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FC Barcelona

Barça wusste um Umtitis Knieprobleme - und handelte gegen den Rat der Ärzte

Guido Müller
Seit Jahren ein Sorgenkind beim FC Barcelona: Samuel Umtiti
Seit Jahren ein Sorgenkind beim FC Barcelona: Samuel Umtiti / Denis Doyle/GettyImages
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Samuel Umtiti (28) ist seit Jahren ein Dauerthema beim FC Barcelona, wenn es um mögliche Verkaufskandidaten geht. Dass der Flop-Transfer Ende 2021 immer noch auf der Pay-roll der Katalanen steht, hat sich der Klub jedoch selbst zuzuschreiben.


Wenn beim FC Barcelona das Gespräch auf die möglichen Verkaufskandidaten kommt, ist ein Name garantiert immer dabei: Samuel Umtiti. Seit fünfeinhalb Jahren "spielt" der Franzose für die Katalanen.

Wobei "spielen" hier noch wohlwollend formuliert ist. Zumindest in den letzten drei Jahren. Der ganze Ablauf, seitens des Klubs, im Handling dieser Personalie, mutet bei heutiger Betrachtung fast wie eine schlechte Komödie an. Nur wirklich darüber lachen können die heutigen Klubverantwortlichen kaum.

Zur Erinnerung: Nach zwei akzeptablen ersten Spielzeiten (2016/17 und 2017/18), in denen der Innenverteidiger regelmäßig zum Einsatz kam (43 bzw. 40 Pflichtspiele), begannen die Probleme im Grunde genommen ab der Vertragsverlängerung mit dem Spieler im Sommer 2018.

Zu diesem Zeitpunkt war Umtiti noch bis 2021 an den Klub gebunden - also noch volle drei Jahre. Warum die Vereinsführung um den damaligen Präsidenten Josep Maria Bartomeu dennoch eine Verlängerung (mit entsprechend erhöhtem Gehalt) anstrebte (und schließlich auch durchsetzte), bleibt bis zum heutigen Tag ungeklärt.

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Stolz präsentierte sich Klub-Chef Josep Maria Bartomeu nach der Vertragsverlängerung (bis 2023) mit Samuel Umtiti / LLUIS GENE/GettyImages

Vielleicht erwartete man einen Run auf den Spieler auf dem anschließenden Transfermarkt - und wollte deshalb vorsorglich Nägel mit Köpfen machen. Immerhin fand im selben Sommer die Weltmeisterschaft in Russland statt.

Ärzte rieten im Frühsommer 2018 von Vertragsverlängerung ab

Doch offenbar gab es damals schon, im Frühsommer 2018, seitens der medizinischen Abteilung der Katalanen erhebliche Zweifel an der Belastbarkeit des Knies des Franzosen. Dies bestätigte nun auch der Journalist Toni Juanmarti im Barça-nahen Onlineportal La Portería (via as.com).

"Barça lagen medizinische Berichte vor, die angesichts des schlechten Zustandes des Knies von einer Verlängerung mit dem Spieler abrieten. Dennoch wurde mit ihm, zu besseren Bezügen, verlängert." Und zwar bis Sommer 2023.

Tatsächlich war Umtiti schon vor der Vertragsverlängerung, im Mai 2018, 14 Spiele lang wegen Knieproblemen ausgefallen. Bei der WM spielte Umtiti dann sechs der sieben Spiele der Bleus über die volle Spielzeit, stand nur beim unbedeutenden letzten Gruppenspiel gegen Dänemark nicht im Kader.

Seit September 2018 verpasste Umtiti wegen Knieproblemen 61 Spiele

Es kam, wie es wohl kommen musste: Im September 2018 verletzte sich der Spieler am Knie - und verpasste somit weite Teile der Spielzeit 2018/19. Und nicht nur das: Wegen der Verletzung (und ihrer Folgeerscheinungen) verpasste Umtiti seitdem insgesamt satte 61 (!) Spiele.

Auch ein Grund dafür, dass Umtiti bis heute einer der Haupt-Verkaufskandidaten bei den Blaugrana ist - und kein anderer Klub sich traut, den Spieler bei dieser Verletzungshistorie unter Vertrag zu nehmen.

Die Personalie Samuel Umtiti ist somit ein weiteres schweres Erbe, das die vorherige Vereinsführung der aktuellen Führungsriege beim spanischen Giganten hinterlassen hat. Und deckt gleichzeitig die offensichtlich nur ungenügende Verzahnung zwischen medizinischer Abteilung und sportlicher Führung des Klubs auf.

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