Bayern München

Nerlinger über Bayern-Abschied: "Hatte jeglichen Spaß verloren"

Yannik Möller
Christian Nerlinger als Bayern-Manager
Christian Nerlinger als Bayern-Manager / PATRIK STOLLARZ/GettyImages
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Christian Nerlinger begleitete als Sportdirektor eine Zeit des Umbruchs beim FC Bayern. Eine für ihn herausfordernde Zeit, zwischen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Über den Zeitpunkt seines Abschlusses mit dem Klub ist er noch heute froh.


Es gab durchaus entspanntere Zeiten für den großen FC Bayern, als zwischen 2009 und 2012. Obwohl die Münchener noch im Mai 2010 Meister wurden, galt diese Zeitspanne damals als Umbruch.

Als Sportdirektor war Christian Nerlinger jemand, der diesen Umbruch federführend mitgestalten durfte. Nicht nur mit Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge zusammen, sondern auch zwischen ihnen. Rückblickend kann problemlos gesagt werden: Offenbar wurden die richtigen Dinge angestoßen und wichtige Grundsteine gelegt.

Position zwischen Hoeneß und Rummenigge "nicht immer einfach"

"Ich kam in einer Phase zum FC Bayern, in der Veränderungen angestanden haben", erinnerte sich Nerlinger im Interview mit dem kicker. Den Einstieg von Hoeneß und Rummenigge in die Chefetage sieht er noch heute als wichtigsten Punkt der damaligen Zeit. Aber: "In diesen Übergang als Sportdirektor hineinzukommen, war nicht immer einfach."

Die beiden, inzwischen wieder aus der ersten Reihe des deutschen Rekordmeisters verschwunden, seien zwar einerseits "zwei absolut charismatische Menschen" gewesen, die einen "mitreißen können" - aber zugleich auch zwei "Alphatiere, bei denen es aber in der Vergangenheit auch nicht immer harmonisch ablief". Dieser Spagat sei "oft schwer" gewesen, so der gebürtige Dortmunder.

Nicht zu vergessen, dass mit Louis van Gaal zum damaligen Zeitpunkt auch ein selbstbewusster Trainer an der Seitenlinie stand. Ein sehr fachmännisches, aber durchaus nicht immer harmonisches Arbeitsumfeld.

Bayern Munich's head coach Louis van Gaa
Nerlinger mit Louis van Gaal / OLIVER LANG/GettyImages

Die Entscheidung für ihn sei damals aber völlig richtig. "Wir wussten auf dem Heimflug: Mit ihm wird sich einiges an der Säbener Straße verändern. Auch wenn wir viel diskutiert haben, sind wir alle zur Überzeugung gekommen, dass er der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt sein würde", erklärte Nerlinger die Entscheidungsfindung.

Auch sein Fazit zur Zeit mit van Gaal fiel positiv aus: "Er hat dann einen unausgeglichenen Kader, eine Mannschaft, die 2009 in der Champions League statt 0:4 eigentlich 0:10 hätte in Barcelona verlieren müssen, stabilisiert, diszipliniert und enorm entwickelt."

Bayern-Abschied zum richtigen Zeitpunkt und im "freundschaftlichen" Geiste

Zum Ende der Saison 2011/12 kam es dann allerdings zum Abschied Nerlingers. Seine Erlebnisse "sozusagen im Epizentrum dieser Bayernwelt", waren für ihn unglaublich. "Aber dann kam eine Phase, in der ich jegliche Freude und jeglichen Spaß verloren hatte", erinnerte sich der heute 49-Jährige.

Das verlorene Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea im heimischen Stadion sei intern "sehr emotional" aufgearbeitet worden. Dabei wurde es auch mal laut. Nerlinger über die Entscheidung, zu gehen: "Direkt danach, in einem Vieraugengespräch mit Uli Hoeneß, haben wir das Thema und die gemeinsame Zusammenarbeit beendet. Ich glaube, es war die richtige Entscheidung."

Wenige Wochen später habe man sich nochmals getroffen und "ein sympathisches Gespräch" gehabt. Hoeneß habe demnach "zugestanden, dass die Konstellation, in die ich hineinkam, unglaublich schwierig und komplex war".

Insgesamt ist der heutige Spielerberater ebenso zufrieden mit seinem Aus beim FCB, wie über seine Zeit innerhalb des Vereins: "Wenn ich zurückdenke, denke ich an unwiederbringliche Momente, an Momente des puren Glücks und der Dankbarkeit, aber auch an Momente, wo ich sage: Die haben richtig reingehauen (grinst). Letztlich aber sind wir freundschaftlich auseinandergegangen."


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