Bayern München

Leroy Sané in der Krise: Jetzt soll ein Positionswechsel helfen

Dominik Hager
Leroy Sané soll auf der linken Seite wieder zu alter Stärke finden
Leroy Sané soll auf der linken Seite wieder zu alter Stärke finden / Joern Pollex/Getty Images
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Der neue Bayern-Coach Julian Nagelsmann hat sich klar zum Ziel gesetzt, Leroy Sané aus der Krise herauszuholen. Demzufolge setzte er auch im Pokal-Erstrundenspiel gegen den Bremer SV auf die Dienste des Außenbahnspielers. Mit einem Tor und zwei Vorlagen zahlte der 25-Jährige das Vertrauen zurück. Dies lag sicherlich zum einen am schwachen Gegner, womöglich aber auch an seinem Positionswechsel von rechts nach links.


Beim FC Bayern agierte Leroy Sané fast die komplette letzte Spielzeit als Rechtsaußen. Für einen dribbel- und schussstarken Linksfuß ist diese Position eigentlich ideal, um in die Mitte zu ziehen und selbst abzuschließen. Über viele Jahre hinweg hat Arjen Robben dies bei den Bayern in Perfektion hinbekommen.

Leroy Sané bringt prinzipiell alles mit, um mit ähnlichen Bewegungen und Abschlüssen erfolgreich zu sein. Das Problem ist lediglich, dass seine Dribblings zu unsauber sind und seine Schussversuche meist erschreckend harmlos sind. Dabei hat der Bayern-Star in seinen früheren Stationen hinlänglich bewiesen, dass er sowohl das "Eins-gegen-Eins" beherrscht, als auch gefährliche Distanzschüsse abgeben kann. Derzeit fehlt dem Nationalspieler aber schlichtweg das Selbstvertrauen und Glück, um auf diese Art und Weise erfolgreich sein zu können.

Nagelsmann erkennt Mängel bei Sané: "Spiel mit dem Rücken zum Tor nicht seine größte Qualität"

Trainer Julian Nagelsmann erkannte aber noch ein weiteres Problem, das Leroy Sané auf der rechten Seite mit sich herumschleppt.

"Auf rechts hat Leroy oft die Situation, dass er den Ball in den Fuß will und dann mit dem Rücken zum Tor spielen muss - da hat er aber nicht seine größte Qualität. Wenn er links spielt, hat er ein bisschen mehr Tiefe, das Spiel vor sich, da fällt es ihm leichter", wird er von der BILD zitiert.

Gegen den Bremer SV offenbarte Sané zumindest in Ansätzen, dass der Trainer mit seiner These nicht Unrecht hat. Immerhin zeigte er von links kommend auch seine Abschlussqualitäten, als er bei seinem Torerfolg den Ball zielgenau von der linken Seite, aus spitzem Winkel kommend, mit seinem starken Fuß im langen Eck unterbrachte.

"Ihm ist nicht alles geglückt, aber er war sehr engagiert, und das finde ich sehr wertvoll. Alles ist gut", bewertete Nagelsmann den Pokal-Auftritt seines Sorgenkindes.

Für den Bayern-Coach ist der Seitenwechsel "der erste Schritt, dass er sich bewusst wird, welch große Qualität er hat und was er nicht ganz so gut kann".

Nagelsmann, Sané
Julian Nagelsmann hat einen neuen Plan mit Leroy Sané / CHRISTOF STACHE/Getty Images

Vermutlich spielt aber auch der psychologische Aspekt eine Rolle. Wenn sich ein Sportler in seinen Aktionen irgendwie festgefahren hat und nicht mehr weiter kommt, braucht es häufig Veränderungen und neue Ansatzpunkte. Das können beim Skifahren neue Ski, beim Tennis ein neuer Schläger oder beim Fußball eine neue Position sein.

Statistik belegt: Sané auf der linken Seite effektiver

Für Sané ist die Rolle auf links allerdings auch nichts Neues. Tatsächlich spielte er auf der Insel mehrheitlich auf dieser Seite. Bei den Citizens agierte er 112-mal links und erzielte dabei 80 Scorer (36 Tore, 44 Vorlagen), wohingegen er lediglich neunmal auf rechts ran durfte. Dort reichte es auch nur zu zwei Toren. Bei Schalke 04 war Sané 57-mal auf rechts und 16-mal auf links zu finden. Während er auf rechts 139 Minuten für eine Torbeteiligung benötigte, waren es links lediglich 106 Minuten.

Sieht also ganz danach aus, als würde sich Sané tatsächlich auf links leichter tun. Dort hat er die Möglichkeit zur Grundlinie zu ziehen und gefährliche Hereingaben in die Mitte zu bringen. Bei den Bayern versuchte er es zuletzt hingegen häufiger mit Halbfeldflanken von der rechten Seite und mit dem linken Fuß, die jedoch selten wirklich gefährlich wurden.

Insbesondere als Vorbereiter könnte auf der linken Seite wesentlich mehr gehen. Dies ist sicherlich eine angenehmere Situation, in Zeiten, in denen es mit dem Torerfolg zu selten klappen will.

Alphonso Davies
Alphonso Davies könnte Sané mit seinem Offensivdrang unterstützen / Alexander Hassenstein/Getty Images

Doch auch eine andere Komponente würde Sané in die Karten spielen. Durch den offensivstarken Alphonso Davies ist das Bayern-Spiel meist sehr linkslastig. Der Kanadier treibt unermüdlich an und besitzt Qualitäten, die die gegnerische Abwehr ernst nehmen muss. Sané hätte dadurch zum einen mehr Räume und zum anderen einen Partner für Zusammenspiele.

Auf der der rechten Seite blieb er zuletzt häufig verwaist, da weder Benjamin Pavard noch Josip Stanišić oder Tanguy Nianzou über einen übermäßigen Offensivdrang verfügen.

Klar ist aber auch, dass Sané seine Chance auf links schnell nutzen muss. Kingsley Coman wird in Kürze zurückkehren und Youngster Musiala wird immer stärker. Die Zeit rennt!

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