90min
Borussia Mönchengladbach

Die Gladbacher Kaderstruktur: Wie viel "Fohlen" steckt derzeit in der Fohlenelf?

Christian Gaul
Mar 31, 2021, 2:20 PM GMT+2
Rocco Reitz und Famana Quizera stehen auf dem Sprung
Rocco Reitz und Famana Quizera stehen auf dem Sprung | Christof Koepsel/Getty Images
facebooktwitterreddit

Mit Rocco Reitz feierte in der laufenden Saison endlich mal wieder ein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs sein Debüt für die Profis der Borussia. Doch nicht nur blieb es für Reitz bislang bei einem einzigen Einsatz, auch zeigten die letzten Jahre, dass die Durchlässigkeit in Gladbach ein wenig erlahmt ist.

Tony Jantschke, Patrick Herrmann, Marc-André ter Stegen - klangvolle Namen in der Bundesliga und im europäischen Fußball. Jeder Anhänger der Borussia kennt diese Spieler, weiterhin gelten sie als Exemplare der tollen Gladbacher Nachwuchsarbeit und stehen zudem für den vielgepriesenen Weg, den Verein über eigens ausgebildete Profis und anschließenden sportlichen Mehrwert oder Verkauf weiter nach oben zu führen.

Allerdings befinden sich Jantschke und Herrmann bereits im Spätherbst ihrer Karriere und auch das Profi-Debüt ter Stegens liegt nunmehr ziemlich genau zehn Jahre zurück. Danach schafften es nur wenige Spieler aus dem Fohlenstall in die Bundesliga, viele von ihnen konnten sich nicht nachhaltig durchsetzen.

Derzeit stellt die Borussia die viertälteste Mannschaft der Bundesliga, mit einem Altersdurchschnitt von 26,2 Jahren. Doch auch schon vor der Zeit von Trainer Marco Rose verabschiedeten sich die Gladbacher zusehends von der einstigen Fohlenelf. Ein Hauptgrund dafür ist sicherlich auch der anhaltende Erfolg des Vereins.

Spitzenklub und Durchlässigkeit - unvereinbar im aktuellen Geschäft der Bundesliga?

Betrachtet man die letzte Dekade der Borussia und inkludiert man zugleich von extern eingekaufte Talente, so kann man neben den genannten Eigengewächsen auch Spieler wie Mo Dahoud, Amin Younes oder die Entwicklungen von Florian Neuhaus, Nico Elvedi, Christoph Kramer oder Denis Zakaria als extrem "fohlig" bewerten.

Demgegenüber stehen jedoch Spieler wie Elias Kachunga, Julio Villalba, Florian Mayer oder Marcel Benger, die nach ein bis zwei Einsätzen für die Gladbacher Profis wieder ins zweite Glied rutschten oder wie Mickael Cuisance und Sinan Kurt eher für Schlagzeilen außerhalb des Platzes sorgten.

Jordan Beyer und Laszlo Bénes wurde beispielsweise mehrfach eine Perspektive eröffnet, nur um dann die hohe Konkurrenz im Kader als Grund für deren Nichtberücksichtigung anzuführen. Gleiches gilt auch für Rocco Reitz, der weiterhin auf seinen zweiten Einsatz für die Profis warten muss.

Dabei scheint die Gladbacher Erfolgsgeschichte mit dem regelmäßigen Verschmähen von Talenten einherzugehen.

Laszlo Benes
Lászlo Bénes bietet sich derzeit in Augsburg an | Markus Tobisch/Getty Images

Denn nimmt man andere Spitzenteams zum Vergleich, dann erkennt man auch dort einen Mangel an Durchlässigkeit oder wer kann auf Anhieb zehn Eigengewächse des FC Bayern benennen, die in den letzten Jahren in den Profikader vorstießen und sich dort behaupteten?

Die Leistungsdichte im europäischen Wettbewerb ist extrem hoch, ein langsamer Aufbau von Talenten ist nur dann gegeben, wenn diese von vornherein über eine immense Qualität verfügen und gleichzeitig mental in der Lage sind, sich auf ihre Entwicklung zu fokussieren.

Diese Talente werden heutzutage bereits in jungen Jahren gescoutet und von jeweils größeren Klubs abgeworben - siehe Florian Wirtz. Als Extrembeispiel ist hier RB Leipzig zu nennen, die ihre hochwertigen Neuzugänge mit Vorliebe von den konzerneigenen Farm-Teams beziehen.

Als Gegenbeispiele könnten Klubs wie der FC Brügge oder Ajax Amsterdam gelten, die regelmäßig mit jungen Spielern in der Champions League konkurrieren. Doch gereicht diesen Teams die qualitative Schwäche der heimischen Ligen dabei zum Vorteil - in der ausgeglicheneren Bundesliga könnte sich dies kein Klub erlauben, der sich dauerhaft um die internationalen Plätze bewerben will, denn das Risiko ist einfach zu groß und die Zeit für ein langsames Heranführen der Talente schlicht nicht mehr vorhanden.

Dennoch wäre es wünschenswert, dass sich die Borussia auch an dieser Stelle darauf besinnen würde, "wo man herkommt" und Spielern wie Reitz, Bénes oder Beyer eine dauerhafte Chance gibt. Teure ausländische Talente zu verpflichten wird sicherlich unumgänglich sein, doch sollte dies nicht die Perspektiven des eigenen Nachwuchses in seiner Gänze blockieren. Der im Sommer bevorstehende "Mini-Umbruch" sollte auch dieses Thema weiter oben auf der Agenda haben.

facebooktwitterreddit