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Spanien bei der EM 2020: Der Umbruch ist vollzogen - doch reicht es schon für mehr?

Christian Gaul
Spanien lässt die neue Generation von der Kette
Spanien lässt die neue Generation von der Kette / Soccrates Images/Getty Images
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Am 11. Juni 2021 beginnt mit einem Jahr Verspätung die EM 2020. Im Vorfeld des Turniers werfen wir einen Blick auf die teilnehmenden Nationen und stellen Schlüsselspieler vor. Zudem findet ihr bei uns die Termine und möglichen Aufstellungen aller 24 Mannschaften.

Traditionell gehören auch die Spanier wieder zum Kreis der Favoriten, besonders nachdem man sich nun stark verjüngt präsentieren kann. Alte Zöpfe wurden abgeschnitten und dennoch kann man gehörige Qualität vorweisen.


In der Gruppe E wird man auf Schweden, Polen und die Slowakei treffen, ein Weiterkommen ist dabei fest eingeplant - wenn Covid nicht noch weitere Spieler befallen wird.

Denn mit Sergio Busquets wird einer der verbliebenen Charaktere vergangener Triumphe aufgrund eines positiven Tests im Vorfeld der Euro 2020 vorerst fehlen.

Der Kader

Busquets sollte die Spanier eigentlich als Kapitän in das Turnier führen, doch vor dem Testspiel gegen Portugal wurde der Mann des FC Barcelona positiv auf Covid getestet und wird sich bis nach dem zweiten Gruppenspiel in Quarantäne befinden. Damit fehlt Busquets mindestens gegen Schweden und Polen, doch Spanien kann seinen Ausfall kompensieren.

Ohnehin wäre fraglich gewesen, ob Busquets überhaupt als Stammspieler das Turnier bestreitet. Denn mittlerweile hat man den jahrelang verschleppten Umbruch abgeschlossen und mit Rodri (24, Man City) eine Top-Alternative für den 32-Jährigen integriert.

Auch im Tor ist die Wachablösung erfolgt, darf doch mit Bilbaos 23-jährigem Keeper Unai Simón als Nummer Eins gerechnet werden - sehr zum Unmut von David de Gea (30, Man United). Insgesamt stellt Spanien die fünftjüngste Mannschaft, dies zeigt sich auch in der Abwehr.

Nachdem das ewige Duo Ramos-Piqué die Rentenanträge ausgefüllt hat, wird die Innenverteidigung wohl mit zwei Spielern von Manchester City besetzt werden. Dabei haben Aymeric Laporte (27) und besonders der 20-Jährige Eric Garcia noch einige Jahre vor sich. Mit Diego Llorente (27, Leeds) und Pau Torres (24, Villarreal) stehen zwei verlässliche Alternativen bereit.

Als Außenverteidiger wird man Urgestein und Neu-Kapitän Jordi Alba (32, FC Barcelona) und wohl den vielseitigen Marcos Llorente (26, Atlético) erleben dürfen. Beide stehen für eine extrem offensive Interpretation ihrer Rolle. Mit José Gayá (26, Valencia) und César Azpilicueta (31, Chelsea) kann man nahezu gleichwertig nachlegen.

Der bereits angesprochene Rodri wird in der Zentrale wohl durch Thiago (30, Liverpool) und Koke (29, Atlético) unterstützt. Besonders Letzterer wird eine Hauptrolle einnehmen müssen. Pedri (18, FC Barcelona) und Fabián Ruiz (25, Napoli) sind weitere Belege für das neue Spanien unter Trainer Luis Enrique.

Die Dreier-Reihe im Angriff werden Dani Olmo (23, RB Leipzig), Alvaro Morata (28, Juventus) und Ferran Torres (21, Man City) bilden. Als alternative Sturmspitze bietet sich Gerard Moreno (29) an, der mit Villarreal soeben die Europa League gewinnen konnte. Auf den Flügeln stehen noch Mikel Oyarzabal (24, Real Sociedad), Pablo Sarabia (29, PSG) und Adama Traoré (25, Wolverhampton) bereit.

Aufgrund der Covid-Erkrankung von Busquets wurden Stürmer Rodrigo Moreno (30, Leeds) und die Mittelfeldspieler Pablo Fornals (25, West Ham), Carlos Soler (24, Valencia) und Brais Méndez (24, Celta Vigo) von Enrique vorsorglich als mögliche Nachnominierungen berufen, sollten weitere Tests positiv ausfallen.

Generell liest sich Spaniens Kader trotz der Verjüngung extrem stark und der Gruppensieg scheint in Reichweite. Im Achtelfinale könnte jedoch schon das erste Spitzen-Team auf die Spanier warten. Dort wird sich zeigen, wie gefestigt die junge Mannschaft schon ist und wer sich als Ersatz für ehemalige Anführer und Lautsprecher wie Sergio Ramos oder Diego Costa in Szene setzen kann.

Die mögliche Aufstellung der Spanier:


Der Schlüsselspieler - Koke

Koke
Koke könnte die Leader-Rolle stehen / Soccrates Images/Getty Images

Der 29-Jährige wird bei der Euro 2020 die Möglichkeit bekommen, auf großer Bühne in die Fußstapfen von Sergio Ramos und anderen Vorgängern zu treten. Das entstandene Vakuum in den Bereichen Mentalität und Führung könnte Koke mit seiner Erfahrung und seiner Energie bestens besetzen - anders als Leisetreter wie Rodri, Thiago oder Laporte.

Bei Atlético füllte er diese Rolle schon lange aus, doch nun wird es Zeit, auch in der Nationalmannschaft zum Anführer zu werden. Zudem wird er als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive einiges an Laufarbeit zu leisten haben, um das Dreieck mit Alba und Olmo mit Leben zu erfüllen.


Der Aufstrebende - Ferran Torres

Ferran Torres
Spain v Portugal - International Friendly / Angel Martinez/Getty Images

Klar, alles schwärmt von dem 18-Jährigen Wunderkind Pedri. Doch hat dieser wenig Druck und Spieler wie Thiago und Koke vorerst noch vor sich. Torres hingegen muss liefern. Bei Man City brachte es der 21-Jährige in der abgelaufenen Saison zwar auf 36 Einsätze, doch richtiger Stammspieler war er dabei nicht.

In der Königsklasse sammelte er noch vier Tore in fünf Vorrunden-Partien, doch ab dem Achtelfinale spielte er nur noch ganze zehn Minuten - insgesamt. Besonders in den großen Spielen bekam Torres nicht das Vertrauen, bei der Euro 2020 will der Flügelstürmer seinen Vereinstrainer Guardiola nun Lügen strafen.


Die Termine der Spanier in der Vorrunde:

Montag, 14.06.2021, 21:00 Uhr: Spanien - Schweden (Sevilla)

Samstag, 19.06.2021, 21:00 Uhr: Spanien - Polen (Sevilla)

Mittwoch, 23.06.2021, 18:00 Uhr: Slowakei - Spanien (Sevilla)

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