90min
EM 2020

Vor dem Start in die EURO 2020: So liefen die EM-Auftaktspiele seit 1980

Guido Müller
Jun 9, 2021, 4:25 PM GMT+2
Rob Pinney/Getty Images
facebooktwitterreddit

Am Freitag um 21 Uhr beginnt in Rom mit der Partie Italien gegen Türkei die 16. Fußball-Europameisterschaft. Grund genug für uns, mal die EM-Eröffnungsspiele seit 1980 Revue passieren zu lassen.

Seit 1980 deshalb, weil in den fünf vorherigen Turnieren (von 1960 bis 1976) die jeweilige Endrunde praktisch erst mit dem Halbfinale begann. Erst ab der in Italien stattfindenden EM von 1980 fanden die europäischen Kontinentalmeisterschaften in Form eines kompletten Turniers (mit Gruppenspielen in der Vorrunde) statt.

1980: Deutschland - Tschechoslowakei 1:0

Die Neuauflage der Finalpaarung vom vorherigen Turnier (1976 in Jugoslawien), führte Deutsche und Tschechoslowaken am 11. Juni 1980 im Stadio Olimpico zusammen. Das Datum ist übrigens nicht die einzige Parallele zur nun bevorstehenden EURO 2020.

Denn auch die Zuschauerzahl hielt sich mit gut 10.000 Zuschauern in überschaubaren Grenzen. Anders als in der Gegenwart war daran aber nicht etwa eine Pandemie schuld, sondern der Wettskandal, der den italienischen Fußball Ende der Siebzigerjahre in seinen Grundfesten erschüttert hatte.

Die Italiener waren ihres geliebten Calcios schlichtweg überdrüssig geworden. Der Schnitt sollte sich jedoch bis zum Ende des Turniers wenigstens noch auf 25.000 Zuschauer pro Spiel erhöhen.

SOCCER-EURO80-GERMANY-TEAM
Mit dieser Elf bestritt das DFB-Team das Finale gegen Belgien / STAFF/Getty Images

Viel Werbung für ihren Sport konnten die beiden Teams des Eröffnungsspiels jedoch nicht betreiben. Durch ein Tor von Karl-Heinz Rummenigge gewann die DFB-Auswahl am Ende mit 1:0.

Spielnote: 4/10 Punkten

1984: Frankreich - Dänemark 1:0

Wie schon vier Jahre zuvor fand auch die EM in Frankreich mit insgesamt acht Teams, aufgeteilt auf zwei Gruppen, statt. Der Gastgeber hatte im Eröffnungsspiel im Pariser Prinzenparkstadion, das mit knapp 48.000 Zuschauer ausverkauft war, erhebliche Mühe, die als Außenseiter des Turniers angesehenen Dänen zu bezwingen.

Und wer weiß, ob es ihnen überhaupt gelungen wäre, hätte sich Dänemarks Allan Simonsen in der ersten Halbzeit nicht das Bein gebrochen.

Michel Platini of France
Michel Platini wurde bei "seiner" Heim-EM mit 9 Treffern Torschützenkönig (hier eine Szene aus dem Halbfinale gegen Portugal) / Getty Images/Getty Images

Die davon sichtlich geschockten Skandinavier kämpften in der Folge zwar leidenschaftlich gegen den Gegner auf dem Feld und gegen ein lautstarkes Publikum auf den Rängen, mussten aber zwölf Minuten vor Schluss den Siegtreffer der Gastgeber (natürlich von Michel Platini erzielt!) hinnehmen.

Spielnote: 6/10 Punkten

1988: Deutschland - Italien 1:1

Es war nach der WM 1986 in Mexiko das zweite große Turnier, in das der DFB mit Franz Beckenbauer ging. Der fungierte zwar nicht als Bundestrainer (weil er keine offizielle Trainerlizenz besaß), sondern als "Teamchef" - doch das tat der Begeisterung hierzulande im Vorfeld des Turniers keinen Abbruch.

Doch beinahe wäre es mit einem Fehlstart losgegangen. Denn die Italiener ließen sich von der Kulisse der 63.000 Zuschauer im nicht ganz ausverkauften Rheinstadion zu Düsseldorf überhaupt nicht beeindrucken - und gingen kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit (53. Minute) durch Roberto Mancini in Führung.

