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Fair-Play auch wenn es um nichts mehr geht? Union und Arminia machen es vor!

DSC Arminia Bielefeld v 1. FC Heidenheim 1846 - Second Bundesliga
Fabian Klos und seine Mannschaft gingen das letzte Spiel an, als wäre es ein Endspiel | Stuart Franklin/Getty Images

Alljährlich kommt es am letzten Spieltag, egal in welchem Land und in welcher Liga, zu dramatischen Konstellationen. Da gibt es Teams, die einerseits ihre eigenen Hausaufgaben machen müssen um die selbstgestecken Ziele doch noch zu erreichen, und gleichzeitig von den Ergebnissen Dritter abhängen. Die finalen Spieltage in Liga 1 und 2 am vergangenen Wochenende machten da keine Ausnahme.

Vor allem im Tabellenkeller der Bundesliga (und somit indirekt auch an der Spitze von Liga 2) gab es am Samstag und Sonntag einige Spiele, die unter besonderer Beobachtung standen. Der SV Werder Bremen musste nicht nur einen eigenen Sieg gegen unbeschwerte Kölner einfahren - sondern auch hoffen, dass die Fortuna keinen Dreier in Berlin landet. Doch schon ein Unentschieden der Rheinländer hätte die Aufgabe der Bremer ungleich schwerer gemacht. Dass die Grün-Weißen dann doch einen Kantersieg mit mindestens vier Toren Differenz (am Ende wurden es sogar fünf) feiern konnten, und somit auch ein Düsseldorfer Remis in der Bundeshauptstadt nichts am Endtableau hätte ändern können, konnte man nicht unbedingt erwarten.

Arminia lässt sich auch von zwei Millionen Euro nicht verführen

Und auch im Unterhaus war der Kampf um die Relegation einer an mehreren Fronten. Für den HSV war klar: gewinnt Konkurrent Heidenheim in Bielfeld, würde auch ein höchster Sieg der Vereinsgeschichte (der steht immer noch bei 7:0) nichts mehr daran ändern, dass der HSV abermals auf dem 4. Platz die Saison beendet. Hinzu kam, dass sich im Laufe der letzten Worte herausstellte, dass die Arminia eigentlich ein ziemlich gewichtiges Argument auf ihrer Seite hatte, um eher den Heidenheimer denn den Hamburgern den Aufstieg "zu gönnen". Banaler Grund: die Verteilung der Fernsehgelder. Mit der Präsenz des HSV im Oberhaus hätte sich der Betrag für den DSC in der kommenden Saison um satte zwei Millionen Euro verringert.

Und dennoch ging die Arminia das Spiel gegen Heidenheim an, als wäre es für sie selbst ein Endspiel. Mit 3:0 schickte der diesjährige Zweitliga-Meister den Relegations-Anwärter zurück an die Brenz - und erstickte jeden aufkeimenden Verdacht der Manipulation im Keim. Und auch Union wollte sich offenbar hinterher nichts nachsagen lassen und "half" den Bremern durch ihr 3:0 gegen die Fortuna. Von dieser Stelle sei das auch gerne mal gesagt: vielen Dank für so viel sportlichen Anstand. Arminia und Union (die Arminia ob der finanziellen Verführung noch etwas mehr als die Berliner) haben das Konzept des Fairplay mit Leben gefüllt.

BVB und Kölner bilden die Kehrseite der Medaille

Aber natürlich gibt es am entscheidenden Spieltag der Saison nicht überall nur Gewinner und mit Lob überhäufte Teams. Niederlagen wie die des BVB (zumal als Wiederholungsdelikt, schenkten die Gelb-Schwarzen doch auch vor zwei Wochen drei Punkte im Heimspiel gegen damals noch abstiegsbedrohte Mainzer ab) gegen die TSG Hoffenheim, zumal in dieser Höhe von 0:4, geben durchaus Anlass, über die richtige Berufseinstellung des einen oder anderen BVB-Profis zu sinnieren. Auch das spätestens ab Halbzeit zwei sehr lustlose Ballgeschiebe der Kölner könnte bei dem einen oder anderen Düsseldorfer Fan zu erheblichen Unmut geführt haben.

Da ist man als HSV (und als einer seiner Fans) ja noch gut bedient in diesem Jahr. Unsere 1:5-Niederlage gegen den SV Sandhausen hatte wenigstens nur ein direktes Opfer zur Folge: und zwar den Dino selbst. Eventuelle Vorwürfe an die unmotivierte Konkurrenz waren damit von vornherein ausgeschlossen.

Dissonanzen zwischen Club und SpVgg

Eine besondere Note gab es auch anlässlich der Fürther Heimniederlage gegen den KSC, die dafür sorgte, dass sich die Badener auf dem letzten Meter noch auf den 15. Platz retteten - und gleichzeitig den Club aus Nürnberg in die Relegation schickte. Wohl aus dem Frust des Nachsitzen-Müssens gegen den Dritten aus der dritten Liga, twitterte der Club: "Da der KSC parallel ein paar Kilometer westlich von Nürnberg gewonnen hat, heißt es jetzt noch mal zwei weitere Spiele für den Club."

Nachvollziehbarer Weise kam diese nur mäßig verhohlene Spitze gegen den Erzrivalen aus Fürth alles andere als gut an. Im Umfeld der SpVgg sorgte er sogar für erhebliche Verstimmung. Als sich dann der entsprechende Shitstorm in den sozialen Medien zusammenbraute, ruderte man in Nürnberg schnell zurück und tweetete:

"Weil dieser Tweet offenbar so verstanden wird, möchten wir deutlich machen: an der aktuellen Situation tragen wir ganz alleine die Schuld. Wir haben es verkackt. Niemand anderes. Und nur wir alleine können das noch gutmachen. Falls das im Tweet anders ankam, tut uns das leid." Eine Entschuldigung für den ersten Tweet gab es abermals nicht.