DFB-Frauen

Ein Tag vor Streichung aus EM-Kader: Maxi Rall und Jana Feldkamp im Interview

Daniel Holfelder
Maxi Rall
Maxi Rall / Visionhaus/GettyImages
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Am 8. Juli wird es ernst für die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft. Im Auftaktmatch gegen Dänemark wollen die DFB-Kickerinnen zeigen, dass sie das Zeug zum Gewinn der Europameisterschaft mitbringen.

Während der EM-Vorbereitung hatte 90min die Möglichkeit, mit einigen Spielerinnen über das bevorstehende Turnier in England zu sprechen. Mit Maximiliane Rall vom FC Bayern und Jana Feldkamp von der TSG Hoffenheim haben sich zwei Akteurinnen Zeit für ein Gespräch genommen, die es ganz knapp nicht in den endgültigen 23er-Kader geschafft haben. Die Gespräche fanden am 16. Juni statt, der 23er-Kader wurde am 18. Juni bekanntgegeben.


Interview mit Maximiliane Rall

90min: Maxi, umgerechnet auf die Spielminuten hast du in der vergangenen Bundesliga-Saison alle 96 Minuten ein Tor geschossen. Insgesamt sind dir zehn Treffer gelungen. Schaffst du das bei der EM auch?

Maxi Rall (schmunzelt): Nein, ich denke nicht. Anders als bei Bayern spiele ich in der Nationalmannschaft nicht im Mittelfeld, sondern auf der Außenverteidigerposition. Da wird es in Sachen Toreschießen schwierig.

90min: Auf welcher Seite bist du eingeplant?

Maxi Rall: Das Trainerteam sieht mich, glaube ich, eher auf rechts, auch wenn ich im letzten WM-Quali-Spiel gegen Serbien links eingesetzt wurde. Auch ich selbst bevorzuge tendenziell die rechte Seite.

90min: Deine Saison beim FC Bayern lief irgendwie merkwürdig. Einerseits hast du 26 Einsätze und beeindruckende zwölf Tore vorzuweisen. Andererseits kamst du in den wichtigen Spielen der Rückrunde – Wolfsburg, PSG – fast gar nicht zum Einsatz. Eine besondere Motivation für die EM?

Maxi Rall: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Es war eine gute Saison für mich, ich habe einige Spiele und auch einige Tore gemacht. In den wichtigen Spielen, das stimmt, hatte ich entweder Corona oder wurde nur eingewechselt. Oder ich habe gar nicht gespielt.

90min: Warum eigentlich?

Maxi Rall: Habe ich mich selbst auch gefragt. Wir haben viele gute Spielerinnen und der Trainer hat andere Qualitäten als meine benötigt. Das gilt es zu akzeptieren.

90min: Vor fünf Jahren - als 23-Jährige - hast du noch bei Hoffenheim in der zweiten Mannschaft gespielt. Heute bist du beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft. Wie ist dieser steile Aufstieg möglich?

Maxi Rall: Bei Hoffenheim in der zweiten Mannschaft waren wir eine ziemlich coole Truppe und sind zwei Mal aufgestiegen Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Im Laufe der Zeit durfte ich hin und wieder bei der ersten Mannschaft mittrainieren und dachte irgendwann: 'Vielleicht wäre es gar nicht schlecht, mit der ersten Mannschaft in der Bundesliga zu spielen.' Das hat irgendwie geklappt und plötzlich lief es auch in der Bundesliga ganz gut. Grundsätzlich bin ich sicher nicht die talentierteste Spielerin, aber ich arbeite sehr viel an mir. Gerade das Training im athletischen Bereich macht mir unheimlich viel Spaß. Vielleicht habe ich mich auch deshalb ganz gut entwickelt in den letzten Jahren.

90min: Im Gegensatz zu vielen anderen Fußballprofis bist du eher selten auf Social Media aktiv. Warum?

Maxi Rall: Ich kann mich mit der ganzen Instagram-Welt nicht so identifizieren. Muss ich wirklich nach jedem gewonnen Spiel sagen, wie stolz ich auf mein Team bin? Muss ich jedem zeigen, wo ich Urlaub mache, was ich esse und wie toll mein Leben ist? Ich glaube nicht. Aber das muss natürlich jeder selbst entscheiden.

90min: Mit 1,80 Meter bist du für eine Fußballspielerin überdurchschnittlich groß. Wie wirkt sich das auf deine Spielweise aus?

