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DFB-Team

EM-Kracher Deutschland gegen Frankreich: DFB-Elf und Les Bleus im "Head-to-head"-Vergleich

Dominik Hager
Deutschland gegen Frankreich: Uns wartet ein packender Fight zwischen zwei Top-Mannschaften.
Deutschland gegen Frankreich: Uns wartet ein packender Fight zwischen zwei Top-Mannschaften. / FRANCK FIFE/Getty Images
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Am Dienstagabend ist es endlich soweit: Die DFB-Elf steigt ins EM-Turnier ein und trifft ab 21 Uhr auf keinen Geringeren als Weltmeister Frankreich. Damit wartet wohl die schwerste Auftaktpartie der deutschen EM-Geschichte auf das Team von Joachim Löw. Doch auch die Franzosen hätten sich zum Start ins Turnier sicherlich eine leichtere Aufgabe gewünscht. Beide Teams stecken voller Stars, die allesamt bei Topklubs spielen. Unser "Head-to-head"-Vergleich soll Aufschluss darüber gehen, wer als Favorit in das Mega-Duell geht.


Manuel Neuer - Hugo Lloris

Bereits im Tor haben wir es mit einem extrem hochklassigen Duell zu tun. Hugo Lloris besitzt die unfassbare Erfahrung von 124 Länderspielen und liegt diesbezüglich sogar vor Manuel Neuer, der genau auf 100 Partien kommt.

Lloris ist extrem routiniert und hat starke Reflexe auf der Linie. Allerdings ist der Bayern-Keeper der komplettere und modernere Torwart und hat eine bessere Saison hinter sich als der Franzose bei den Spurs. Wenngleich beide Torhüter das Vermögen haben, einen entscheidenden Beitrag für den Erfolg zu leisten, geht das erste Duell natürlich an den Welttorhüter.

Punkt für Deutschland: 1:0


Joshua Kimmich - Benjamin Pavard

Das Duell Kimmich gegen Pavard ist wohl die eindeutigste Paarung. Zwar wurden in der Vergangenheit öfter Zweifel an der Defensivstärke von Kimmich in der Außenverteidigung laut, jedoch kommt ihm die offensivere Rolle entgegen.

Benjamin Pavard hat zwar in seinen Einsätzen für die Équipe Tricolore selten enttäuscht, gehört jedoch nicht zu den absolut besten Rechtsverteidigern in Europa. Zuletzt absolvierte der Defensiv-Spezialist auch keine überzeugende Saison für die Bayern. Vor allem in der Vorwärtsbewegung offenbart Pavard doch immer wieder Defizite.

Joshua Kimmich ist ein derart guter Spieler und ein solches Mentalitätsmonster, dass er seinen Bayern-Kollegen auch in der für ihn mittlerweile ungewohnten Rolle in den Schatten stellt.

Punkt für Deutschland: 2:0


Matthias Ginter - Raphaël Varane

Raphaël Varane gehört zu den langjährigen Leistungsträgern in der französischen Abwehr. Der Innenverteidiger ist schnell, körperlich stark und gut am Ball. Immer wieder unterlaufen ihm jedoch auch Fehler, weshalb er bei den Königlichen häufiger in der Kritik stand.

Trotz allem gehört der 28-Jährigen zu den stärksten Verteidigern in Europa und hat nicht umsonst mit der Nationalmannschaft und Real Madrid große Erfolge gefeiert. Vor allem auf internationalem Niveau ist der Franzose weitaus erfahrener als Matthias Ginter. Dieser kann, was das betrifft, lediglich auf einige (mal mehr und mal weniger erfolgreiche) internationale Auftritte mit Dortmund und Gladbach setzen.

Ginter ist zweifellos absolut solide und ein verlässlicher Mann, hat jedoch in der Rückrunde auch nicht immer geglänzt. Trotz zuletzt starker Auftritte im DFB-Trikot, geht der Punkt klar an Varane.

Punkt für Frankreich: 2:1


Mats Hummels - N'Golo Kanté

N'Golo Kanté gehört zu den am meisten abgefeierten Spielern der letzten Monate. Dies liegt jedoch nicht nur an seiner bescheidenen Art und seinem sympathischen Auftreten, sondern auch an seinem unglaublichen Können als Fußballer.

