger Flick mitträgt. Zudem stellte er auch gleich zu Beginn klar, dass er nicht erwartet, das Sagen bei Transfers zu haben.

"Ich bin der Auffassung, dass in Sachen Spieler der Verein entscheidet - und sich idealerweise mit dem Trainer darüber ausgetauscht wird. Die Halbwertzeit eines Spieler ist in der Regel auch länger als die des Trainers. Deswegen hat der Verein da den Hut auf", wird er vom Boulevard-Medium zitiert.

Hoeneß stichelt gegen Flick: "Hat mir nicht gefallen"

Allerdings gilt es hierbei zu bemerken, dass auch Hansi Flick nie gefordert hat, "den Hut aufzuhaben", sondern lediglich ein Mitspracherecht erhalten wollte. Dieses macht prinzipiell auch bei Nagelsmann Sinn, zumal der Coach für viel Geld und für fünf Jahre verpflichtet wurde.

Den Ideen und Wünschen des Trainers nachzukommen, wäre also hier und da schon sinnvoll. Schließlich ist es der 33-Jährige, der die Spielphilosophie der Mannschaft in den nächsten Spielzeiten vorgeben soll. Ob sich früher oder später Konfliktpotenzial andeutet, wird die Zukunft zeigen. All das zu bewerten käme dann doch noch deutlich zu früh.

Uli Hoeneß hat beim neuen Coach jedoch ein gutes Gefühl. "Er hat auch für die wirtschaftlichen Hintergründe ein absolutes Verständnis", lobte er und ließ die Gelegenheit nicht aus, ein wenig gegen Vorgänger Flick zu lästern.

"Mir hat es nicht gefallen, dass er seine Spielerwünsche immer über die Öffentlichkeit kommuniziert hat. Wenn er zu Hasan oder Karl-Heinz gegangen wäre, dann wäre es in Ordnung gewesen. Aber er hat es öffentlich gemacht. Das habe ich nicht verstanden", zitiert die BILD die Doppelpass-Aussagen des aufgebrachten Ex-Präsidenten.

Uli Hoeneß
Liegt Uli Hoeneß bei seiner Kritik an Flick richtig? / Alexander Hassenstein/Getty Images

Wie viel Wahrheit in diesem Zitat steckt, muss jeder für sich selbst bewerten. Allerdings erscheint es doch sehr unwahrscheinlich, dass Flick seine Spielerwünsche erst gar nicht gegenüber Hasan Salihamidžić und Karl-Heinz Rummenigge geäußert hat. Dieser Schritt dürfte dann doch noch klar vor den Medien-Äußerungen gekommen sein.

Die Transfer-Streitigkeiten mit dem Sportvorstand war mit der Hauptgrund warum es für Flick in München nicht weitergehen konnte.

Bayern-Spotvorstand Salihamidžić fordert eine "1A-Kommunikation"

Während für Salihamidžić mit Flick nicht mehr gut Kirschen essen war, schmeckt mit Nachfolger Nagelsmann zumindest schon mal der Kaffee.

"Gestern kam Julian zu uns hoch. Ich habe eine neue Espressomaschine. Da haben wir uns einen Kaffee gemacht. Wir wollen eine reine 1A-Kommunikation im Klub", erklärt der 44-Jährige.
Stellt sich nur noch die Frage, ob eine 1A-Kommunikation genügt und erhalten bleibt, wenn dafür nur noch 1B-, 1C- oder 1D- Transfers nach München kommen.

Oliver Kahn
Oliver Kahn fordert flache Hierarchien und gutes Teamwork / Sebastian Widmann/Getty Images

Zumindest sind sich aber die Bosse einig darüber, gut und auf Augenhöhe miteinander kommunizieren zu wollen. Ein ausschlaggebender Punkt hierfür ist auch der Wechsel von Rummenigge auf Kahn, der als Vorstandsvorsitzender auf flache Hierarchien, absolutes gegenseitiges Vertrauen und geschlossenes Teamwork setzt. Diese Punkte sind auch Julian Nagelsmann sehr wichtig.

"Wenn wichtige Entscheidungen anstehen, sitzen wir zusammen - Oliver Kahn, Hasan Salihamidžić, Herbert Hainer und ich", wird der Coach von der BILD zitiert.

Stellt sich abschließend nur noch die Frage, ob Hansi Flick auch dabei saß, als beispielsweise über die Verpflichtungen von Marc Roca oder Douglas Costa gesprochen wurde.

Die Bayern-Bosse und Coach Julian Nagelsmann sollten den Moment der Ruhe in vollen Zügen genießen. Früher oder später werden sich die ersten Reibereien oder Konflikte ohnehin ergeben. Dies ist bei einem Weltklub unumgänglich, wie der "FC Hollywood" in der Vergangenheit regelmäßig bewiesen hat.

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