Maxi Rall (muss länger überlegen): Viele glauben vermutlich, dass man mit 1,80 Meter besonders kopfballstark ist. Auf mich trifft das leider nicht zu… Auf die längere Distanz hilft mir meine Größe, glaube ich, eine ganz gute Dynamik zu entwickeln. Im Antritt bin ich hingegen nicht so stark, weil ich meine Beine erst einmal in Schwung bringen muss. Wenn du kleiner bist, kannst du wahrscheinlich besser dribbeln, was zu meiner Statur nicht so gut passt. Ich bin beileibe keine Dribblerin, die fünf Übersteiger oder so macht. Aber wenn du den Ball noch irgendwo in letzter Sekunde rausstochern musst, hat man mit längeren Beinen vielleicht einen Vorteil. Grundsätzlich hat alles seine Vor- und Nachteile, würde ich sagen.

90min: Letzte Frage. Wie würdest du deine Rolle im Team beschreiben? Bist du in der Startelf?

Maxi Rall: Nein, ich glaube nicht, dass ich in der Startelf bin. Ich muss erstmal sehen, dass ich es in den Kader schaffe.

Interview mit Jana Feldkamp

90min: Im letzten WM-Quali-Spiel im April hattest du große Probleme mit der Physis der serbischen Stürmerin Jovana Damnjanovic. Hast du dieses Spiel noch einmal analysiert?

Jana Feldkamp: Ja. Ich habe mich sowohl hier mit dem DFB-Trainerteam als auch im Verein bei Hoffenheim eingehend mit meiner Leistung gegen Serbien beschäftigt. Speziell die Szenen, die zu den Toren geführt haben, habe ich mir mehrmals angesehen – und hoffentlich die richtigen Lehren daraus gezogen.

90min: Welche denn?

Jana Feldkamp:
Zum einen muss ich körperlich noch viel dazulernen. Es geht darum, mich entweder schlau zu positionieren, sodass sich die Stürmerin nicht um mich herumdrehen kann. Oder ich muss so viel Kraft aufbauen, dass ich auch gegen robuste Gegnerinnen dagegenhalten kann.

90min: Wie sieht das im Training konkret aus?

Jana Feldkamp: Zum einen wurde mein Krafttraining angepasst. Zum anderen muss ich mich im direkten Zweikampf verbessern, auf meine Beinstellung und meine Positionierung achten, damit ich mich in den direkten Duellen möglichst geschickt anstelle.

90min: Sowohl in den U-Nationalmannschaften als auch in deinen Vereinen warst du stets eine der besten Spielerinnen. Außerdem bist du eine eher introvertierte Person. Setzt dir der Konkurrenzkampf hier in der EM-Vorbereitung besonders zu? Fehlt dir, um deine optimale Leistung zu bringen, die volle Rückendeckung der Bundestrainerin?

Jana Feldkamp: Nein. Die Bundestrainerin bewertet nach Leistung. Was ich auf dem Platz zeige, hat mit meiner Persönlichkeit nichts zu tun.

90min: Im April hast du im 90min-Fragebogen folgendes gesagt: "Ich hätte gerne, dass meine Gegenspielerinnen mich als eklige und nervige Gegenspielerin beschreiben würden." Was tust du, damit dir das gelingt?

Jana Feldkamp: Das ist im Grunde das, worüber wir zu Beginn gesprochen haben. Ich will durch Krafttraining robuster und dadurch ekliger im Zweikampf werden. Ansonsten gibt es, denke ich, kein Patentrezept. Das muss sich einfach mit der Zeit ergeben. Außerdem muss ich mir von Marina (Hegering) und Kathy (Hendrich) einige Dinge abschauen.

90min: Du hast im Fragebogen außerdem verraten, dass du in deinem Leben nur sehr wenige Filme gesehen hast. Das ist ein bisschen ungewöhnlich. Woran liegt das?

Jana Feldkamp: Gute Frage. Irgendwie hat es mich nie angesprochen, Filme zu schauen. Sich zwei Stunden hinzusetzen und einer Geschichte zu folgen, war nicht mein Ding. Ich beschäftige mich lieber mit anderen Dingen.

90min: Letzte Frage. Wie würdest du deine Rolle im Team beschreiben?

Jana Feldkamp: Ich weiß, dass die Konkurrenz auf meiner Position sehr groß ist. Mit Marina (Hegering), Kathy (Hendrich) und auch Obi (Lena Oberdorf) haben wir absolute Top-Spielerinnen in der Innenverteidigung. Trotzdem hoffe ich natürlich auf meine Chance.


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