Was man auf jeden Fall vermeiden wollte, nämlich gegen die defensivstarken Italiener zurückzuliegen, war nun eingetreten. Um so besser, dass der englische Unparteiische Keith Hackett nur drei Minuten später den italienischen Schlussmann Walter Zenga für angeblich zu viele Schritte mit dem Ball in der Hand bestrafte.

West Germany v Denmark - UEFA Euro '88 Group 1
Andy Brehme (hier in einer Szene aus dem zweiten Gruppenspiel gegen die Dänen) rettete Deutschland zum Auftakt einen Punkt / Inpho Photography/Getty Images

Es gab, den heftigen Protesten der Südeuropäer zum Trotz, indirekten Freistoß fast von der Strafraumkante, den Andi Brehme wuchtig zum Ausgleich in die Maschen drosch. Danach schienen beide Mannschaften mit dem Unentschieden zum Auftakt leben zu können.

Spielnote: 6/10 Punkten

1992: Schweden - Frankreich 1:1

Im Schatten des bereits wütenden Jugoslawien-Krieges fand diese Europameisterschaft statt. Aufgrund der Zuspitzung des Konflikts auf dem Balkan wurde das jugoslawische Team erst zehn Tage (!) vor Beginn von dem Turnier ausgeschlossen. Für sie rückten die Dänen (als Zweite ihrer Quali-Gruppe) nach.

Die Nachbarn der Dänen, die gastgebenden Schweden, schienen beim EM-Auftakt am 10. Juni 1992 lange einer faustdicken Überraschung entgegenzustreben. Jan Eriksson hatte die Tre Kronor schon in der 24. Minute in Führung geköpft.

PAPIN FRA
1992 der Superstar im Sturm der Franzosen: Jean-Pierre Papin / Chris Cole/Getty Images

Und just als die Schweden drauf und dran waren, ihren Vorsprung auszubauen, kam Frankreichs Top-Torjäger Jean-Pierre Papin (der im selben Sommer für die damals horrende Ablöse von 25 Millionen Euro von Olympique Marseille zum AC Mailand wechseln sollte) - und besorgte den 1:1-Endstand.

Spielnote: 6/10 Punkten

1996: England - Schweiz 1:1

"Football is coming home" hatten die Veranstalter der EURO 1996 als Motto ausgegeben. Das Teilnehmerfeld war mittlerweile von 8 auf 16 Teams aufgestockt worden.

Doch von der überbordenden Begeisterung in ihrem Land im Vorfeld des Turniers schienen die Three Lions an diesem 8. Juni 1996 fast ein wenig eingeschüchtert zu sein.

Alan Shearer of England scores England's opening goal as Teddy Sheringham (number 10) looks on
Alan Shearer triff zum 1:0 - Teddy Sheringham (10) jubelt schon... / Mike Hewitt/Getty Images

Im mit 78.000 Zuschauern ausverkauften Wembley-Stadion konnte den Gastgebern selbst die frühe Führung durch Alan Shearer (24.) keine Sicherheit verleihen.

Im zweiten Durchgang kamen die Eidgenossen, angetrieben vom eingewechselten Stéphane Chapuisat, immer besser ins Spiel - und folgerichtig in der 83. Minute zum Ausgleich durch Türkyilmaz (per Handelfmeter).

Spielnote: 7/10 Punkten

2000: Belgien - Schweden 2:1

Das erste Turnier des neuen Jahrtausends fand in Belgien und der Niederlande statt. Das Eröffnungsspiel stieg am 10. Juni 2000 im Brüsseler Stade Roi Baudouin (bis 1995 Heyselstadion genannt).

Mit den belgischen Co-Gastgebern und den Schweden trafen dabei sicherlich nicht zwei der Top-Favoriten auf den Turniersieg aufeinander.

Emile Mpenza scores
Der Moment, in dem Emile Mpenza für die Vorentscheidung sorgt / Gary M. Prior/Getty Images

Dennoch entwickelte sich ein ganz munteres Spiel, in dem die Belgier nach dem 2:0 (Tore von Bart Goor und Emile Mpenza) schon wie der sichere Sieger aussahen. Nach Mjöllbys Anschlusstreffer kam aber noch mal Spannung auf, doch am Ende retteten die Roten Teufel den knappen Vorsprung über die Zeit.