Das kleine Energiebündel ist vor allem defensiv unfassbar stark. Der Chelsea-Star ist unermüdlich unterwegs und jagt seinen Gegenspielern einen Ball nach dem anderen vom Fuß. Zudem gelingt es ihm auch, in Sekundenbruchteilen umzuschalten und den nächsten Angriff einzuleiten. Kanté ist derzeit wohl der beste Sechser auf der Welt.

Aufgrund der ungleichen Formationen duelliert er sich in unserem Vergleich mit Deutschlands Abwehr-Chef Mats Hummels. Für das deutsche Team ist es elementar wichtig, dass der erfahrene und zweikampfstarke Dortmunder wieder mit dabei ist. Der Routinier verleiht dem Team sowohl mit als auch gegen den Ball Stabilität.

Allerdings ist der Innenverteidiger nicht mehr der schnellste Sprinter, was gegen Kylian Mbappé durchaus ein Problem werden könnte.

Punkt für Frankreich: 2:2


Antonio Rüdiger - Presnel Kimpembe

Kimpembe und Rüdiger sind beide enorm athletische und aggressive Verteidiger, die allerdings gerne auch in Grenzbereiche hineinstoßen. Während der Franzose in der vergangenen Spielzeit zweimal vom Platz flog, machte der Chelsea-Star beim Champions-League-Finale mit einem fiesen Block gegen Kevin De Bruyne auf sich aufmerksam.

Abgesehen von dieser Szene absolvierte Antonio Rüdiger jedoch mit Abstand die beste Saison seiner Karriere. Unter Thomas Tuchel agierte der 28-Jährige immer als Stammspieler und ließ auch den "Bruder Leichtfuß" nicht mehr raushängen.

Kimpembe hat sich zwar auch etabliert, gehört aber sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft zu den kleinen Schwachpunkten. Gelingt es der DFB-Elf, den Pariser unter Druck zu setzen, könnte man dessen Fehleranfälligkeit durchaus strapazieren.

Punkt für Deutschland: 3:2


Robin Gosens - Lucas Hernández

Wie auf der rechten Seite, haben wir es hier mit einem sehr offensiv eingestellten DFB-Akteur und einem französischen Defensiv-Spezialisten zu tun, was den Vergleich natürlich schwierig macht.

Lucas Hernández hat bei den Bayern nach einer schwachen Debütsaison einen gewaltigen Sprung gemacht. Selbst wenn er nicht immer Stammspieler war, gehörte er zu den besten Defensivspielern der Münchner. Hernández ist einer für die großen Spiele und wird im Duell gegen seine Münchner Teamkollegen alles geben.

Gegen diese Power und Mentalität ist Robin Gosens machtlos. Der Atalanta-Star darf zwar auf seiner Parade-Position spielen und zeigte zuletzt gute Leistungen im Verein und der Nationalmannschaft, ist jedoch im Duell mit Hernández aufgrund seiner defensiven Schwächen nur zweiter Sieger.

Punkt für Frankreich: 3:3


Ilkay Gündogan - Adrien Rabiot

İlkay Gündoğan spielte im Trikot von Manchester City die stärkste Saison seines Lebens und machte mit 17 Saisontoren auf sich aufmerksam. Vor allem in den Wintermonaten zählte der Mittelfeldspieler zu den stärksten Akteuren der Premier League.

In der Nationalmannschaft wird der 30-Jährige jedoch defensiver agieren, worunter seine Torgefahr leiden dürfte. Trotz allem profitiert das Team noch immer von seiner Technik, seiner Erfahrung und seiner Spielintelligenz. Zuletzt stieg er auch im Nationaltrikot in den Kreis der Führungsspieler auf.

Adrien Rabiot ist hingegen eher umstritten und befindet sich im Zweikampf mit Corentin Tolisso, wenngleich dieser monatelang verletzt ausfiel. Rabiot ist ein technisch und körperlich hochveranlagter Spieler, der sein Können aber häufig nicht so ganz auf den Platz bringt. Wirklich überzeugend war auch seine komplette Saison 2020/21 nicht.

