Eintracht Frankfurt Frauen

"Wir wollen in die Champions League!": Lara Prasnikar im Interview

Daniel Holfelder
Lara Prasnikar gelangen in der vergangenen Saison beeindruckende 21 Scorerpunkte
Lara Prasnikar gelangen in der vergangenen Saison beeindruckende 21 Scorerpunkte / Sebastian Widmann/GettyImages
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Lara Prasnikar von Eintracht Frankfurt gehört den gefährlichsten Angreiferinnen der Frauen-Bundesliga. Die slowenische Nationalspielerin hat sich für die neue Saison einiges vorgenommen und will mit den Adlerträgerinnen unbedingt den dritten Platz aus dem Vorjahr wiederholen - mindestens. Im 90min-Interview verrät die 24-Jährige, warum der Frauenfußball in Frankfurt auf dem richtigen Weg ist, welche Ziele sie in ihrer Karriere noch erreichen will und vieles mehr!


90min: Lara Prasnikar, aufgrund der Champions-League-Qualifikation hat die Saison für euch deutlich früher begonnen als für die anderen Bundesligisten. Leider ist euch gegen Ajax Amsterdam der Einzug in die nächste Runde der Königsklasse nicht gelungen, der dritte Platz aus der Vorsaison hat also am Ende nicht für Champions-League-Gruppenphasen-Teilnahme gereicht. Seid ihr mit eurer Leistung aus der vergangenen Spielzeit trotzdem zufrieden?

Lara Prasnikar: Ja, das sind wir, obwohl wir uns natürlich gerne für die Champions-League-Gruppenphase qualifiziert hätten. Wir hatten uns vor der vergangenen Saison den dritten Platz zum Ziel gesetzt. Dieses Ziel haben wir erreicht, darauf sind und waren wir stolz. Daran ändert natürlich auch das Aus gegen Ajax nichts.

90min: Welches Ziel habt ihr euch für diese Saison gesetzt?

Lara Prasnikar: Unser Ziel bleibt unverändert. Wir wollen auch in der neuen Saison den dritten Platz erreichen und erneut versuchen, in die Champions League einzuziehen. Außerdem wollen wir im DFB-Pokal weiter kommen als zuletzt (Anm. d. Red.: In der vergangenen Saison scheiterte die Eintracht im Achtelfinale am FC Bayern).

90min: Habt ihr das Zeug dazu, die Dominanz von Wolfsburg und Bayern zu brechen? Könnt ihr auch Zweiter oder vielleicht sogar Meister werden?

Lara Prasnikar: Die Qualität von Wolfsburg und Bayern ist schon sehr hoch. Wir haben großen Respekt vor diesen beiden Klubs. Trotzdem gehen wir in jedes Spiel, um es zu gewinnen – und wollen Wolfsburg und München natürlich ärgern. Wenn uns das oft genug gelingt, können wir vielleicht mithalten. Uns sollte aber auch klar sein, dass dafür nicht nur die Spiele gegen Wolfsburg und Bayern von Bedeutung sind, sondern auch die Duelle gegen die vermeintlich kleineren Gegner. Da haben wir in der vergangenen Saison ein paar Punkte zu viel liegen gelassen, die am Ende entscheidend sein können.

90min: Was fehlt euch noch, um die Lücke zu Wolfsburg und Bayern zu schließen?

Lara Prasnikar: Ich glaube, dass unsere Mannschaft viel Potential besitzt und wir im vergangenen Jahr eine gute Entwicklung genommen haben. Was uns noch fehlt, sind zum einen die gleichen professionellen Bedingungen wie in Wolfsburg und München, zum anderen die internationale Erfahrung. Da sind uns Wolfsburg und Bayern, die seit Jahren international spielen, noch klar voraus. Aber wir bei der Eintracht sind auf einem sehr guten Weg.

"Ich komme aus einer fußballverrückten Familie"

90min: Ihr habt mit Merle Frohms nur eine Stammspielerin aus der Vorsaison verloren, andererseits ist mit Stina Johannes auch nur ein Neuzugang mit Startelfpotential gekommen. Bist du mit eurer Transferpolitik in diesem Sommer zufrieden?

Lara Prasnikar: Ich mische mich nicht in Vereins- und Trainerentscheidungen ein. Der Trainer weiß, was er tut, wir vertrauen ihm. Ich bin auf jeden Fall zufrieden, dass wir als Mannschaft zusammengeblieben sind, das ist sehr gut.

90min: In der vergangenen Saison hast du elf Tore erzielt und zehn Vorlagen gegeben. Warst du mit dieser Leistung zufrieden?