Spielnote: 7/10 Punkten

2004: Portugal - Griechenland 1:2

Im Nachhinein könnte man das Auftaktmatch der EURO 2004 als Omen für den späteren Turnierverlauf ansehen.

Denn sensationellerweise gewann am 12. Juni 2004 nicht der favorisierte Gastgeber, sondern der Außenseiter aus Griechenland die Eröffnungspartie im mit 48.000 Zuschauern fast ausverkauften Stadio do Dragão zu Porto.

Und das nicht einmal unverdient, sondern mit einer couragierten Mannschaftsleistung. Zwei frühe Treffer, zu Beginn jeder Halbzeit, durch Giorgos Karagounis und Angelos Basinas zogen den Portugiesen schon sehr bald den Zahn.

Georgios Karagounis
Karagounis (20) schockt die Gastgeber schon früh / Alex Livesey/Getty Images

Erst in der Nachspielzeit konnte Cristiano Ronaldo (der übrigens das Foul zum fälligen Elfmeter von Basinas begangen hatte) noch Ergebniskosmetik betreiben.

Drei Wochen nach diesem Spiel trafen sich beide Teams erneut - diesmal im Finale. Der Rest ist Fußball-Geschichte....

Spielnote: 7/10 Punkten

2008: Schweiz - Tschechien 0:1

Wie schon das Turnier von 2000 fand auch die EM 2008 in zwei Gastgeberländern (Schweiz und Österreich) statt. Den Auftakt machten am 7. Juni 2008 die Eidgenossen mit ihrem Gruppenspiel gegen die Tschechen.

Nach flottem Beginn beider Mannschaften übernahm im mit 40.000 Zuschauern ausverkauften Basler St. Jakobs-Park die Schweiz mehr und mehr das Kommando, ließ aber alle Chancen ungenutzt.

Vaclav Sverkos
Joker Vaclav Sverkos sticht - und sorgt für den Siegtreffer der Tschechen / Phil Cole/Getty Images

Das sollte sich in Durchgang zwei rächen, als der eingewechselte Vaclav Sverkos in der 70. Minute kurz nach seiner Einwechslung zum Endstand traf.

Spielnote: 6/10 Punkten

2012: Polen - Griechenland 1:1

Auch vier Jahre später waren es zwei Gastgeberländer (Polen und Ukraine), die die Europameisterschaft beherbergten. Die Polen machten mit ihrer Partie gegen die Griechen am 8. Juni 2012 den Anfang.

56.000 Zuschauer im pickepackevollen Nationalstadion von Warschau sorgten für einen würdigen Rahmen. Die Qualität des Spiels ließ allerdings zu wünschen übrig. Nach einem furiosen Start gingen die Gastgeber bereits in der 17. Minute durch ihren Torjäger Robert Lewandowski in Führung.

Konstantinos Chalkias, Robert Lewandowski
Robert Lewandowski bejubelt seinen Führungstreffer / Michael Steele/Getty Images

In der Folge glitt den Osteuropäern das Spiel jedoch immer mehr aus der Hand - was die abgeklärten Griechen für sich zu nutzen wussten. Kurz nach der Halbzeitpause stellte Dimitrios Salpingidis den Endstand her.

Spielnote: 5/10 Punkten

2016: Frankreich - Rumänien 2:1

Im Vorfeld der Partie, die am 10. Juni 2012 im ausverkauften Stade de France im Pariser Vorort Saint Denis stattfand, war eigentlich nur über die Höhe des Sieges der Gastgeber spekuliert worden.

Die Rumänen schienen kein wirklich ernstzunehmender Gegner für die vor allem in der Offensive stark besetzten Franzosen zu sein.

Um so länger waren die Mienen der meisten der 75.000 Zuschauer, als es torlos in die Halbzeit ging. Auch auf die frühe Führung nach Wiederbeginn durch Olivier Giroud (57.) hatten die Rumänen eine Antwort. Bogdan Stancu glich nur acht Minuten nach der Führung per Foulelfmeter aus.

France v Romania - Group A: UEFA Euro 2016
Dimitri Payet sorgte für den vielumjubelten Siegtreffer der Franzosen / Catherine Steenkeste/Getty Images

In der Folge mussten die Anhänger der Les Bleus bis zur 88. Minute warten, ehe sie durch einen sehenswerten Schuss von Dimitri Payet erlöst wurden.

Spielnote: 7/10 Punkten

facebooktwitterreddit