Punkt für Deutschland: 4:3


Toni Kroos - Paul Pogba

Sowohl Toni Kroos als auch Paul Pogba haben in ihrer Karriere schon bessere Tage gesehen. Als Spielertypen sind beide eigentlich gänzlich verschieden. Toni Kroos verfügt über ein starkes Passspiel und herausragende technische Fähigkeiten. Wenngleich er nicht der schnellste und zweikampfstärkste Spieler ist, zeichnet er sich noch immer als großer Stratege aus.

Pogba ist eher ein dynamischer und athletischer "Box-to-box"-Spieler, der allerdings auch mit dem Ball gut umgehen kann. Zudem zeichnet sich der Spieler von Manchester United durch seine Torgefahr aus. Auf der Insel erntet der Franzose jedoch Kritik, da er nie so ganz an seine Leistungen aus Turiner Zeiten herankam und auch in wichtigen Spielen nicht immer zu überzeugen wusste.

Punkteteilung: 4,5:3,5


Kai Havertz - Kylian Mbappé

Kai Havertz wusste in der Saison-Endphase nicht nur dank seines Champions-League-Finaltors zu überzeugen. Der Youngster macht gute Wege, präsentiert sich ballsicher und sorgt stets für Torgefahr.

Gegen die Rakete Kylian Mbappé sieht aber auch Havertz nur die Rücklichter. Der Offensiv-Star ist ein echter Key-Player, auf den sich nicht nur zwei oder drei Spieler, sondern fast die ganze Mannschaft konzentriert. Den pfeilschnellen und torgefährlichen Franzosen kann kein Team der Welt ausschalten. Selbst wenn das einigermaßen gelingen sollte, verschafft er noch immer seinen Kollegen wertvolle Freiräume.

Punkt für Frankreich: 4,5:4,5


Serge Gnabry - Antoine Griezmann

Antoine Griezmann hat sich nach seinen schwachen Anfängen beim FC Barcelona gefangen und ist wieder ein echter Leistungsträger. Im Vergleich zu Serge Gnabry liegt er in puncto Scorer mit 22:16 vorne, was Spiele in der Liga und der Champions League betrifft. Allerdings hat das auch viel mit Gnabrys schwacher Hinrunde und seiner anschließenden Corona-Erkrankung zu tun.

Im Vorjahr hätte der Vergleich noch deutlich für den Münchner gesprochen. Für das Nationalteam legen beide starke Zahlen auf. Mit 16 Toren in 21 Länderspielen hat Gnabry die bessere Quote als Griezmann (90 Spiele/36 Tore), jedoch spricht die Turniererfahrung für den Franzosen. Beide Spieler können dank ihrer Technik, Spielfreude und Torgefahr das Spiel entscheiden. Letztendlich entscheidet in diesem Duell die Tagesform.

Punkt für beide: 5:5


Thomas Müller - Karim Benzema

Für beide Routiniers gilt, dass sie eine absolut grandiose Saison gespielt haben. Während Müller vor allem als Vorbereiter glänzte, präsentierte sich Benzema als eiskalter Vollstrecker. Karim Benzema ist die klare Nummer neun, die der DFB-Elf ein wenig fehlt. Der Bayern-Star ist kein klassischer Stürmer und wird seine Rolle auch ganz anders interpretieren.

Zwar macht der 31-Jährige das in der Regel gut, dennoch ist die deutsche Offensiv-Rotation ein wenig aus der Not geboren. Es ist fast unmöglich zu sagen, ob Thomas Müller oder Karim Benzema der bessere Spieler ist, als Mittelstürmer liegt aber zweifellos der Franzose mit seinem kompletten Skill-Set vorne. Deswegen dürfen die amtierenden Weltmeister die Schlitzohrigkeit des DFB-Rückkehrers aber keinesfalls unterschätzen.

Punkt für Frankreich 5:6


Fazit: Wir brauchen den "Zwölften Mann"

Unser "Head-to-head"-Vergleich zeigt, dass sich das DFB-Team fast auf Augenhöhe befindet und nur mit 5:6 unterliegt. Vielleicht können die knapp 15.000 Fans und die heimische Allianz Arena dafür sorgen, dass das Pendel am Ende doch für die DFB-Elf ausschlägt.

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