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Die Bundesliga reagiert auf den neuen TV-Vertrag: Debatte um gerechte Verteilung der Gelder

Jun 23, 2020, 9:41 AM GMT+2
1. FC Koeln v Eintracht Frankfurt - Bundesliga
Die Vergabe der TV-Rechte sorgt für viele Diskussionen | Pool/Getty Images
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Mit der Vergabe der neuen TV-Rechte kamen neue Fragen und Kritik seitens der Bundesligisten auf. Diskutiert wird vor allem die anstehende Aufteilung der Gelder an die Klubs. Durch die Coronakrise müsste diese in den Augen vieler überdacht werden. Über die höhe der Gesamteinnahmen zeigte sich die Liga dagegen durchgehen zufrieden.

Mit den neuen TV-Verträgen für die kommenden vier Spielzeiten bleibt einiges beim Alten. Sky und DAZN behalten weiterhin den Großteil der Übertragungsrechte. Neu im Vergleich zur letzten Vergabe sind dagegen die entscheidenden Einbußen, die die Liga aufgrund der Coronakrise verkraften muss.

Nur etwa 1,1 Milliarden Euro werden der DFL pro Jahr zur Verfügung stehen. In diesen Zeiten sei dies dennoch eine sehr gute Bilanz. "Ich bin der Meinung, dass es der DFL gelungen ist, in diesen schwierigen Zeiten ein erstklassiges Ergebnis zu erzielen. Dazu darf man ihr nur gratulieren“, so Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im Handelsblatt.

Kleinere Klubs fordern faire Verteilung

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der Mainzer Finanz-Vorstand Jan Lehmann im kicker. "Die DFL hat unter den aktuell schwierigen Umständen bestmöglich verhandelt. Damit kann die Bundesliga umgehen, es ist immer noch viel Geld im Fußballsystem vorhanden. Die neuen Zahlen machen die Zukunft für uns nun ein Stück weit planbar."

Dennoch müssen die geringeren Einnahmen für ein Umdenken sorgen. Es sei für die kleineren Vereine der ersten und zweiten Liga nicht mehr gerechtfertigt, die Summen nach den Leistungen der Vereine aus den vergangenen Jahren zu verteilen.

1. FSV Mainz 05 v SV Werder Bremen - Bundesliga
Für Klubs ohne Millionenüberschüsse sei eine gerechte Verteilung der Gelder entscheidend | Alex Grimm/Getty Images

Laut Lehmann betreffe der Rückgang der erzielten Gelder "jene kleineren Klubs härter, die, wie wir, im Verhältnis mehr von den Medienerlösen abhängig sind als von anderen Einnahmen. Insofern sollte diese neue Entwicklung auch ein Anlass sein, im Sinne des Wettbewerbs in der Bundesliga über eine fairere Verteilung der Medienerlöse zu diskutieren."

Nicht nur die Mainzer wünschen sich eine ausgeglichenere Zuteilung der Erlöse. Auch Werder Bremen sorgt sich in Person von Klubchef Klaus Filbry um die Chancengleichheit. "Wir müssen uns auf die Verteilung der nationalen und internationalen Medienerlöse konzentrieren, um einen fairen und integren Wettbewerb hinzubekommen."

BVB-Boss Watzke: Nicht versuchen, die Zugpferde der Liga zu schwächen

Kritik gibt es dagegen von Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der seinen Standpunkt deutlich machte. "Ich bin der Meinung, dass der Status quo richtig ist. Wenn man versucht, die Zugpferde der Liga zu schwächen, dann schwächt man die ganze Liga", so der BVB-Boss gegenüber der Funke Mediengruppe.

Hans-Joachim Watzke
Für Watzke ist die leistungsbasierte Verteilung Grundvoraussetzung für die Qualitätssicherung in der Liga | Thomas Lohnes/Getty Images

Die Bewertung und Verteilung aufgrund einer eigenen Fünfjahreswertung soll Bestand haben. Nur so könnte die Bundesliga auch international mithalten. Für Rummenigge sei die bisherige Methodik ebenfalls angebracht. "In Deutschland gibt es eine sehr solidarische, ausgewogene Verteilung der TV-Gelder: Der Meister erhält doppelt so viel TV-Einnahmen wie der Tabellenletzte.“

Wie die Einnahmen letztendlich ausgeschüttet werden, entscheidet das DFL-Präsidium um Christian Seifert. Im neunköpfigen Gremium soll bald über die Verteilung abgestimmt werden. "Die Debatte um die Geldverteilung ist mindestens so intensiv wie die über die Auktion. Ich wünsche mir eine Diskussion mit Anstand, Weitblick und Solidarität", so Seifert, der weitere Unruhen befürchtet.

Im Gremium dominieren derzeit Vertreter der kleineren und mittleren Teams. Die Debatte über eine Gerechte Verteilung dürfte also erst am Anfang stehen.

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