Bayern München

Der Absturz von Bayern II hinterlässt Narben im ganzen Verein

Dominik Hager
Bitter für den ganzen Verein: Die Bayern Amateure sind abgestiegen.
Bitter für den ganzen Verein: Die Bayern Amateure sind abgestiegen. / Sebastian Widmann/Getty Images
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Am vergangenen Wochenende ist das Unmögliche tatsächlich wahr geworden. Der amtierende Meister Bayern München ist abgestiegen. Dies ist jedoch keine Zeile aus einem Science-Fiction-Roman, auf dem der FC Bayern den dunklen Pad von Schalke 04 und Werder Bremen bestreitet, sondern bittere Realität. Allerdings sprechen wir natürlich nicht vom großen FC Bayern, sondern von den Bayern Amateuren. Nichtsdestotrotz wirft der Absturz der "kleinen Bayern" zahlreiche Fragen auf.


Enttäuschte Bayern-Gesichter die nach dem Schlusspfiff die Hände über den Kopf zusammenschlagen kennen wir sonst nur nach einem verlorenen Champions-League-Spiel. Für die Kicker der Bayern Amateure geht es nach der 0:1-Niederlage im letzten Saisonspiel runter in die Regionalliga.

Kaum zu glauben: Der Drittliga-Meister steigt ab

Nach der Drittliga-Meisterschaft im vergangenen Jahr hätte damit wohl niemand gerechnet. All das zeigt aber wieder einmal, dass die 3. Liga unberechenbar ist. Die Klubs sind leistungstechnisch so nahe beieinander, dass schon ein kurzer Negativ-Lauf ausreichen kann, um böse hinten reinzurutschen.

In der vergangenen Saison hatten die Münchner diese Negativ-Serie in der Hinrunde, die man lediglich auf Rang 15 abschloss. In der Rückrunde schnellte das Team von Sebastian Hoeneß geradezu durch die Tabelle und feierte letztlich sogar die Meisterschaft.

Nicolas Feldhahn
Bilder aus dem vergangenen Jahr: Der FC Bayern II feiert die Drittliga-Meisterschaft. / Alexander Scheuber/Getty Images

Da die Münchner als Amateur-Team nicht aufsteigen konnten, blieb der Klub in Liga drei und verlor gleichzeitig zahlreiche wichtige Stützen. Neben Trainer Sebastian Hoeneß, der sich der TSG Hoffenheim anschloss, verließen wichtige Spieler wie Joshua Zirkzee, Chris Richards, Kwasi Wriedt, Oliver Batista Meier und Paul Will das Amateur-Team.

Wenngleich die Münchner im Gegenzug Talente wie Rémy Vita oder Nicolas Kühn verpflichteten und einige Talente aus der U19 nach oben kamen, gelang es Ex-Trainer Holger Seitz nicht, mit der Truppe dauerhaft erfolgreich zu sein.

Zwölf Spiele ohne Sieg: Schwache Rückrunde macht den Abstieg klar

Das Bayern-Team präsentierte sich nach dem Umbruch wacklig und nahm erst Ende der Hinrunde Fahrt auf. Wer zu diesem Zeitpunkt aber gedacht hat, dass der Umbruch erfolgreich gemeistert ist, sollte sich getäuscht haben. Die Münchner gewannen keines der letzten zwölf Spiele und stürzten von Rang neun auf den Abstiegsrang 18 ab.

Die Bayern versuchten den Negativ-Trend mit einem Trainerwechsel zu beheben, jedoch scheiterten Martín Demichelis und Danny Schwarz nach ihrer Beförderung vom U17-Team zu den Amateuren an der Mission, die Mannschaft zu retten.

Was bleibt sind die Fragen, wie man in der Rückrunde derart abstürzen konnte. Eigentlich hat das Team spielerisch mehr als genug Potenzial und auch die Abstimmung sollte prinzipiell immer besser werden. Allerdings schien das Team gegen die körperliche Gangart der gegnerischen Teams nichts entgegensetzen zu haben. Vor allem im Abstiegskampf - und dazu gehörten die Hälfte aller Teams - ist dies aber wohl die wichtigste Komponente.

Nur fünf Tore: Jan-Fiete Arp kann Kwasi Wriedt nicht ersetzen

Jan Fiete Arp
Es war nicht die Saison von Jan-Fiete Arp und den anderen Bayern-Stürmern. / Oliver Hardt/Getty Images

Entscheidend war mutmaßlich auch der Abschied von Kwasi Wriedt. Der 26-jährige Angreifer glänzte im Vorjahr noch mit 24 Toren. In der abgelaufenen Spielzeit erzielte der beste Münchner Schütze, Mittelfeldspieler Timo Kern, gerade einmal acht Tore. Jan-Fiete Arp enttäuschte dagegen erneut und kam lediglich auf fünf Treffer. Aufgrund der langen Verletzungspausen von Malik Tillman und Armindo Sieb hatten die Bayern einfach keinen verlässlichen Goalgetter zur Verfügung.

Erschwerend hinzu kamen die zahlreichen Unruhen um den Bayern-Campus. Der Rassismus-Skandal hat schließlich über mehrere Monate für Ärger gesorgt und dürfte an den Beteiligten nicht spurlos vorbeigegangen sein. Zudem soll auch die Zusammenarbeit mit Hasan Salihamidzic nicht immer einfach gewesen sein. Hansi Flick, Miroslav Klose und Co können ein Lied davon singen.

Abstieg von Bayern II gefährdet die Ziele des Profi-Teams

Doch auch für Salihamidzic und das Profi-Team ist der Abstieg von Bayern II absolut schlecht. Im Zeitalter von Corona hat sich die Münchner Führungsetage darauf geeinigt, verstärkt auf junge Talente, bevorzugt aus den eigenen Reihen, setzen zu wollen.

Dabei ist es jedoch nicht gerade förderlich, dass die zweite Mannschaft in der Regionalliga antritt. Das Niveau in Liga vier ist schließlich noch mal weiter weg von der Bundesliga. Der Sprung aus der Regionalliga ins Profi-Team wird demnach größer und für die Spieler kaum machbar, da ihnen Wettkampfpraxis auf hohem Niveau fehlt.

Darüber hinaus wird es auch nicht leichter, ambitionierte Talente zu verpflichten. Diese wären in der Regionalliga unterfordert, würden sich dort als Fehl am Platz erachten und bekämen bei den Profis wiederum zu wenig Einsätze. All das ist für einen jungen Spieler nicht wirklich erstrebenswert. Die Bayern müssten zukünftig wohl noch mehr mit Leihen arbeiten. Genau das ist in diesem Jahr aber schon fast gänzlich daneben gegangen.

Schneller Aufstieg für Bayern II Pflicht: Regionalliga-Saison wird jedoch kein Selbstläufer

Um den Schaden zu begrenzen muss Bayern II also dringend wieder aufsteigen. Dies dürfte jedoch gar nicht so leicht werden. Die "kleinen Bayern" stehen schließlich erneut vor einem Umbruch. Gerade eben wurden u.a. mit Angelo Stiller, Kilian Senkbeil und Alexander Lungwitz weitere sechs Spieler verabschiedet.

Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass lediglich der Tabellenführer der Regionalliga Bayern aufsteigen kann. Selbst dieser muss sich jedoch auch noch in der Relegation durchsetzen. Der Weg aus der dritten Liga in die vierte Spielklasse ist also definitiv leichter als umgekehrt. Nicht ideal ist zudem, dass mit Unterhaching noch ein bayerisches Team abgestiegen ist, dass in der kommenden Saison ebenfalls über die Regionalliga Bayern wieder nach oben will.

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