Lara Prasnikar: Ich hatte mir vorgenommen, mich im Vergleich zur Vorsaison zu steigern (Anm. d. Red.: In der Saison 2020/21 waren Prasnikar je fünf Tore und Vorlagen gelungen). Das habe ich geschafft, deshalb war ich zufrieden. Ich weiß aber auch, dass ich noch Luft nach oben habe und noch mehr zum Erfolg der Mannschaft beitragen kann.

90min: Welches Ziel hast du dir für die neue Saison gesetzt?

Lara Prasnikar: Eine konkrete Zahl an Toren habe ich mir nicht vorgenommen. Aber ich möchte stabiler in meinen Leistungen und beim Toreschießen werden. Es sollen nicht mehr so viele Spiele dabei sein, in denen mir kein Tor gelingt. Mit der Vorbereitung bin ich bislang sehr zufrieden und hoffe, dass ich und wir alle verletzungsfrei bleiben.

90min: Du bist 2016 aus Slowenien von ZNK Rudar Skale nach Deutschland zu Turbine Potsdam, von dort 2020 zur Eintracht gewechselt. Könntest du für uns ausführlicher beschreiben, wie deine Karriere bislang verlaufen ist? Wann und wo hast du mit dem Fußballspielen angefangen und wie kam der Wechsel nach Deutschland zustande?

Lara Prasnikar: Ich komme aus einer fußballverrückten Familie. Mein Bruder ist Fußballer, mein Vater war Fußballspieler und -trainer. Zu Hause haben wir immer nur über Fußball gesprochen. Fußball war der einzige Sport, den ich in meinem Dorf machen konnte, und es war sowieso klar, dass ich das auch mache. Bis ich zwölf war, habe ich mit den Jungs zusammengespielt. Als das nicht mehr ging, bin ich in die nächste Stadt zu einem Frauenfußballverein gewechselt. Dort habe ich dann gespielt und bin mit 14 oder 15 in die U17-Nationalmannschaft gekommen. Mit 16 habe ich es in die A-Nationalmannschaft geschafft.

Dadurch ist Turbine Potsdam auf mich aufmerksam geworden und hat mich zu einem Probetraining eingeladen. Zuerst waren sie dort nicht ganz zufrieden mit mir und wollten, dass ich noch einige Dinge verbessere. Ich bin also erst einmal wieder zurück nach Hause und einen oder zwei Monate später ein zweites Mal zum Probetraining nach Potsdam. Beim zweiten Mal wollte mich Potsdam dann verpflichten und ich habe einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Damals war ich 18 und traf bei Turbine auf Spielerinnen wie Tabea Kemme, Svenja Huth oder Lia Wälti. Leider habe ich im ersten Jahr nicht so viel Spielzeit bekommen, wie ich wollte. Meistens wurde ich nur in der zweiten Mannschaft eingesetzt. Ab dem zweiten Jahr hat sich das geändert und es ging nur noch nach oben. Meine Zeit in Potsdam war sehr erfolgreich und der Wechsel dorthin war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Trotzdem habe ich nach vier Jahren etwas Neues gebraucht und bin nach Frankfurt gekommen.

"Trainingsbedingungen nicht immer optimal"

90min: Was willst du in deiner Karriere noch erreichen?

Lara Prasnikar: Ich will so früh wie möglich in der Champions League spielen. Das war schon immer mein großes Ziel. Deshalb war ich auch extrem enttäuscht über unser Ausscheiden gegen Ajax. Ich weiß aber auch, dass weitere Chancen kommen werden. Außerdem will ich mit meiner Nationalmannschaft erfolgreich sein. Wir wollen uns für ein großes Turnier qualifizieren. Für die WM 2023 hat es leider nicht ganz gereicht, aber wir werden weitere Chancen bekommen.

90min: Wie würdest du die Bedingungen für den Frauenfußball in Frankfurt beschreiben?

Lara Prasnikar: Mit dem Trainerteam und der medizinischen Abteilung bin ich beispielsweise sehr zufrieden. Da wird in Frankfurt auf sehr hohem Niveau gearbeitet. Leider sind die Trainingsbedingungen nicht immer ganz optimal. Unser Trainingsplatz am Rebstock entspricht aktuell nicht dem Niveau, das man in der Bundesliga braucht. Wir hoffen, dass sich das bald verbessert. Davon abgesehen sind bei uns alle Spielerinnen der ersten Mannschaft Vollprofis und müssen nicht nebenbei noch arbeiten wie bei vielen anderen Klubs.

90min: Letzte Frage. Wer wird Meister und auf welchem Platz landet die Eintracht?

Lara Prasnikar (überlegt): Ehrlich gesagt: Keine Ahnung, wer Meister wird – im Optimalfall landen wir aber auf einem Platz für die UEFA Women's Champions League!


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